NewsMedizinWie Phagozyten Bakterien abtöten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Wie Phagozyten Bakterien abtöten

Freitag, 23. März 2018

Phagozytose: Eine Makrophage (blau) „frisst“ Bakterien (weiß) /Juan Gärtner, stockadobecom

Bochum – Nach der Phagozytose lösen Makrophagen Bakterien offenbar mit einem toxischen Substanzgemisch auf, das unter anderem Chlorbleiche enthält. Das berichten Wissenschaftler um Lars Leichert und Konstanze Winklhofer von der Ruhr-Universität Bochum und Andreas Meyer von der Universität Bonn in der Fachzeitschrift eLife (2018; doi: 10.7554/eLife.32288).

Wenn Bakterien in die Blutbahn eindringen, sind neutrophile Granulozyten die erste Verteidigungslinie. Nach der Phagozytose überschütten sie das Bakterium mit einem Giftcocktail reaktiver Sauerstoffspezies. Dazu gehören unter anderem Wasserstoffperoxid, das auch in vielen antiseptischen Mitteln enthalten ist, und Chlorbleiche.

Anzeige

Diese Stoffe zerstören die Moleküle des Bakteriums durch Oxidation. Die Arbeitsgruppe hat diesen Prozess jetzt detailliert untersucht: Wie und wann werden Bakterien mit dem Giftcocktail überschüttet? Passiert das nur innerhalb der Immunzellen? Wie lange dauert der Prozess? Welche Enzyme der Immunzellen sind daran beteiligt?

„Wenn wir diese Fragen beantworten können, können wir verstehen, wie es manchen Bakterien gelingt, unser Immunsystem zu überlisten und warum bestimmte genetische Defekte das Immunsystem beeinträchtigen“, erläuterte Leichert.

Die Wissenschaftler verwendeten fluoreszierende Proteine, die erst kürzlich entwickelt wurden. Sie enthalten ein Aminosäurepaar, das besonders empfindlich für chemische Verbrennungen ist. Beleuchtet man diese roGFPs mit blauem Licht, leuchten sie grün. Wird das Aminosäurepaar oxidiert, so leuchten sie auch unter violettem Licht grün.

Für ihre Experimente nutzte die Gruppe Escherichia-Coli-Bakterien, die künstliche Gene mit dem Bauplan für roGFPs enthielten. Diese Bakterien brachten sie mit Immunzellen zusammen, die die Bakterien wie erwartet auffraßen. Unter einem Hochleistungs­mikroskop, das als Großgerät vom Land Nordrhein-Westfalen und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wurde, konnten die Forscher die roGFPs in den Bakterien unter blauem Licht grün leuchten sehen. Waren sie einmal aufgefressen, wurden die roGFPs binnen Sekunden oxidiert und leuchteten auch unter violettem Licht grün.

Phagozytose: Immunzellen fressen Bakterien /youtube, Ruhr-Universität Bochum

„Aus der Geschwindigkeit und der Spezifität, mit der die roGFPs oxidiert wurden, konnten wir schließen, dass Chlorbleiche die Hauptrolle dabei spielt. Immunzellen nutzen also Bleichmittel, um Bakterien zu töten“, folgerte Leichert.

Die Wissenschaftler experimentierten außerdem mit Immunzellen, denen bestimmte Enzyme fehlten. Es zeigte sich, dass Zellen, denen ein aktives NOX2-Enzym fehlte, nicht in der Lage waren, Bakterien durch Oxidation zu vernichten. Dieses Enzym fehlt auch bei Patienten mit einer bestimmten Erbkrankheit. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #711280
P.Peschel
am Montag, 16. April 2018, 16:12

Massiv erhöhter Sauerstoffbedarf zur Bildung von ROS...

ROS u. iNOS wie auch oxidativer Burst unter massiven O2 Verbrauch,meistens unverstanden
Zur Zellregeneration und zur Phagozytose durch das Immunsystem wird ein massiv erhöhtes O2 Angebot benötigt , damit Radikale erzeugt werden mit dem sogenanntem Oxidativen Burst.
Das Abfangen dieser Radikalen ist möglicherweise kontraproduktiv, wie auch in letzter Zeit durch Artikel veröffentlicht wurde.
Zur Erzeugung des ,Oxidativen Burst , bei halbmaximalen Geschwindigkeit wird vor Ort ein O2 Partialdruck von 75 mmHg benötigt , ab 35 mmHg kommt dieser Vorgang zum erliegen.
Besonders in der Wundheilung und bei Krebstherapien finden diese Vorgänge leider wenig Beachtung oder werden total ignoriert...
LNS

Nachrichten zum Thema

18. Januar 2019
Richmond/Virginia – Wenn eine Infektion mit dem Rabiesvirus zu neurologischen Symptomen geführt hat, kommt jede Hilfe zu spät. Eine US-Amerikanerin, die sich bei einer Yogafreizeit in Indien infiziert
Karpaltunnelsyndrom war Initialsymptom eines Tollwutfalls
17. Januar 2019
Hanau – Auf der Intensivstation für Frühgeborene des Klinikums Hanau sind vier Kinder durch den Keim Enterobacter cloacae erkrankt. Bei drei der Säuglingen sei die Infektion aber mittlerweile wieder
Klinik Hanau: Vier Frühgeborene mit Enterobacter cloacae infiziert
16. Januar 2019
Houston – Eine Infektion mit dem Pilz Candida albicans hat im Tierversuch Gedächtnisprobleme und Hirnanomalien verursacht, die denen der Alzheimerkrankheit ähneln. Das berichten Wissenschaftler um
Candidainfektion kann Gedächtnis einschränken
10. Dezember 2018
Magdeburg – In diesem Jahr sind bislang deutlich mehr Norovirus-Erkrankungen diagnostiziert worden als im Vorjahreszeitraum. Bis in die erste Dezemberwoche hinein wurden mehr als 7.600 Fälle der
Anstieg bei Norovirus-Erkrankungen in Sachsen-Anhalt
7. Dezember 2018
Aarhus – Kinder und Jugendliche, die wegen schwerer Infektionen im Krankenhaus behandelt wurden, erkrankten in einer bevölkerungsweiten Kohortenstudie aus Dänemark in JAMA Psychiatry (2018; doi:
Infektionen könnten bei Kindern das Risiko auf psychische Erkrankungen erhöhen
6. Dezember 2018
Berlin – In Deutschland kommt es nach Hochrechnungen des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) jedes Jahr zu 400.000 bis 600.000 Krankenhausinfektionen. Die Zahl der durch nosokomiale Infektionen
Bis zu 600.000 Krankenhausinfektionen
6. Dezember 2018
Berlin – Zu Blasenentzündungen ist eine neue Patienteninformation erschienen. Auf zwei Seiten erfahren Patientinnen in verständlicher Form, wie eine Harnwegsentzündung entsteht und was dagegen getan
LNS
NEWSLETTER