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Ausland

Verseuchtes Wasser tötet täglich zahlreiche Kinder

Donnerstag, 22. März 2018

/dpa

Osnabrück – Mehr als 1.500 Jungen und Mädchen unter fünf Jahren sterben nach Angaben von terre des hommes jeden Tag in Entwicklungsländern an Durchfall­erkrankungen. Ursache sei in den meisten Fällen verunreinigtes Wasser, wie das internationale Kinderhilfswerk in Osnabrück mitteilte. Keine andere Altersgruppe sei anfälliger, da die Organe von Kindern noch wachsen, ihr Immunsystem unausgereift und ihre kleinen Körper besonders anfällig für schädliche Substanzen im Trinkwasser seien.

Auch Unicef forderte gestern einen verstärkten Einsatz für das Menschenrecht auf sauberes Wasser. Nach Darstellung des Kinderhilfswerks der UNO sterben täglich mehr als 700 Kinder an verunreinigtem Wasser. Weltweit hätten nach neuesten Schätzungen mehr als 663 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und rund 2,4 Milliarden Menschen verfügten über keine hygienischen Latrinen oder Toiletten.

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Häufige Verschmutzung

„Millionen Menschen haben keinen Zugang zu Wasserleitungen oder sauberen Brunnen“, erläuterte Terre-des-hommes-Referent Jonas Schubert. Sie seien darauf angewiesen, ihren Bedarf an Wasser durch Seen, Bäche oder Flüsse zu decken. Diese seien jedoch immer häufiger nicht nur durch Fäkalien, sondern auch durch Chemikalien, Arzneimittel, Pestizide und Schwermetalle wie Arsen, Zyanid oder Blei verseucht.

Falls sich der aktuelle Trend fortsetze, werde die Wasserqualität in den kommenden Jahrzehnten weiter sinken, so terre des hommes. Insbesondere gelte das für die trockenen Regionen, die vom Klimawandel betroffen sind. Neuste Schätzungen der Vereinten Nationen gingen von bis zu fünf Milliarden unter Wasserknappheit leidenden Menschen bis zum Jahr 2050 aus. Das Hilfswerk forderte Unternehmen in Deutschland auf, bei ihren globalen Zulieferern auf die Einhaltung hoher Umweltstandards zu achten. Das sei umso notwendiger in solchen Ländern, in denen die Regierung das nicht anordne.

Auch die neue Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat zu einem respektvolleren Umgang mit Wasser aufgerufen. „Wir müssen nachhaltig mit Wasser umgehen und die Lebensräume am und im Wasser schützen“, sagte Schulze anlässlich des heutigen Weltwassertags. Der ökologische Zustand der Gewässer in Deutschland werde in nur 8,2 Prozent der Fälle als gut oder sehr gut eingestuft. Nach Angaben des Umweltministeriums treten erhöhte Konzentrationen von Pflanzenschutzmitteln vor allem in kleineren Gewässern im ländlichen Raum auf.

Die Grünen kritisierten einen „viel zu sorglosen Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin und in der industriellen Tierhaltung“. Dies führe zur Bildung multiresistenter Keime, die neben Antibiotikarückständen zunehmend in Flüssen und Seen gefunden würden. Sauberes Wasser sei unersetzlich für die Gesundheit und eine intakte Umwelt. Die Grünen forderten mehr Platz, Auslauf und Beschäftigung in der industriellen Tierhaltung, um den Einsatz von Antibiotika weiter reduzieren zu können. „Medikamente, Nitrat und Plastik haben in unserem Wasser nichts verloren“, sagte ein Sprecher der Partei.

Die Linke forderte von der Bundesregierung, den Zugang zu sauberem Trinkwasser als Menschenrecht anzuerkennen. „Wasserrechte müssen staatlich reguliert und gegenüber den Profitinteressen von Konzernen geschützt werden“, sagte der Linken-Politiker Michel Brandt.

Die Vereinten Nationen starten heute anlässlich des Weltwassertages die internationale Aktionsdekade „Wasser für nachhaltige Entwicklung 2018–2028“. Der Weltwassertag steht unter dem Motto „Natur für Wasser“. © kna/aerzteblatt.de

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