NewsMedizinExpressives Schreiben: Analyse vergangener Fehler reduziert Stress bei neuen Herausforderungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Expressives Schreiben: Analyse vergangener Fehler reduziert Stress bei neuen Herausforderungen

Freitag, 23. März 2018

Junge Frau denkt nach, was sie in ihr Tagebuch schreibt. /Photographee.eu, stock.adobe.com
/Photographee.eu, stock.adobe.com

Newark – Wer sich mit Niederlagen in der Vergangenheit auseinandersetzt, könnte Stress reduzieren und künftige Entscheidungen mit mehr Sorgfalt fällen. Expressives Schreiben führte in einer in Frontiers in Behavioral Neuroscience publizierten Studie zudem zu messbar niedrigeren Cortisolwerten (2018; doi: 10.3389/fnbeh.2018.00045). Forscher von der Rutgers University-Newark konnten somit erstmals demonstrieren, dass das Schreiben und Nachdenken über früheres Versagen die Reaktion auf Stress verbessern.

Steht eine herausfordernde Aufgabe an, lautet der Ratschlag oft, „positiv zu bleiben“. Dabei weisen viele Studien darauf hin, dass gerade eine intensive Auseinandersetzung mit negativen Ereignissen oder Gefühlen zu guten Ergebnissen führt, selbst in starken Stresssituationen wie Schulprüfungen (Journal of Cognitive Psychology 2015, Science 2012). Der vorteilhafte Effekt könne durch Schreiben oder eventuell auch Meditieren erreicht werden.

Anzeige

Aber warum ist diese kontraintuitive Vorgehensweise vorteilhaft? Brynne DiMenichi, Doktorandin ab der Rutgers University-Newark, untersuchte zusammen mit Forschern der University of Pennsylvania und der Duke University die Auswirkungen des Schreibens über frühere Fehlschläge auf zukünftige Aufgaben in 2 Gruppen mit 86 Freiwilligen.

Reduzierte Cortisolwerte trotz erneuten Stresses

Die Testgruppe schrieb 10 Minuten über frühere Fehler, während die Kontrollgruppe über einen Kinofilm schrieb, den sie kürzlich gesehen hatten. Die Cortisolspiegel im Speichel wurden gemessen, um den Stress physiologisch abschätzen zu können. Danach absolvierte ein zufällig ausgewählter Teil beider Gruppen einen Stresstest (Trier Social Stress Test, TSST). Die Testpersonen wurden aufgefordert, einen Experten in einer 5-minütigen Rede davon zu überzeugen, dass sie für ihren Traumjob qualifiziert sind. Anschließend wurde ihre Aufmerksamkeit und Leistung 30 Minuten getestet (Sustained Attention to Response Task, SART).

Die Ergebnisse zeigen, dass Schreiben und kritisches Nachdenken über ein Versagen in der Vergangenheit ein Individuum sowohl physiologisch als auch kognitiv auf neue Herausforderungen vorbereiten kann. Brynne DiMenichi, Rutgers University-Newark

Während die Cortisolwerte zu Beginn der Studie in beiden Gruppen vergleichbar waren, zeigten sich deutliche Unterschiede sowohl in der Leistung als auch bei den Cortisolspiegeln nach dieser Stresssituation. Die Cortisolspiegel in der Kontrollgruppe lagen deutlich höher, als sie die neue Herausforderung durchführte. Die Testpersonen der Interventionsgruppe trafen zudem vorsichtigere Entscheidungen. „Die Ergebnisse zeigen, dass Schreiben und kritisches Nachdenken über ein Versagen in der Vergangenheit ein Individuum sowohl physiologisch als auch kognitiv auf neue Herausforderungen vorbereiten kann“, schlussfolgert DiMenichi.

Für DiMenichi liefern die Daten den Beweis, dass die Technik des expressiven Schreibens in einem pädagogischen, sportlichen oder sogar therapeutischen Umfeld effektiv sein könnte. © gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Oktober 2018
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat die Psychotherapie-Richtlinie um zusätzliche Regelungen für Menschen mit einer geistigen Behinderung ergänzt. Das teilte das oberste Gremium der
Bessere psychotherapeutische Versorgung für Menschen mit geistiger Behinderung beschlossen
11. Oktober 2018
Berlin – Jeder vierte Studierende in Deutschland fühlt sich einer Studie zufolge stark gestresst. Fast gleich hoch ist der Anteil derjenigen, die von Erschöpfung berichten. Das sind Ergebnisse der
Jeder vierte Studierende stark gestresst
1. Oktober 2018
Stuttgart – Die DAK-Gesundheit und MEDI Baden-Württemberg haben ihren seit 2016 bestehenden psychotherapeutischen Facharztvertrag um die Möglichkeit zur Fernbehandlung erweitert. „Durch die Einführung
Psychotherapeutischer Facharztvertrag in Baden-Württemberg um Video-Fernbehandlung erweitert
28. September 2018
Düsseldorf – Emotional enorm aufwühlende Ereignisse steigern das Herzinfarktrisiko nicht nur bei Patienten mit bereits bestehender koronarer Herzerkrankung, sondern auch bei Patienten ohne
Psychische Belastungssituationen steigern das Herzinfarktrisiko auch bei Gesunden
19. September 2018
Rochester – Die klinische Ausbildung übersteigt bei vielen US-Ärzten die persönlichen Ressourcen. In einer landesweiten Umfrage im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 320: 1114–1130) klagte fast
US-Assistenzärzte am Limit: Fast die Hälfte der Residents klagt über Burnout
19. September 2018
München – Akuter Stress kann die Regulation des Blutflusses im Gehirn beeinflussen. Das berichten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in den Proceedings of the National Accadamy
Stress verändert Regulation des Blutflusses im Gehirn
18. September 2018
Berlin – Die Behandlungsoptionen für psychische Erkrankungen zeigen nur begrenzte Erfolge und die Erfolgsraten stagnieren seit Jahren. Dieser ernüchternde Befund gelte für die Psychotherapie und
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER