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Medizin

Bronchiolitis: High-Flow-Sauerstoff­therapie vermeidet Eskalierung der Therapie

Montag, 26. März 2018

/siraphol, stockadobecom

Boston – Die High-Flow-Sauerstofftherapie, die nach Anwärmung und Befeuchtung der Atemluft eine deutlich erhöhte Sauerstoffgabe ermöglicht, hat in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2018; 378: 1121–1131) bei an Bronchiolitis erkrankten Kleinkindern häufiger als die Standardtherapie eine Eskalierung der Therapie verhindert, ohne allerdings die Dauer der Sauerstofftherapie und die Dauer der Klinikbehandlung zu verkürzen. 

Die Bronchiolitis, eine zumeist durch Virusinfekte ausgelöste Entzündung der kleinen Atemwege, ist weltweit der häufigste Grund für unspezifische Krankenhaus­einwei­sungen von Kleinkindern. Da es keine kausale Therapie gegen die respirato­rischen Viren gibt, besteht die Behandlung im wesentlichen aus einer Unterstützung der Atmung und der Aufrechterhaltung der Hydratisierung. Um einen Sauerstoffmangel (Hypoxämie) zu vermeiden, erhalten die Kleinkinder über eine Nasensonde Sauerstoff. Die Dosis ist jedoch auf etwa 2 Liter pro Minute beschränkt, da es bei höheren Gasflüssen zu einer Austrocknung und damit zu einer Schädigung der Schleimhäute kommen kann.

Diese Nachteile werden bei der High-Flow-Sauerstofftherapie durch eine Anfeuchtung und Erwärmung vermieden. Die eingesetzten Geräte ermöglichen zudem eine genaue Dosierung. Ob der damit verbundene Kostenaufwand gerechtfertigt ist, ist umstritten. 

Neonatologen an 17 Kliniken in Australien und Neuseeland haben in einer rando­misierten Studie beide Strategien miteinander verglichen. Insgesamt 1.472 Kleinkinder im Alter von unter 12 Monaten, die wegen einer klinisch diagnostizierten Bronchiolitis in die Klinik überwiesen worden waren aber nicht sofort eine intensivmedizinische Therapie benötigten (wegen einer Sauerstoffsättigung des Blutes unter 90 Prozent), wurden auf 2 Gruppen verteilt. Die 1. Gruppe erhielt über eine Nasensonde 2 Liter Sauerstoff pro Minute. In der 2. Gruppe erhielten die Kleinkinder über eine spezielle Nasenkanüle eine erwärmte und befeuchtete Luft mit einer Sauerstoffdosis von 2 Litern pro Kilogramm Körpergewicht.

Der primäre Endpunkt der Studie war eine Eskalierung der Therapie. Als Kriterien wurden eine ausbleibende Rückgang der Herzfrequenz, eine ausbleibende Vermin­derung der Atemfrequenz, ein zu hoher Sauerstoffbedarf (ein Sauerstoffanteil in der Atemluft von mehr als 40 %, um eine Sauerstoffsättigung von mindestens 92 % zu erreichen) oder ein sonstiger alarmierender Zustand des Kindes festgelegt. Die Eskalierung sollte erfolgen, wenn mindestens 3 der 4 Kriterien erfüllt waren.

Dieser Punkt wurde in der High-Flow-Gruppe von 87 von 739 Patienten (12 %) erreicht, während sich die Ärzte in der Standardgruppe bei 167 von 733 Kindern (23 %) zu einer Eskalierung entschlossen. Wie das Team um Andreas Schibler vom Lady Cilento Children’s Hospital in Brisbane berichten, war die Risikodifferenz von 11 Prozentpunkten mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 7 bis 15 Prozentpunkten signifikant. Die „Number needed to treat“, also der Anzahl Kinder die behandelt werden müssen, um eine Eskalierung zu vermeiden, betrug 9 (7 bis 14), was für einen hohen klinischen Nutzen der Therapie spricht.

Ob sie allerdings Kosten einsparen würde, bleibt fraglich, da weder die Dauer des Kranken­haus­auf­enthalts noch die Dauer der Sauerstofftherapie gesenkt werden konnte. Die Therapie erwies sich jedoch als sicher. In beiden Gruppen kam es jeweils bei einem Kind zu einem Pneumothorax. Bei 102 von 167 Kindern (61 %) aus der Standard­therapie-Gruppe, bei denen es zu einem Therapieversagen kam, wurde unter anderem eine High-Flow-Sauerstofftherapie veranlasst.

Für Schibler ist die High-Flow-Sauerstofftherapie aufgrund der Ergebnisse eine überzeugende Therapie. Die australischen Pädiater haben bereits mit einer Anschluss­studie begonnen, die die High-Flow-Sauerstofftherapie bei älteren Kindern vergleichen will. Eine High-Flow-Behandlung kostet in Australien etwa 80 bis 120 Dollar. Eine Kostenersparnis könnte sich laut Schibler ergeben, wenn Intensiv­behandlungen vermieden würden, was allerdings in den Studie nicht sicher belegt werden konnte. © rme/aerzteblatt.de

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