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Medizin

Erste Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der interstitiellen Zystitis in Arbeit

Donnerstag, 5. April 2018

Blase und Nieren / dpa
/dpa

Berlin – Die erste deutsche S2k-Leitlinie zur „Diagnostik und Therapie der Inter­stitiellen Zystitis (IC/BPS)“ soll noch dieses Jahr erscheinen. Erste Details aus der Konsultationsfassung, die unter Federführung der Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) entstand, wurden vorab bekannt gegeben.

Schätzungen zufolge sind in Europa 18 von 100.000 Frauen von einer Interstitiellen Zystitis (IC/BPS) betroffen, die Dunkelziffer gilt als sehr hoch.

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Die chronische Entzündung der Blasenwand ist relativ unbekannt und schwer zu diagnostizieren. Im Durch­schnitt dauert es 9 Jahre bis zur Diag­nose Interstitielle Zystitis, die zu 99 % von Urologen gestellt wird. Die Hälfte der Patienten mit der seltenen Krank­heit hat bis dahin mehr als 20 Arztbesuche hinter sich. Dabei stehen die überwiegend weiblichen Patienten unter enormem Leidensdruck. Stechende Unterleibsschmerzen und Harndrang können bis zu 60 Toilettengängen über Tag und Nacht bedeuten. Häufig führt die Erkrankung auch in die soziale Isolation und in die Erwerbsunfähigkeit. „Mit der interdisziplinären Leitlinie haben wir die Möglichkeit, über die Fachgebiete hinweg zu informieren, die Sensibilität der Ärzte für die IC in der Breite zu schärfen und die Versorgungsqualität zu optimieren“, sagt DGU-Presse­sprecher Christian Wülfing.Adressaten der Leitlinie sind vor allem Ärzte und Behandler der Fachrichtungen Urologie, Gynäkologie, Allgemeinmedizin, Schmerztherapie und Physiotherapie.

Heilbar ist IC nicht. Multimodale Therapien, unter anderem medikamentöse Therapien, Blaseninstallationen und Schmerztherapie, können lediglich ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern und Symptome lindern. Ursachen der IC, die mit Begleit­erkrankungen wie Muskel- und Gelenkschmerzen, Migräne, depressiven Verstimmungen, Allergien, Dickdarm- und Magenproblemen einhergeht, sind nicht hinlänglich bekannt. Beschrieben wird die Erkrankung als ein Immun- und Barrieredefekt im Gewebe der ableitenden Harnwege, im Besonderen der schützenden GAG-Schicht der Harnblase, wodurch die Blasenwand vermehrt schädigenden Bestandteilen des Urins ausgesetzt ist und ein andauernder Entzündungsprozess ausgelöst werden kann.

Für eine erstattungsfähige Medikation hatte der Förderverein für Interstitielle Zystitis, der ICA-Deutschland (ICA) lange gekämpft. Mit der Zulassung des Wirkstoffs Natrium-Pentosanpolysulfat für die Therapie der IC durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) steht den Betroffenen seit Oktober 2017 erstmals ein Medikament zur Verfügung, das von den Krankenkassen bezahlt wird.

Der Forschungsbedarf bleibt weiter hoch. „Um Therapieoptionen besser erforschen zu können, benötigen wir als nächsten Schritt einen wissenschaftlichen Konsens über die exakte Differenzierung der verschiedenen Ausprägungen der Erkrankung, der bei künftigen Studien eine genauere Patientenauswahl erlaubt“, so die ICA-Vorsitzende Bärbel Mündner-Hensen. Aktuell läuft eine klinische Medikamentenstudie, die unter anderem von DGU-Leitlinienkoordinator Thomas Bschleipfer geleitet wird.

Bereits 2017 hatte der ICA zwei wichtige Ziele erreicht: So entwickelte der gemein­nützige Verein einen Anforderungskatalog für die Zertifizierung von ausgewiesenen Behandlungszentren. Im September 2017 konnte das Kontinenz- und Beckenboden­zentrum am Schwarzwald-Baar-Klinikum als europaweit erstes Kompetenzzentrum ausgezeichnet werden. Inzwischen haben auch das Marien Hospital in Herne und das Städtische Klinikum Lüneburg das Akkreditierungsverfahren erfolgreich durchlaufen; weitere Zertifizierungen stehen bevor. © gie/EB/aerzteblatt.de

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