Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Leber: Genmutation, die vor NASH schützt, bietet Ansatz für neue Therapie

Mittwoch, 28. März 2018

/madgooch, stockadobecom

Tarrytown/New Jersey – Menschen mit einer Mutation im Gen HSD17B1, die zum Ausfall eines Enzyms im Fettstoffwechsel der Leber führt, sind weitgehend vor einer nichtalkoholischen Steatohepatitis (NASH) geschützt. Die im New England Journal of Medicine (2018; 378: 1096–1106) vorgestellte Entdeckung könnte zur Entwicklung einer Therapie der häufigen Störung führen.

Infolge der Adipositasepidemie erkranken immer mehr Erwachsene an einer nichtalkoholischen Fettleber (NAFL), die bei einigen zu einer nichtalkoholischen Steatohepatitis (NASH) fortschreitet. NASH führt allmählich zur Leberzirrhose, die in den USA bereits häufiger auf eine Adipositas als auf einen Alkoholmissbrauch zurückzuführen ist.

Die Zunahme von NASH und die Tatsache, dass es bisher keine effektive medika­mentöse Therapie gibt, macht die Erkrankung zu einem interessanten Ziel für die Arzneimittelforschung. Diese testet heute nicht mehr ziellos Substanzen in Zellkulturen und an Tiermodellen. Lohnender erscheint den Arzneimittelforschern, die zunehmende Fülle von genetischen Datenbanken zu durchforsten. Die Forscher suchen dabei nach Gendefekten, die Menschen vor einer Erkrankung schützen. Die Auswirkungen eines Gendefekts lassen sich therapeutisch durch Antikörper oder noch moderner durch eine RNA-Interferenz (RNAi) blockieren.

RNAi sind kurze RNA-Abschnitte, die im Zellkern an der Messenger-RNA binden und deren Umsetzung in ein Protein verhindern. Der Fachbegriff ist Gen-Silencing und seine Entdeckung wurde 2006 mit dem Medizinnobelpreis honoriert. Die US-Firma Alnylam aus Cambridge/Massachusetts wurde gegründet, um das Gen-Silencing für die Entwicklung von Medikamenten zu nutzen. Für die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von NASH ist Alnylam eine Allianz mit der Firma Regeneron eingegangen, die mit dem Lipidsenker Alirocumab bereits ein Medikament vermarktet, das einen Gendefekt nachahmt (Hemmung des Enzyms PCSK9 durch einen Antikörper).

Die Firma Regeneron hat zusammen mit dem Krankenversicherer Geisinger Health System die Datenbank DiscovEHR eingerichtet, die die genetischen Daten der Versicherten mit den Krankenakten verbindet.

Mirshahi Gromada und Frederick Dewey von Regeneron haben gezielt nach Gen­varianten gesucht, die mit niedrigen Werten der Leberenzyme Alanin-Aminotransferase (ALT) und Aspartat-Aminotransferase (AST) assoziiert sind. Sie stießen dabei auf die Variante rs72613567:TA im Gen HSD17B13. Das Gen enthält die Information für das Enzym 17beta-Hydroxysteroid-Dehydrogenase, das in der Leber am Lipidstoffwechsel beteiligt ist.  

Die Träger der Variante rs72613567:TA haben ein deutlich niedriges Risiko auf eine alkoholbedingte Lebererkrankung (um 42 % bei Heterozygoten und um 53 % bei Homozygoten). Sie erkranken auch seltener an einer nichtalkoholischen Lebererkrankung (um 17 % bei Heterozygoten und um 30 % bei Homozygoten).

Noch deutlicher war das Risiko auf eine alkoholische Zirrhose (um 42 % bei Heterozygoten und um 73 % bei Homozygoten) und auf eine nichtalkoholische Zirrhose (um 26 % bei  Heterozygoten und um 49 % bei Homozygoten) vermindert.

Die Forscher konnten die Ergebnisse in 3 weiteren Kohorten bestätigen, sodass es sich vermutlich nicht um einen Zufallsbefund handelt. Für die Techniker bei Alnylam dürfte es jetzt ein Leichtes sein, ein RNA-Molekül zu synthetisieren, das als SiRNA in den Zellen auch die funktionierende Variante des Gens zum Schweigen bringt. Wenn sich dieses SiRNA dann in vorklinischen Tests und in klinischen Studien als sicher erweist, könnte in einigen Jahren erstmals ein Medikament zur Behandlung des NASH zur Verfügung stehen. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

13. April 2018
Paris – Eine erfolgreiche Behandlung der Hepatitis C muss kein Vermögen kosten. Die Kombination aus Ravidasvir und Sofosbuvir erzielte nach den jetzt auf der International Liver Conference in Paris
Kombination heilt Hepatitis C für weniger als 300 US-Dollar
12. April 2018
Braunschweig – Einen neuen therapeutischen Impfstoff gegen eine Hepatitis-B-Infektion haben Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) in Braunschweig entwickelt. Dieser soll
Infektiologen entwickeln therapeutischen Impfstoff gegen Hepatitis B
11. April 2018
Göttingen/München – Körperliche und geistige Übungen sind nicht nur für das eigene Gehirn von Vorteil. Sie können auch die Lernfähigkeit der Nachkommen beeinflussen. Das zeigten Versuche bei Mäusen,
Epigenetik: Lernfähigkeit vererbt sich auf die nächste Generation
29. März 2018
London – Der plötzliche Kindstod (SIDS), der im öffentlichen Bewusstsein vor allem mit „äußeren“ Faktoren wie der Bauchlage des Säuglings, warmen Schlafzimmern oder auch mit dem Rauchen der Eltern in
SIDS: Defekter Membrankanal auf Muskelzellen kann Krippentod auslösen
23. März 2018
Bonn – Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wird bundesweit vier Kompetenzzentren für Hochdurchsatzsequenzierung einrichten. Das hat der Hauptausschuss der DFG in Bonn beschlossen. Für die
Forschungsgemeinschaft fördert bundesweit vier Zentren für Hochdurchsatzsequenzierung
8. März 2018
Reykjavik – Die isländischen Gesundheitsbehörden haben begonnen, allen Einwohnern des Landes, die mit Hepatitis C infiziert sind, eine kostenlose Behandlung mit direkt antiviral wirksamen Medikamenten
Island will Hepatitis C ausrotten
7. März 2018
Baltimore – Eine Behandlung mit direkt antiviralen Medikamenten (DAA) kann die Empfänger von Organen infizierter Spender vor einer Hepatitis C schützen. Dies zeigen die Ergebnisse einer Pilotstudie in

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige