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Medizin

Geschlechts­identität: Neuer Name stärkt psychische Gesundheit

Donnerstag, 5. April 2018

Pinnwand mit Namen auf Post-its /fotografiche.eu, stock.adobe.com
Aufgrund der transsexuellen Prägung kann man seinen Vornamen offiziell ändern, wenn anzunehmen ist, dass sich das Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht nicht mehr ändern wird. /fotografiche.eu, stock.adobe.com

Austin – Viele Jugendliche, die von der allgemeinen Geschlechternorm abweichen, bevorzugen es, mit einem von ihnen ausgewählten Namen angesprochen zu werden. Für ihre psychische Gesundheit ist es von Vorteil, wenn dieser neue Name in möglichst vielen Situationen genutzt wird – das Risiko für Depressionen und Selbstmord sinkt, wie Forscher der University of Texas in einer Studie mit fast 130 Jugendlichen im Journal of Adolescent Health berichten (2018; doi: 10.1016/j.jadohealth.2018.02.003).

Die Studienautoren haben Jugendliche zwischen 15 und 21 Jahren befragt, die transgender, queer, bi- oder homosexuell waren (LGBT = Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender). Etwa die Hälfte hatte sich für einen neuen Namen entschieden. Die Befragung offenbarte, dass es dabei entscheidend war, ob sie ihren gewählten Namen in der Schule (n = 57), zu Hause (n = 54), bei der Arbeit (n = 50) oder mit Freunden (n = 69) verwenden konnten. Verglichen mit Gleichaltrigen, die ihren gewählten Namen in keinem Zusammenhang verwenden konnten, erlebten Jugendliche, die ihren Namen in allen vier Bereichen verwenden konnten, 71 % weniger Symptome einer schweren Depression, sie hatten weniger Selbstmordgedanken (34 %) und 65 % weniger Selbstmordversuche.

Institutionen wie Schulen, Krankenhäuser, Finanzinstitute, Arbeitsstätten und Gemeindeorganisationen könnten diese jungen Menschen unterstützen, ihre Geschlechtsidentität zu bestätigen, indem sie die bevorzugten Namen verwenden, schlussfolgert daher Autor Stephen T. Russell, Professor für kindliche Entwicklung.

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In einer früheren repräsentativen Studie mit mehr als 560.000 Jugendlichen hatte er herausgefunden, dass LGBT-Jugendliche (etwa 8.000) doppelt so oft Selbstmord­gedanken haben wie gleichaltrige Nicht-LGBT-Jugendliche (33,73 % versus 18,85 %, Child and adolescent Psychiatry 2017). Etwa 1 von 3 LGBT-Jugendlichen berichtete über Selbstmordgedanken.

In der neuen Studie konnten Russel und seine Kollegen zeigen, dass schon der Gebrauch des selbst gewählten Namen in einem der 4 abgefragten Kontexte mit einem Rückgang der Selbstmordgedanken um 29 % verbunden war. Bei den Ergebnissen wurden Einflussfaktoren wie persönliche Eigenschaften und soziale Unterstützung berücksichtigt. Diese deutliche Verbindung überraschte selbst Russell, der bereits seit 20 Jahren auf dem Gebiet forscht.

Namensänderung in Deutschland

In Deutschland können Menschen mit transsexueller Prägung ihren Vornamen und rechtlichen Geschlechtseintrag anpassen. Das Gesetz trat 1981 unter dem Titel „Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen“ in Kraft. Der neue Vorname und der rechtliche Geschlechtseintrag werden in der Geburtsurkunde und allen anderen Papieren eingetragen. Die alten Daten dürfen weder ausgeforscht noch müssen sie preisgegeben werden (§ 5 und §10 TSG).

Eine Hürde enthält das Gesetz jedoch. Transsexuelle müssen nachweisen, seit mindes­tens 3 Jahren im Gegengeschlecht identifizierbar zu sein. Die Grünen wollten dies korrigieren und einen Gesetzesentwurf vorlegen. Im Juni 2017 legte der Bundesrat einen Beschluss vor, in dem die Bundesregierung unter anderem aufgefordert wird, die teure und unnötige Begutachtungspflicht vor einer Vornamens- beziehungsweise Personenstandsänderung sofort abzuschaffen und durch ein Verwaltungsverfahren zur Anerkennung der Geschlechtsidentität zu ersetzen.

Bundesrat will mehr Rechte für Transsexuelle

Berlin – In Deutschland sollte das geltende Transsexuellengesetz (TSG) aufgehoben und durch ein modernes Gesetz ersetzt werden. Dazu hat der Bundesrat die Bundesregierung am vergangenen Freitag in einer Entschließung aufgefordert. Wichtig sei insbesondere, die Selbstbestimmung bei der Geschlechterzuordnung zu stärken. In Deutschland wird der Länderkammer zufolge (...)

© gie/aerzteblatt.de

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