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Medizin

Ivermectin macht Insektenstich für Malariamoskitos zum tödlichen Risiko

Donnerstag, 29. März 2018

/dpa

Liverpool – Ivermectin, das bisher einzige zugelassene „Endektozid“, das gegen äußere wie innere Parasiten wirksam ist, könnte in Hochendemie-Ländern helfen, die Malaria einzudämmen. Eine Studie in Lancet Infectious Diseases (2017; doi: 10.1016/S1473-3099(18)30163-4) zeigt, dass die Behandlung von Malariapatienten, sollten sie erneut gestochen werden, auch die Moskitos abtötet.

Ivermectin wird seit 3 Jahrzehnten erfolgreich zur Behandlung der Flussblindheit (Onchozerkose) und anderer Parasitenerkrankungen eingesetzt. Das Mittel, das einen Chloridkanal aktiviert, der nur bis hinaus zu wirbellosen Tieren existiert, hat ein breites Wirkungsspektrum, zu dem neben dem Malariaerreger auch der Überträger, die Anophelesmücke, zählt.

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Dies eröffnet die Möglichkeit, mit einem Medikament zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Ivermectin könnte helfen, die Parasiten im Blut der Patienten abzutöten (was allerdings die Kombination mit anderen Mitteln erfordert), und es könnte gleichzeitig die Überträger bekämpfen, was wiederum langfristig die Zahl der Infektionen vermindern würde.

Damit der Wirkstoff, den die Mücken beim Stich zusammen mit dem Blut aufsaugen, wirken kann, muss die Dosis jedoch höher sein als bei der Anwendung beim Menschen. Die Dosis zur Behandlung von Darmparasiten beim Menschen beträgt 3 mg pro Tag. Um Malariamücken nach dem Stich abzutöten, müsste eine etwa 10-fach höhere Dosis verwendet werden. Aufgrund der guten Verträglichkeit von Ivermectin könnte dies möglich sein.

Ein Team um Feiko ter Kuile von der Liverpool School of Tropical Medicine hat in einer randomisierten klinischen Studie in Kenia 741 Erwachsene über 3 Tage mit 300 µg/kg pro Tag (das wäre bei einen 75 kg schweren Menschen 45 mg) oder mit 300 µg/kg pro Tag (entsprechend 22,5 mg) oder mit Placebo behandelt. Die Behandlung fand im Rahmen einer normalen artemisininbasierten Malariatherapie statt.

7 Tage nach der Behandlung wurden die Patienten gebeten, sich von einer Anophelesmücke stechen zu lassen. Die Mücken wurden nach der Blutmahlzeit eingefangen und beobachtet. Wie ter Kuile mitteilt, starben in den ersten 2 Wochen nach der Fütterung 93 % beziehungsweise 97 % der Moskitos, die das Blut der mit 300 beziehungsweise 600 µg/kg/Tag behandelten Patienten gesaugt hatten. In der Vergleichsgruppe starben nur 41 % der Moskitos in Gefangenschaft.

Die Behandlung war für die Patienten jedoch mit zusätzlichen Belastungen verbunden. Bei einem Patienten kam es zu EKG-Veränderungen (QT-Verlängerung mit T-Wellen-Inversion) und bei einem zweiten zu einer anaphylaktischen Reaktion (auf Piperaquin oder auf Ivermectin). Die Mehrzahl der unerwünschten Ereignisse war laut ter Kuile jedoch mild oder moderat. Unter der höheren Dosis klagten 5 der 45 Patienten über zusätzliche Nebenwirkungen, unter der niedrigeren Dosis waren es nur 2 von 48 Patienten. 

Forscher des Imperial College London haben ausgerechnet, dass die Behandlung mit Ivermection in Hochendemie-Ländern die Chance einer lokalen Eliminierung der Malaria um 61 % (höhere Dosierung) beziehungsweise 54 % (niedrigere Dosierung) erhöhen würde. In Niedrigendemie-Ländern wäre der Beitrag mit 56 % beziehungs­weise 44 % niedriger. 

Die Forscher haben die vorläufigen Ergebnisse der Studie bereits der Weltgesundheits­organisation (WHO) vorgestellt. Die UNITAID, die Medikamente zur gegen HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose für ärmere Ländern finanziert, soll bereits Interesse bekundet haben. © rme/aerzteblatt.de

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