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Medizin

Studie: Antibiotika und Säureblocker bei Säuglingen erhöhen Allergierisiko

Dienstag, 3. April 2018

/silentalex88, stockadobecom

Bethesda/Maryland – Die Behandlung von Säuglingen in den ersten 6 Monaten mit Säureblockern und Antibiotika könnte über eine Störung der Darmflora die Entwicklung von Allergien begünstigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine retrospektive Kohorten­studie in JAMA Pediatrics (2018; doi: 10.1001/jamapediatrics.2018.0315). 

Nahrungsmittelallergien sind (nicht nur) in den USA seit den 1990er-Jahren deutlich häufiger geworden. Gleichzeitig ist die Zahl der Säuglinge gestiegen, die mit Antibi­otika und/oder mit Säureblockern behandelt werden. Antibiotika werden wegen der häufigen Infektionen in den ersten Lebensmonaten eingesetzt. H2-Rezeptor­anta­gonisten (H2RA) und Protonenpumpeninhibitoren (PPI) werden zur Behandlung von „gastroösophagealen Refluxerkrankungen“ eingesetzt. Beide Indikationen sind umstritten. Infektionen werden häufiger durch Viren als durch Bakterien ausgelöst. Spuckkinder werden als „Refluxkinder" medizinalisiert. 

Behandlungen sind in den USA häufig. Von 792.130 Kindern, für die Soldatenfamilien im ersten Lebensjahr Leistungen über die TRICARE-Versicherung in Anspruch nahmen, erhielten 60.209 Kinder (7,6 %) in den ersten 6 Monaten wenigstens einmal einen H2-Blocker, 13.687 Säuglingen (1,7 %) wurde ein PPI verschrieben und bei 131.708 Säuglingen (16,6 %) wurden Antibiotika eingesetzt.

Beide Wirkstoffgruppen, Antibiotika und H2RA/PPI, haben Auswirkungen auf die Darmflora, der Immunologen in den ersten 6 Lebensmonaten ein wichtige Bedeutung für die Entwicklung des Immunsystems beimessen. An Tieren konnte gezeigt werden, dass eine Säuresuppression die Sensibilisierung auf Nahrungsmittelallergene fördert und zur Bildung von IgE-Antikörpern führen kann.

Edward Mitre von der F. Edward Hébert School of Medicine in Bethesda/Maryland und Mitarbeiter können jetzt zeigen, dass Säuglinge, die in den ersten 6 Monaten der Kindheit H2RA oder PPI erhielten, bis zum mittleren Alter von 4,6 Jahren mehr als doppelt so häufig an Nahrungsmittelallergien litten. Für den Einsatz der H2RA ermittelte Mitre eine adjustierte Hazard Ratio (aHR) von 2,18 (95-%-Konfidenzintervall 2,04–2,33). Für die PPI betrug die aHR 2,59 (2,25–3,00).

Der Einsatz beider Medikamentengruppen war auch mit einer erhöhten Rate auf andere allergische Erkrankungen wie Asthma, Neurodermitis, Heuschnupfen (allergische Rhinitis), Kontaktdermatitis und Medikamentenallergien verbunden. Eine Urtikaria oder anaphylaktische Reaktionen traten bei Kindern, die als Säuglinge H2RA und/oder PPI erhalten hatten, ebenfalls häufiger auf.

Für Antibiotika wurde ebenfalls ein erhöhtes Risiko gefunden. Am deutlichsten war die Assoziation mit Asthma (aHR 2,09; 2,05–2,13), es folgen allergische Rhinitis (aHR 1,75), Anaphylaxie (aHR 1,51) und allergische Konjunktivitis (aHR 1,42).

Sämtliche Assoziationen waren signifikant. Sie beweisen jedoch nicht, dass H2RA/PPI und Antibiotika für die Allergien verantwortlich sind. Retrospektive Studien sind anfällig für Verzerrungen und damit Fehlinterpretationen. Im Extremfall könnte eine reverse Kausalität vorliegen, bei der die H2RA/PPI für eine vermeintliche Reflux­krankheit eingesetzt wurden, die in Wirklichkeit die erste Manifestation einer Nahrungsmittelallergie wäre.

Allerdings sind Nahrungsmittelallergien in den ersten 6 Monaten selten, zumal einige Kindern noch gestillt werden, was in den ersten Lebensmonaten die Regel sein sollte, aber nicht ist. Die Exposition mit Nahrungsmittelallergenen gilt in dieser Zeit als ungefährlich. In Studien erzielte die Exposition mit den betroffenen Nahrungsmitteln (häufig Erdnüsse oder Baumnüsse) sogar eine protektive Wirkung. © rme/aerzteblatt.de

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