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Medizin

Tai Chi in Studie bei Fibromyalgiesyndrom effektiver als Physiotherapie

Freitag, 23. März 2018

/michelangeloop, stockadobecom

Boston – Die langsamen Bewegungen des Tai Chi, die weniger eine innere Kampfkunst sind als eine Gymnastik mit meditativen Elementen, haben in einer randomisierten klinischen Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2018; 360: k851) die Symptome eines Fibromyalgiesyndroms teilweise besser gelindert als ein Ausdauertraining, das zu den empfohlenen Behandlungen bei der häufigen Erkrankung zählt. 

Das Fibromyalgiesyndrom ist eine komplexe Störung, die durch chronische Muskel-Skelett-Schmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen und starke körperliche und seelische Störungen gekennzeichnet ist. Die Ursachen sind nicht bekannt, eine einfache Therapie gibt es nicht. Auch die Schmerz-, Schlaf- und Entspannungsmittel oder auch Antidepressiva, die vielen Patientinnen (zu mehr als 80 % sind es Frauen) verschrieben werden, lindern die Symptome in der Regel nicht.

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Zu den empfohlenen Therapien gehört eine Physiotherapie, bei der oft ein leichtes Ausdauertraining im Vordergrund steht. Die Verbesserung der kardiovaskulären Fitness wird als Weg gesehen, die Patienten aus einer körperlichen (und damit verbunden häufig auf auch einer psychosozialen) Passivität zu befreien. Tai Chi hat einen anderen Ansatz. Das Ziel der langsamen Bewegungen sind eine körperliche und seelische Entspannung. Ein Anstieg von Blutdruck und Puls sind nicht vorgesehen.

Das Konzept hatte sich bereits in 2 früheren randomisierten Studien als effektiv erwiesen (NEJM 2010; 363: 743–54; Clinical Rheumatology 2012; 31: 1205–14). Tai Chi war dort jedoch nur mit ineffektiven Kontrollen (Gesundheitserziehung oder Streckübungen) verglichen worden. Die aktuelle Studie war der erste direkte Vergleich mit einer Standardtherapie. Außerdem wurde erstmals verschiedene Dosierungen der Therapie untersucht.

An der Studie nahmen 226 Patienten teil, die die Diagnosekriterien des American College of Rheumatology von 1990 und 2010 für ein Fibromyalgiesyndrom erfüllten. Sie mussten seit mindestens 3 Monaten unter beidseitigen Muskel-Skelett-Schmerzen ober- und unterhalb der Hüfte leiden, die durch Berührung von mindestens 11 von 18 spezifischen Triggerpunkten ausgelöst wurden und auf einem weit verbreiteten Schmerzindex oder einer Symptomskala eine bestimmte Schwelle überschritten.

Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 52 Jahre, 92 % waren Frauen, 61 % waren weiß und sie litten im Durchschnitt seit 9 Jahren unter Schmerzen.

Die Patienten wurden auf 5 Gruppen randomisiert. In 4 Gruppen wurden sie an 1 oder 2 wöchentlichen Stunden über 12 oder 24 Wochen im Yang-Stil des Tai Chi unterrichtet. Die 5. Gruppe traf sich für 24 Wochen 2-mal wöchentlich zum Ausdauertraining, wo sie sich nach einem Aufwärmtraining für 20 Minuten auf 50 bis 60 % ihrer maximalen Herzfrequenz belasten sollten.

Der primäre Endpunkt der Studie waren die Verbesserungen im modifizierten Fibromyalgie-Impact-Fragebogen (FIQR) nach 24 Wochen im Vergleich zum Ausgangswert.

Wie Chenchen Wang vom Tufts Medical Center in Boston und Mitarbeiter berichten, verbesserten sich die FIQR-Werte in allen fünf Behandlungsgruppen. Die Ergebnisse waren in den Tai-Chi-Gruppen jedoch insgesamt besser. Der Unterschied von 5,5 Punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,6 bis 10,4 Punkten signifikant, er blieb aber unterhalb einer Schwelle von 8,1 Punkten, ab der die Vorteile nach Einschätzung von Wang auch klinisch relevant gewesen wären.

Die Tai Chi-Wirkung war dosisabhängig. Die Gruppe, die 2-mal wöchentlich unterrichtet wurde, konnte den FIQR-Wert um 16,2 Punkte (8,7 bis 23,6 Punkte) verbessern. Tai Chi war damit nach Einschätzung von Wang der Physiotherapie klinisch relevant überlegen. 

Tai Chi erzielte auch in den meisten sekundären Endpunkten die besseren Ergebnisse: Die Patienten hatten am Ende der Therapie weniger Angstzustände, sie verfügten über bessere Bewältigungsstrategien, gaben weniger Gelenkbeschwerden an, und unter der höheren „Dosierung“ hatten sich auch die Depressionen gebessert und die Patienten waren insgesamt mit der Therapie zufriedener als mit der Physiotherapie. Diese Zufriedenheit äußerte sich laut Wang auch darin, dass die Patienten häufiger an den Tai-Chi-Stunden teilnahmen als an den Physiotherapie-Sitzungen. © rme/aerzteblatt.de

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