NewsÄrzteschaftBundes­ärzte­kammer warnt vor Zentralisierung der medizinischen Nutzenbewertung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Bundes­ärzte­kammer warnt vor Zentralisierung der medizinischen Nutzenbewertung

Donnerstag, 29. März 2018

/MG, stockadobecom

Berlin – Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) sieht die Pläne der Europäischen Kommission, die medizinische Nutzenbewertung von Arzneimitteln, Medizinprodukten und weiteren Versorgungsleistungen (Health Technology Assessment, HTA) zu zentralisieren (Änderung der Richtlinie 2011/24/EU), kritisch. Das zeigt eine vorläufige fachliche Einschätzung der BÄK, die heute veröffentlicht wurde.

Demnach sei die Absicht grundsätzlich zu begrüßen, systematische, evidenzbasierte Nutzenbewertungen innerhalb der EU zu fördern, heißt es in dem Papier. Allerdings überzeuge der konkrete Vorschlag der EU-Kommission nur bedingt, denn sie habe sich entschlossen, eine Angleichung zu erzwingen.

Methodische Defizite

Die BÄK bemängelt, dass die Sorge der EU-Kommission weniger den möglicherweise parallel beschäftigten HTA-Institutionen gilt, sondern vor allem den wirtschaftlichen Interessen der Hersteller von Arznei- und Medizinprodukten. Für diese bedeute die Zentralisierung nämlich eine erhöhte Planungssicherheit sowie eine leichtere Einflussnahme auf die Bewertung, so die BÄK.

Hinzu kommen aus Sicht der Bundes­ärzte­kammer methodische Defizite. Die EU-Kommission wolle etwa absehbaren Konflikten bei Preisfindung und Kostenübernahme vorbeugen, indem sie lediglich die Bewertung des medizinischen Nutzens zentralisiert. Die Bewertung der sozialen, ethischen oder ökonomischen Dimension soll hingegen weiter in den Händen der Nationalstaaten liegen.

Aus Sicht der BÄK ist diese Trennung „artifiziell“. Das HTA-Verfahren erfordere ein Gesamtkonzept. Zudem sei eine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Kategorien „nicht so trennscharf möglich, wie es im Kommissionspapier unterstellt wird.“

Auch das Argument der EU-Kommission, die singuläre Bewertung trage zu einem besseren Patientenschutz bei, kann nach Ansicht der Ärzteschaft nicht überzeugen. So lieferten gerade divergierende Ergebnisse in verschiedenen HTA-Verfahren wichtige Warnsignale und Hinweise auf weiteren Klärungsbedarf. Die BÄK verweist in diesem Zusammenhang auf die wachsende Bedeutung des Mehraugenprinzips und von Zweitmeinungsverfahren.

In der Summe ziele der Vorstoß in Richtung Binnenmarkt-Harmonisierung auf einen weiteren Kompetenzverlust der Nationalstaaten für ihre Gesundheits- und Sozialsysteme, bilanziert die BÄK. Damit stellt sie sich hinter die Kritik der Abgeordneten des Deutschen Bundestags. Diese hatten der EU-Kommission erst kürzlich eine Subsidiaritätsrüge erteilt.

© may/EB/aerzteblatt.de
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. Januar 2019
Köln – Patienten mit Plattenepithelkarzinomen im Mund, Rachen oder Kehlkopf können von einer Therapie mit dem monoklonalen Antikörper Pembrolizumab profitieren. Das berichtet das Institut für Qualität
Pembrolizumab verlängert Überleben bei Plattenzellkarzinomen an Kopf und Hals
7. Januar 2019
Köln – Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) konnte bei einer Dossierbewertung keinen Zusatznutzen der Wirkstoffkombination Encorafenib plus Binimetinib für
IQWiG sieht keinen Zusatznutzen von Encorafenib plus Binimetinib bei fortgeschrittenem Melanom
12. Dezember 2018
Berlin – Der Vorsitzende der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Wolf-Dieter Ludwig, hat bedauert, dass sich die AkdÄ nicht an mehr Verfahren zur frühen Nutzenbewertung neuer
Frühe Nutzenbewertung: AkdÄ würde sich gerne häufiger beteiligen
5. Dezember 2018
Brüssel – Das Europäische Parlament will in der kommenden Woche über das neue Forschungsprogramm „Horizont Europa“ abstimmen. Dabei soll insbesondere die Bekämpfung von Krebsarten bei Kindern
Europaparlament plant rund eine Milliarde Euro für Krebsforschung bei Kindern
27. November 2018
Brüssel – Das Ende der Zeitumstellung im Frühjahr und Herbst kommt wohl noch nicht im kommenden Jahr. Die EU-Staaten wollten mehr Vorlaufzeit, bestätigten EU-Diplomaten heute in Brüssel. Deshalb
Ende der Zeitumstellung wohl noch nicht 2019
22. November 2018
Köln – Eine kombinierte Balneofototherapie (Licht-Bade-Therapie) kann für Patienten mit einem atopischen Ekzem (Neurodermitis), Vorteile gegenüber einer trockenen UV-Therapie haben. Zu diesem Ergebnis
Patienten mit atopischem Ekzem profitieren von Balneophototherapie
16. November 2018
Berlin – Das Bundessozialgericht hat die Bildung von Mischpreisen für Arzneimittel der frühen Nutzenbewertung zwar für rechtmäßig erklärt. Dennoch ist die Wirtschaftlichkeit einer Verordnung dieser
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER