NewsMedizinWie orale Antibiotika die Symptome von Virusinfektionen verstärken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Wie orale Antibiotika die Symptome von Virusinfektionen verstärken

Mittwoch, 28. März 2018

/pedrosala, stockadobecom

Saint Louis – Antibiotika sind bei Virusinfektionen nicht nur wirkungslos, sie könnten sogar schädlich sein, wie tierexperimentelle Untersuchungen in Cell Reports (2018; doi: 10.1016/j.celrep.2018.03.001) vermuten lassen.

Da bakterielle und virale Infektionen häufig die gleichen Symptome verursachen, werden beispielsweise bei Atemwegsinfektionen häufig Antibiotika verordnet, auch wenn die Mehrzahl dieser Infektionen von Viren verursacht werden. Die häufige Verordnung von Antibiotika in der ambulanten Versorgung – in den USA kommen auf 1.000 Patienten im Jahr 800 Verordnungen von Antibiotika – wird für die Ausbreitung von resistenten Bakterien mit verantwortlich gemacht. 

Zu den Risiken gehört auch eine Schädigung der Darmflora, die Durchfallerkrankungen bis hin zu den Clostridium-difficile-Infektionen auslösen kann, an der in den USA jedes Jahr fast eine halbe Million Menschen erkranken und 29.000 sterben. 

Auf ein mögliches weiteres Risiko weisen tierexperimentelle Ergebnisse hin, die Larissa Thackray von der Washington School of Medicine in St. Louis/Missouri und Mitarbeiter jetzt vorstellen. Die Forscher verabreichten Mäusen 2 Wochen lang täglich ein Placebo oder einen Cocktail aus 4 Antibiotika (Vancomycin, Neomycin, Ampicillin und Metroni­dazol), bevor sie die Mäuse mit dem West-Nil-Virus infizierten. Etwa 80 % der Mäuse, die keine Antibiotika erhalten hatten, überlebten die Infektion. Von den mit Antibiotika behandelten Mäuse starben dagegen 80 %.

Weitere Experimente zeigten, dass das Sterberisiko an einer West-Nil-Infektion bereits nach 3 Tagen einer Antibiotikatherapie erhöht war und nach dem Ende der Antibiotika­therapie noch für 1 Woche erhöht blieb.

Interessanterweise erhöhten nicht alle 4 der eingesetzten Antibiotika das Risiko. Nach einer Monotherapie mit Ampicillin oder Vancomycin starben die Mäuse häufiger am West-Nil-Fieber. Für eine Monotherapie mit Neomycin konnte dies nicht nachgewiesen werden. Allerdings verstärkte Neomycin die Wirkung von Ampicillin oder Vancomycin.

Thackray führt das erhöhte Risiko auf eine Störung der Darmflora zurück, zu der es unter der Therapie mit den Antibiotika kommt. Dafür spricht, dass das Risiko einer tödlichen West-Nil-Infektion durch eine Stuhltransplantation auf Tiere übertragen werden konnte, die keine Antibiotika erhalten hatten.

Der Pathomechanismus ist nicht klar. Thackray kann zwar zeigen, dass die Antibiotika­behandlung die Zahl der spezifischen CD8-Zellen vermindert, die die Abwehr der Infektion koordinieren. Auf welche Weise dies geschieht, ist nicht bekannt. 

Unklar ist letztlich auch, ob die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind und ob nur die Empfänglichkeit für West-Nil-Infektionen oder auch für andere Viren erhöht ist. Dies können nur epidemiologische Studien zeigen. Sie könnten beispielsweise der Frage nachgehen, ob Patienten, die wegen banaler Atemwegsinfektionen orale Antibiotika erhalten haben, häufiger unter den Komplikationen von Virusinfektionen leiden. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

2. April 2020
Frankfurt am Main − In der Coronakrise deckt sich Deutschland kurzfristig in großem Stil mit einem Präparat ein, das hilfsweise gegen die Lungenerkrankung COVID-19 zum Einsatz kommen soll. Wie
Deutschland deckt sich mit Hilfsmedikamenten gegen Coronavirus ein
31. März 2020
Heinsberg – „Wir sind der übrigen Bundesrepublik zwei Wochen voraus“. Das hat heute der Landrat des Landkreises Heinsberg, Stephan Pusch, bei der heutigen Pressekonferenz zum Start einer
Heinsberg-Studie zur Klärung von Ansteckungswegen beginnt
31. März 2020
Peking − Patienten, die von COVID-19 genesen sind, können möglicherweise weiterhin Viren in den Faeces oder über das Sputum ausscheiden. Dies berichten chinesische Mediziner in den Annals of
COVID-19: Studie findet Hinweise auf längere Ausscheidung in Faeces und Sputum
25. März 2020
Bonn – Die meisten Antibiotika werden von Patienten genommen, deren Erkrankung keinen Klinikaufenthalt erfordert. In Deutschland machen diese Fälle rund 85 % aller Antibiotika-Verschreibungen aus. Das
Kinder und Stadtbewohner nehmen am meisten Antibiotika ein
25. März 2020
Kiel − „Nicht nur die ganze Zeit untätig zu Hause rumsitzen“ − das war auch einer der Gründe, warum sich Marie Noormalal freiwillig gemeldet hat. Jetzt gehört sie zu dem Team aus
Freiwillig im Krankenhaus: Helfen in der Coronakrise
24. März 2020
Berlin − Italien, Frankreich, Belgien, China, Spanien − viele Länder haben sich im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus für Ausgangssperren entschieden. In Deutschland gilt in
Risiken und Wirkung von Kontaktbegrenzung und Ausgangssperre
24. März 2020
Berlin − In der Coronakrise muss sich die Bevölkerung auf stetige Veränderungen bei Regeln für den Alltag einstellen. „Wir werden vorerst nicht mehr zu einer Normalität wie vorher zurückkehren
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER