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Medizin

Valproat: Fetale Exposition führt zu schlechteren Schulnoten

Mittwoch, 28. März 2018

/Kzenon, stockadobecom

Swansea/Wales – In Wales erreichten Kinder, deren Mütter während der Schwanger­schaft mit Valproat behandelt worden waren, bei landesweiten Leistungstests in der Grundschule signifikant schlechtere Ergebnisse, wie eine Untersuchung im Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry (2018; doi: 10.1136/jnnp-2017-317515) ergab.

Das seit den 1960er-Jahren verwendete Valproat gehört nach Ansicht vieler Epileptologen noch immer zu den stärksten Medikamenten zur Vorbeugung epileptischer Anfälle. Das Mittel ist jedoch teratogen und sollte deshalb nach Möglichkeit nicht an Schwangere verordnet werden.

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Die negativen Auswirkungen von Valproat, die vor allem die Entwicklung des Gehirns betreffen, sind durch zahlreiche Studien belegt, in denen die als Fetus exponierten Kinder beispielsweise einen (in einer Studie um 9 Punkte) niedrigeren IQ-Wert aufwiesen. Was dies für die schulische Leistung bedeutet, war jedoch unklar.

Aarron Lacey von der Universität Swansea und Mitarbeiter haben hierzu die Daten der  „Key Stage 1“-Untersuchungen ausgewertet, an der alle Kinder in Wales (wie in ganz Großbritannien) im Alter von 7 Jahren teilnehmen. In der Datenbank SAIL („Secure Anonymous Information Linkage“) konnte Lacey 440 Kinder identifizieren, deren Mütter an einer Epilepsie litten. In der Datenbank war auch gespeichert, ob und wenn ja mit welchem Mittel die Mütter während der Schwangerschaft behandelt worden waren.

Von den 440 Kindern waren 115 während der Schwangerschaft mit Valproat exponiert worden. Diese Kinder erreichten zu 12,7 % seltener die Mindestergebnisse im Gesamttest als der Durchschnitt der walisischen Erstklässler. In Mathematik fielen sie zu 12,1 % häufiger durch, im Sprachtest verfehlten sie das Ziel zu 10,4 % häufiger und in Sachkunde zu 12,2 % häufiger.

Die Kinder waren bei 2 der 3 Tests und im Gesamtergebnis auch signifikant häufiger durchgefallen als Kinder, deren Mütter an Epilepsie litten aber in der Schwangerschaft keine Antiepileptika eingenommen hatten. Lacey wertet des als Argument dafür, dass tatsächlich die Medikation und nicht die Erkrankung für die schlechteren Startchancen der Kinder verantwortlich waren.

Die Studie hat auch die Auswirkungen von Lamotrigin und Carbamazepin untersucht. Für beide Wirkstoffe wurde kein sicherer negativer Einfluss auf die schulischen Leistungen gefunden. Es waren jedoch nur wenige Frauen mit Lamotrigin behandelt worden, sodass nach Einschätzung von Lacey hier keine sichere Aussage möglich ist. Zu Carbamazepin waren in anderen Studien Hinweise auf negative Auswirkungen auf die kognitiven Leistungen gefunden worden. Es gebe jedoch auch Untersuchungen, in denen die Behandlung der Mütter in der Schwangerschaft den Kindern nicht geschadet habe.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat dieser Tage noch einmal bekräftigt, dass Frauen im gebärfähigen Alter nur dann mit Valproat behandelt werden sollten, wenn eine sichere Schwangerschaftsverhütung sichergestellt ist. In anderen Indika­tionen als der Prophylaxe von epileptischen Anfällen sollte Valproat bei Frauen im gebärfähigen Alter gar nicht mehr eingesetzt werden. Betroffen sind die Indikationen bipolare Störungen und die Anfallsprophylaxe von Migräne, in denen Valproat gelegentlich eingesetzt wird. © rme/aerzteblatt.de

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