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Politik

Viele junge Erwachsene erwarten Antibiotika­verordnung

Dienstag, 3. April 2018

/Christian Schwier, stockadobecom

Hamburg – Trotz vieler Aufklärungskampagnen erwarten viele Patienten offenbar weiterhin, dass ihnen Ärzte Antibiotika verschreiben, wenn ihre Erkältungsbe­schwerden länger anhalten. Das berichtet die DAK-Gesundheit auf der Basis einer Umfrage des Forsa-Instituts. Die Meinungsforscher haben dafür rund 3.000 Deutsche über 18 Jahre befragt.

Laut der Umfrage haben 24 Prozent der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten einmal ein Antibiotikum erhalten, zehn Prozent zweimal und drei Prozent dreimal oder häufiger. Dass ihnen in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal ein Antibiotikum verschrieben wurde, geben 18- bis 29-Jährige häufiger an als Befragte ab 30 Jahren.

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Erwartungshaltung bei jungen Erwachsenen höher

72 Prozent der Befragten erwarten laut der Umfrage eine Antibiotika-Verordnung, wenn ihre Erkältungsbeschwerden nicht von selbst besser werden (2014: 76 Prozent). Vor allem die jungen Erwachsenen setzen laut der Umfrage auf diese Wirkstoffe, bei den Menschen ab 60 Jahren sind es nur 67 Prozent.

„Diese Erwartungshaltung ist problematisch, vor allem, wenn sie sich auf das Verordnungsverhalten der Ärzte auswirkt“, sagte Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit. „Antibiotika sind lebensrettende Medikamente, die wir dringend benötigen. Werden sie unkritisch eingenommen, verschärft sich das Risiko der Resistenzbildung. Deshalb brauchen wir einen Bewusstseinswandel in Deutschland“, so Storm.

Auch über die Einsatzgebiete der Wirkstoffe sind viele Deutsche offenbar nicht ausreichend informiert: 31 Prozent der Befragten denken, Antibiotika würden bei Virusinfekten wirken (2014: 38 Prozent), 19 Prozent erhoffen sich Hilfe bei Pilzinfektionen (2014: 23 Prozent).

Der Verband der Ersatzkassen (vdek) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wollen mit dem im Rahmen des Innovationsfonds entwickelten Projekts „Resistenz­vermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen“ (RESIST) Ärzte und Patienten für einen adäquateren Umgang mit Antibiotika sensibilisieren.

Missverständnisse ausräumen

Beim Start des Projektes wies Attila Altiner, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Rostock, auf Missverständnisse bei der Arzt-Patienten-Kommu­nikation hin. So werde die Erwartungshaltung der Patienten, ein Antibiotikum verordnet zu bekommen, häufig von Ärzten überschätzt. Durch eine gemeinsame Entscheidungsfindung ließen sich diese Missverständnisse ausräumen, so Altiner. 

In Sachsen-Anhalt erhalten Haus- und Fachärzte seit kurzem zusätzliches Geld, wenn sie bei Versicherten der AOK Sachsen-Anhalt und der IKK gesund plus einen Schnell­test auf das C-reaktive Protein (CRP) einsetzen. Ziel des Projekts, das die beiden Kassen mit Unterstützung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen-Anhalt und dem Landeshausärzteverband im Rahmen des dortigen Hausarztvertrages angehen, ist es, die Diagnose für die Verordnung von Antibiotika zu verbessern. Der Hausärzte­verband wies darauf hin, der Test könne auch helfen, die Anspruchshaltung der Patienten zu verringern. © hil/aerzteblatt.de

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