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Medizin

Apitherapie: Todesfall nach „Akupunktur“ mit Bienengift

Dienstag, 27. März 2018

/dpa

Madrid – Eine Akupunktur mit lebenden Bienen hat auf unbeabsichtigte und tragische Weise den Beweis erbracht, dass eine Bienengiftallergie tödlich sein kann. Eine 55-jährige Frau aus Madrid starb in der Klinik an den Folgen eines anaphylaktischen Schocks. Der Fall wurde jetzt im Journal of Investigational Allergology and Clinical Immunology (2018; 28: 42–66) vorgestellt.

Die Apitherapie beschreibt die Behandlung von Krankheiten unter Verwendung von Bienenprodukten. Die Bandbreite reicht von der Einnahme oder topischen Anwendung von Honig bis hin zur gezielten Bienenstichtherapie. Eine in Ostasien beliebte Variante ist die Bienen-Akupunktur. Dabei wird eine lebende Biene dazu provoziert, an einer bestimmten Stelle in die Haut zu stechen. 

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Das ist nicht nur schmerzhaft, sondern auch nicht ganz ungefährlich. Systemische Reaktionen sind nicht ungewöhnlich, und wie Chang-Qing Gao von der Central South University in Changsha in der Provinz Hunan in einer früheren Publikation in PLoS ONE (2018; 10: e0126971) berichtete, kann es schnell zu einer anaphylaktischen Reaktion kommen.  

Auf diese Gefahr waren die Therapeuten, die eine 55-jährige Frau aus Spanien wegen „Muskelkontrakturen und Stress“ behandelten, offenbar nicht vorbereitet. Die Frau hatte die Behandlung bereits 2 Jahre alle 4 Wochen ohne Zwischenfälle über sich ergehen lassen. Bei einer dieser Therapien muss es dann aber zu einer Sensibilisierung gekommen sein.

Noch während der Akupunktur begann die Frau schwer zu atmen. Kurze Zeit später wurde sie bewusstlos. Da die Therapeuten kein Adrenalin zur Verfügung hatten, versuchten sie, die anaphylaktische Reaktion durch Methylprednisolon zu stoppen, was nicht gelang. Als die Notfallambulanz nach 30 Minuten eintraf, befand sich die Frau bereits mit einem systolischen Blutdruck von 42 mmHg und einer Herzfrequenz von 110 Schlägen pro Minute in einem Schockzustand. Sie starb einige Wochen später in der Klinik an einem Multiorganversagen.

Der Tod der Frau, die weder Vorerkrankungen wie Asthma oder Herzkrankheiten hatte, noch Risikofaktoren, etwa frühere Reaktionen jeglicher Art mit Hymenoptera, oder Atopien aufwies, zeigt laut Ricardo Madrigal-Burgaleta vom Hospital Ramón y Cajal in Madrid, dass die Bienengift-Behandlung nicht ohne Risiken ist und deshalb nicht ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt werden sollte. © rme/aerzteblatt.de

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