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Vermischtes

Altenpfleger soll Patienten mit Überdosis Morphin getötet haben

Freitag, 23. März 2018

Darmstadt – Ein Altenpfleger soll im Kreis Darmstadt-Dieburg einen schwerst kranken Mann mit einer Überdosis Morphin getötet haben. Der 44 Jahre alte Deutsche habe bei der Polizei eingeräumt, dass er dem 63-Jährigen in dem Pflegeheim zu viel von dem Schmerzmittel verabreicht und dies auch gewusst habe, sagte Oberstaatsanwalt Robert Hartmann heute in Darmstadt.

Das Motiv des Beschuldigten und der Hintergrund der Tat seien noch unklar. Der Mann sitze wegen des Verdachts auf Totschlag in Untersuchungshaft und schweige. Hinweise auf ein Mord gebe es bisher nicht. Die Ermittler prüfen, ob der Pfleger auch für den Tod anderer Menschen verantwortlich ist. „Einen Hinweis auf andere Fälle gibt es bislang aber nicht“, sagte Hartmann.

Eine andere Pflegekraft hatte die Ermittlungen der Polizei mit einem Hinweis ins Rollen gebracht. Der Mitarbeiter habe ersten Ermittlungen zufolge von einer Unregelmäßigkeit gehört. Der 44-Jährige soll dem Mann doppelt so viel Morphin gegeben haben, wie vorgeschrieben, sagte Hartmann.

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Der Pfleger war seit rund sieben Monaten in der Einrichtung beschäftigt und hatte zuvor in einem anderen Beruf gearbeitet. Er soll aber auch früher schon einmal als Pfleger tätig gewesen sein. Einzelheiten dazu würden auch noch geprüft, sagte Hartmann.

Der schwer kranke Rentner war kürzlich in einem Pflegeheim im östlichen Landkreis Darmstadt-Dieburg gestorben. Die Obduktion ergab Hinweise darauf, dass dem Mann eine Überdosis an Medikamenten verabreicht worden war. Der Pfleger wurde vorgestern festgenommen.

Anonyme Meldesysteme gefordert

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, forderte heute überall anonyme Meldesysteme. Darüber hinaus seien verpflichtende amtsärztliche Leichenschauen, eine lückenlose Kontrolle der Medikamentenausgabe und eine umfassende Sterbestatistik in allen Einrichtungen notwendig. „Die Pflege macht Menschen nicht zu Mördern, aber es wird Mördern in der Pflege zu leicht gemacht“, sagte er. Der Täter sei nur durch den Hinweis eines Kollegen aufgeflogen. Brysch fordert „eine Kultur des Hinschauens an allen Orten, wo Menschen gepflegt werden“.

Der Fall erinnert an andere Pfleger, die kranke und alte Menschen getötet haben. In München etwa sitzt ein 36 Jahre alter Hilfspfleger wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge in Untersuchungshaft. Er soll einen 87-Jährigen mit Insulin getötet haben. Ein Arzt war misstrauisch geworden. Dieser Fall könnte die Spitze eines Eisbergs sein, denn der Pole war in ganz Deutschland im Einsatz, in vier Fällen wird wegen versuchten Mordes ermittelt, dreimal auch wegen Diebstählen.

Gegen den bereits wegen des Todes von sechs Menschen zu lebenslanger Haft verurteilten Patientenmörder Niels H. beginnt im Oktober in Oldenburg ein neuer Prozess. Die Staatsanwaltschaft hat den Ex-Krankenpfleger wegen Mordes an 97 Patienten an den Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg angeklagt. Sie wirft ihm vor, seine Opfer mit verschiedenen Medikamenten zu Tode gespritzt zu haben. Högel hat die Taten nach Angaben der Ermittler weitgehend gestanden. © dpa/kna/aerzteblatt.de

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