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Experten plädieren für nationale Aufsichtsbehörde von Online-Glücksspiel

Donnerstag, 22. März 2018

/stokkete, stockadobecom

Stuttgart – Angesichts eines Booms von illegalem Glückspiel im Internet fordern Experten eine nationale Aufsichtsbehörde. Da die Verantwortung für die Regulierung des Onlineangebots bei den 16 Bundesländern liege, habe sich Deutschland europaweit zu einem wahren Paradies für illegales Glücksspiel entwickelt, warnte Tilman Becker, Leiter der bundesweit einzigartigen Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim, in Stuttgart.

Dank eines Regulierungsschlupflochs in Schleswig-Holstein würden Onlinecasinos bundesweit um illegale Kundschaft werben. „16 Bundesländer bedeuten eben auch 16 Hebelpunkte, an denen die Staranwälte der Illegalen die Gesetze mit Widerspruchs­verfahren aushebeln können“, erklärte Becker. In den vergangenen Jahren sei kein einziges Urteil gegen einen Online-Anbieter erfolgt, welches das Veranstalten und die Werbung für nicht genehmigte Glücksspiele unter Strafe gestellt hätte.

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Der Hohenheimer Rechtsprofessor Armin Dittmann hält eine Bundesaufsicht für möglich, obwohl das Glückspielmonopol bei den Ländern liege. Beispiel könne die Bankenaufsicht BaFin sein. Die Chancen dafür schätzt er jedoch als gering ein: Es gebe auch politisch niemanden, der sich dieses Problems annehme.

Dabei sei das Suchtpotenzial gerade bei Online-Casinos extrem hoch, wie der Psychologe Tobias Hayer von der Universität Bremen berichtete. Hohe Taktung, schnelle Spiele, etwa am Handy, seien um ein Vielfaches gefährlicher als das vergleichsweise langatmige Lotto-Spiel einmal oder zweimal die Woche.

Einen Großteil ihrer Umsätze machten die illegalen Anbieter mit Süchtigen. Hayer schätzt die Zahl der problematischen oder gar süchtigen Spieler in Deutschland auf rund 500.000. Mit der Öffnung der Märkte etwa für Sportwetten erwarte er eine Steigerung. Zwar machten Sportwetten bisher einen kleinen Teil aus, jedoch seien sie oft ein Einstieg in andere Spiele.

Die Bruttospielerträge des illegalen Online-Marktes ohne Sportwetten haben sich nach Angaben von den Experten in den vergangenen drei, vier Jahren auf geschätzt mehr als zwei Milliarden Euro verdoppelt. Dem Staat dürfte dadurch weit mehr als eine halbe Milliarde Euro Steuern entgehen, hieß es. Der Glückspielmarkt im Internet werde zu 95 Prozent von illegalen Anbietern beherrscht.

© dpa/aerzteblatt.de

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