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Medizin

Prostatakarzinom: Digitale rektale Untersuchung zu ungenau für die Krebsfrüherkennung

Donnerstag, 22. März 2018

/Anatomy Insider, stockadobecom

Hamilton/Ontario – Die digitale rektale Untersuchung, die vor Einführung des PSA-Tests die einzige Möglichkeit zur Früherkennung des Prostatakarzinoms war, ist laut einer aktuellen Metaanalyse in den Annals of Family Medicine (2018; 16: 149–154) eine unzuverlässige Untersuchung, die aufgrund einer hohen Zahl von falsch-positiven Ergebnissen eher schadet als nutzt.

Obwohl die digitale rektale Untersuchung seit Jahrzehnten empfohlen wird, ist ihre Effektivität kaum untersucht. Leen Naji von der McMaster University in Hamilton im kanadischen Bundesstaat Ontario konnte nur 7 Studien mit insgesamt 9.241 Teilnehmern ausfindig machen, in denen das Ergebnis der digitalen rektalen Untersuchung mit einer anschließenden Prostatabiopsie verglichen wurde. 

Die Ergebnisse sind recht ernüchternd: Die Ärzte erkannten mit der digitalen Untersuchung nur 51 % der tatsächlich vorhandenen Prostatakarzinome (Sensitivität 0,51; 95-%-Konfidenzintervall 0,36–0,67), ertasteten jedoch bei 41 % der Teilnehmer einen Befund, der durch die Biopsie nicht bestätigt werden konnte (Spezifität 0,59; 0,41–0,76). Der gepoolte positive prädiktive Wert betrug 0,41 (0,31–0,52) und der gepoolte negative prädiktive Wert 0,64 (0,58–0,70).

Problematisch ist aus Sicht von Naji vor allem die niedrige Spezifität. Sie kann dazu führen, dass gesunden Männern nach einer digitalen rektalen Untersuchung zu einer Prostatabiopsie geraten wird, die nicht nur mit Schmerzen verbunden ist, sondern auch zu Hämaturie, Hämatospermie, rektalen Blutungen und zu bakteriellen Infektionen der Prostata führen kann. Und da auch die Ergebnisse der Biopsie nicht sicher sind, werden einige Patienten operiert, obwohl sie gar nicht an einem Prostatakrebs erkrankt sind.

Die digitale rektale Untersuchung erfüllt nach Ansicht von Naji nicht die Forderungen der Welt­gesund­heits­organi­sation, nach der eine Früherkennung nur durchgeführt werden sollte, wenn der Nutzen eindeutig größer ist als der Schaden. Diese Bedingung ist laut Naji für die digitale rektale Untersuchung nicht erfüllt.

Die digitale rektale Untersuchung findet sich in den Leitlinien der meisten Fachgesellschaften. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfiehlt sie nur in Kombination mit einer PSA-Untersuchung. Nach einer Umfrage aus Kanada bieten dort noch etwa 80 % der Hausärzte die Untersuchung ihren Patienten an. © rme/aerzteblatt.de

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