NewsMedizinSmartwatch erkennt Vorhofflimmern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Smartwatch erkennt Vorhofflimmern

Donnerstag, 22. März 2018

/Syda Productions, stockadobecom

San Francisco – Die Daten der Photoplethysmographen, mit denen elektronische Armbanduhren („Wearable“ oder „Smartwatch“) ausgerüstet sind, um die Herzfrequenz zu bestimmen, könnten in Zukunft auch zur Früherkennung eines Vorhofflimmerns genutzt werden, wie eine Studie in JAMA Cardiology (2018; doi: 10.1001/jamacardio.2018.0136) nahelegt.

Photoplethysmographen bestehen aus einer LED und einer Fotodiode. Beide sind so klein, dass sie auf der Rückseite einer Smartwatch Platz haben. Die LED sendet mehrere Hundert Male pro Sekunde kleine Lichtblitze aus und die Fotodiode misst das reflektierte Licht. Die Menge des reflektierten Lichts ändert sich im Verlauf des Herzschlags, da nach jeder Systole die Durchblutung zunimmt, was sich auf die Hautfarbe auswirkt. Die Software der Smartwatch kann daraus die Herzfrequenz berechnen.

Anzeige

Der Hersteller Apple hat für seine Smartwatch jetzt einen Algorithmus entwickeln lassen, der auch Unregelmäßigkeiten des Herzschlags erkennt. Dazu wurden die Daten von 9.750 Teilnehmern der „Health eHeart Study“ verwendet, die auch kardiologisch untersucht wurden. Es war bekannt, dass 347 Teilnehmer an Vorhofflimmern litten. Nach einer Trainingsphase war der Algorithmus in der Lage, das Vorhoffflimmern zu erkennen.

Der Algorithmus wurde dann in einer Gruppe von 51 Patienten überprüft, die zur elektrischen oder medikamentösen Kardioversion an eine Klinik der Universität von Kalifornien in San Francisco überwiesen worden waren. Der Algorithmus erzielte eine Sensitivität von 98,0 % und eine Spezifität von 90,2 % (C-Wert 0,97). Er konnte also unter kontrollierten Verhältnissen im Labor ein bestehendes Vorhofflimmern annähernd so gut erkennen wie ein EKG mit 12 Ableitungen.

In weiteren Untersuchungen verwendeten 1.617 Personen das Smartphone. Von ihnen hatten 64 angegeben, dass bei ihnen ein Vorhofflimmern diagnostiziert worden sei. Die Smartwatch erkannte dies mit einer Sensitivität von 67,7 % und mit einer Spezifität von 67,6 %. Der C-Wert betrug 0,72 (ein Wert von 0,5 wäre ein Zufall, ein Wert von 1,0 eine sichere Diagnose).

Die Smartwatch ist damit im Feldeinsatz nur bedingt in der Lage, ein Vorhofflimmern zu erkennen. Nach Ansicht von Mintu Turakhia von der Veteranenbehörde in Palo Alto könnte die Smartwatch dennoch einen Beitrag zur Früherkennung leisten. Durch die Popularität der Smartwatch könnten nämlich deutlich mehr Menschen zu wesentlich geringeren Kosten untersucht werden, als dies mit einem Langzeit-EKG möglich ist. Der Hersteller Apple hat bereits eine Nachfolgestudie begonnen, an der bis Ende 2019 nicht weniger als eine halbe Million Menschen teilnehmen sollen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. März 2019
Berlin – Die gematik – Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte hat den Vorwurf zurückgewiesen, das Konzept für die elektronische Patientenakte sei nicht IHE-konform. IHE
Gematik sieht gültige Standards bei Patientenakte eingehalten
19. März 2019
Berlin – Mit fortschreitender Digitalisierung werden zunehmend internet- und mobilbasierte Selbstmanagement-Interventionen (IMI) für psychische Störungen angeboten, vornehmlich bei leichten bis
Pro und Contra: Sind internet- und mobilbasierte Interventionen sinnvoll bei psychischen Störungen?
18. März 2019
Rochester/Minnesota und Durham/North Carolina – Eine Katheterablation hat in einer großen internationalen Studie bei Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern die Lebensqualität gegenüber einer
Vorhofflimmern: Katheterablation ist Medikamenten nicht immer überlegen
18. März 2019
Hamburg – Gesundheits-Apps werden laut einer Umfrage immer beliebter. Zwölf Prozent der Erwachsenen nutzen inzwischen solche digitalen Anwendungen, wie die Techniker Krankenkasse (TK) heute in Hamburg
Immer mehr Allergiker nutzen Gesundheits-Apps
15. März 2019
Schwerin – Die Landesregierung in Schwerin dringt auf eine rasche Anpassung der Berufsordnung für die in Mecklenburg-Vorpommern tätigen Ärzte, um die Möglichkeiten der Telemedizin besser nutzen zu
Mecklenburg-Vorpommern dringt auf breitere Anwendung der Telemedizin
15. März 2019
Berlin – Arzt- und Psychotherapeutenpraxen müssen bis zum 31. März dieses Jahres die Technik für den Anschluss an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) bestellt haben und dies ihrer Kassenärztlichen
Ärzte sollten Zugang zur Tele­ma­tik­infra­struk­tur bestellen
14. März 2019
Berlin – Schnellere Arzttermine für gesetzlich Krankenversicherte, zusätzliche Leistungen sowie mehr Tempo bei der Einführung der elektronischen Patientenakte: So beschrieb Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER