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Medizin

Hepatologie: Früherkennung von Lebererkrankungen fällt vielen Hausärzten schwer

Montag, 26. März 2018

Leberwerte und Blutprobe /jarun011, stock.adobe.com
Die Differenzialdiagnose erhöhter Leberwerte ist mannigfaltig, sodass an eine Vielzahl hepatischer und extrahepatischer Erkrankungen sowie Noxen gedacht werden muss. /jarun011, stock.adobe.com

Mainz – Die Bestimmung der Leberwerte gehört zu den häufigsten Labor­unter­suchungen in der hausärztlichen Praxis. Dennoch werden in Deutschland viele Lebererkrankungen erst spät erkannt. Eine Umfrage unter Hausärzten offenbart große Unterschiede in der Bewertung erhöhter Leberwerte, wie Forscher in der DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift berichten (2018; doi: 10.1055/s-0043-122251). Laut den Studienautoren mangelt es vor allem an einem strukturierten, evidenzbasierten Diagnose- und Behandlungspfad.

In Deutschland sterben jedes Jahr rund 21.000 Menschen infolge einer Lebererkrankung. Die häufigste Ursache ist eine Leberzirrhose, der in der Regel eine jahre- bis jahrzehntelange Schädigung der Leber vorausgeht, oft durch übermäßigen Alkoholkonsum.

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Bluttests zur Früherkennung von Lebererkrankungen sind in Deutschland bei allen Hausärzten Routine. Dennoch wird hierzulande jede vierte Leber­erkrankung erst in einem fortgeschritte­nen Stadium erkannt.

Ein Team um Michael Jansky vom Zentrum für Allgemeinmedizin und Geriatrie an der Universitätsmedizin Mainz hat 391 Hausärzte in Rheinland-Pfalz und im Saarland befragt, wie sie auf erhöhte Leberwerte bei ihren Patienten reagieren. Die Analyse ist Teil eines vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) geförderten Projekts zur Früherkennung einer Leberfibrose oder einer asymptomatischen Leberzirrhose (Structured Early Assessment for Asymptomatic Liver Cirrhosis, SEAL).

Unterschiede bei der Auswertung von Leberwerten

Die Antworten zeigen, dass die Hausärzte bereits die Ergebnisse der Blutanalyse sehr unterschiedlich bewerten. Einige konzentrieren sich auf Werte, die in erster Linie die Funktion der Leber beurteilen. Dazu gehören Bilirubin, Blutgerinnung, Cholinesterase und Albumin. Andere achten vor allem auf eine toxische Zellschädigung. Sie wird durch einen Anstieg des Enzyms Alanin-Aminotransferase angezeigt. Eine 3. Gruppe von Ärzten hat den Wert der Gamma-GT im Auge, die eine bereits eingetretene Lebererkrankung anzeigt.

Eine konsequente Ausweisung des ALT-Wertes im Rahmen des Routinelabors ist ein wichtiger Beitrag, um zu verhindern, dass vorhandene Leberkrankheiten übersehen werden.

Jansky und Kollegen führen die unterschiedliche Interpretation der Laborwerte unter anderem auf das Fehlen eines strukturierten, evidenzbasierten Diagnose- und Behandlungspfades zurück. Leitlinien, wie Hausärzte die Laborwerte interpretieren sollten, könnten helfen. Hinzu komme, dass auch die Angebote der Labore nicht einheitlich seien. Gäbe es Vorgaben, wäre dies vermutlich auch ein Anlass für sie, ihre Portfolios stärker zu vereinheitlichen, sind die Wissenschaftler überzeugt: „Eine konsequente Ausweisung des ALT-Wertes im Rahmen des Routinelabors ist ein wichtiger Beitrag, um zu verhindern, dass vorhandene Leberkrankheiten übersehen werden.“ Der erhöhte Wert des Enzyms Alanin-Aminotransferase (ALT) weist auf eine Schädigung der Leberzellen hin.

Bei unklar erhöhten Leberwerten zum Facharzt, statt abzuwarten

Aber nicht jeder erhöhte Laborwert zeigt eine chronische Schädigung der Leber an. Das wissen die Hausärzte und sprechen sich bei moderat erhöhten Werten zu 58 % für ein „kontrolliertes Zuwarten“ von bis zu 8 Wochen aus. Das Verhalten in der Praxis zeichnet jedoch ein anderes Bild: 37 % geben an, die Patienten in der Regel nach Feststellung unklar erhöhter Leberwerte direkt zum Facharzt oder eine Spezialambulanz zu überweisen. „Dies kann als Ausdruck einer gewissen diagnostischen Unsicherheit aufgefasst werden“, bemerken die Studienautoren.

Gastroenterologie: Erhöhte Leberwerte – was nun?

Die Differenzialdiagnose erhöhter Leberwerte ist mannigfaltig. Es muss an eine Vielzahl hepatischer und extrahepatischer Erkrankungen sowie an Noxen gedacht werden. In jedem Fall haben sie prognostische Implikationen für den Patienten. Das wichtigste diagnostische Instrument zur Detektion einer chronischen Lebererkrankung stellt die Bestimmung einfacher Laborparameter dar. Mit einem überschaubaren (...)

Auch in Bezug auf die Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten weist die Umfrage auf Defizite hin. So gaben 2 Drittel der Hausärzte an, dass die Kollegen häufig auf lange Zeit ausgebucht seien. Landärzte beklagten sich über einen Mangel an spezialisierten internistischen Praxen. Darüber hinaus gestalte sich der interdis­ziplinäre Austausch schwierig, weil viele Fachärzte schlecht erreichbar seien. Auch würden die Patienten von den Spezialisten schlecht aufgeklärt, lauteten weitere Kritikpunkte.

Nach Verbesserungsvorschlägen gefragt, sprachen sich die meisten für die Einführung eines strukturierten Diagnose- und Therapiealgorithmus aus, der genau festlegt, wann und wie sie am besten auf erhöhte Leberwerte reagieren sollten. Da Leber­erkrankun­gen oft symptomlos verlaufen, sehen 62 % der Befragten zudem einen „Leber-Check“ ab dem 35. Lebensjahr als sinnvoll an. Des Weiteren wünschen sich 68 % von ihnen vermehrt Fortbildungsveranstaltungen für Hausärzte zur Abklärung von Leberwerten. © gie/EB/aerzteblatt.de

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