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Medizin

App misst Durchblutung der Hand besser als Arzt mit Allen-Test

Freitag, 6. April 2018

Screenhot Instant Heart Rate-App /Azumio
/Azumio

Ottawa – Zahlreiche Apps versprechen, die Herzfrequenz zu messen. Dafür muss man entweder den Finger auf die Kamera oder das Touch-Display legen. In einer Vergleichs­studie konnten Ärzte mithilfe einer App eine genauere Diagnose zur Durchblutung stellen als mit dem Allen-Test, der unter anderem vor der transradialen Herzkathe­terisierung durchgeführt wird. Die Ergebnisse der prospektiven, randomisierten Studie publizierten die Forscher vom Heart Institute der University of Ottowa im Canadian Medical Association Journal (2018; doi: 10.1503/cmaj.170432).

Der Allen-Test wird in der Praxis vor Punktion der A. radialis zur invasiven Blutdruck­mes­sung oder vor der transradialen Herzkathete­ri­sie­rung durchgeführt. Außerdem kann der Arzt mit dem Allen-Test eine Durchblutungs­störung im Bereich des Unterarms bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit nachweisen.

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Die Forscher verglichen eine Herz­frequenz-App (Instant Heart Rate-App Version 4.5.0 auf einem iPhone 4S) mit einem modifizierten Allen-Test, um die Durchblutung der Hand über die Arteria radialis und die Arteria ulnaris zu messen. Die App verwandelt die Kamera des Smartphones unter einge­schalte­tem Kameralicht in einen Photoplethys­mographen. Dabei wird der Pulsschlag mittels herzschlagabhängi­ger Verän­derungen der Lichtintensität analysiert, woraus sich Rückschlüsse auf den Herz­rhythmus ableiten lassen.

Insgesamt wurden 438 Teilnehmer, die sich einer Koronarangiographie unterziehen sollten, in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe wurde mit der App bewertet und die andere mit dem Allen-Test. Die Smartphone-App hatte eine diagnostische Genauigkeit von 94 % gegenüber 84 % mit der traditionellen Allen-Methode.

/youtube, Amboss

Der aktuelle Bericht zeige, dass eine Smartphone-Anwendung den aktuellen Standard der Versorgung übertreffen und eine zusätzliche Diagnostik in der klinischen Praxis ermöglichen würde, heißt es im Fazit der Studie. Bevor die App aber in den klinischen Altag integriert werden könne, müssten wie bei allen neuen Technologien zunächst systematische Auswertungen stattfinden.

In der App-Beschreibung weisen die Hersteller ausdrücklich darauf hin, dass die mobile Anwendung nicht zur medizinischen Diagnose verwendet werden soll. Es handelt sich somit nicht um ein Medizinprodukt, das eine CE-Kennzeichnung und -Prüfung benötigen würde.

Medizinprodukte: Risikoklasse für Apps steigt

Ab 2020 werden mehr Apps als Medizinprodukte gelten. Mit Inkrafttreten der EU-Medizinprodukte-Verordnung weitet sich nicht nur die Definition aus, auch die Risikoklasse steigt. Einige Apps und Software werden dann der gleichen Risikoklasse wie künstliche Herzklappen angehören. Entwickler von Medizin-Apps müssen sich auf deutlich höhere Anforderungen einstellen. Bisher galt eine App oder eine (...)

Auch wenn Apps nicht als Medizinprodukt konzipiert wurden, sei es wichtig, dass sie ebenso gründlich bewertet würden, wie andere Therapien und diagnostische Tests, sagt Erstautor Pietro Di Santo. „Wegen der weit verbreiteten Verfügbarkeit von Smartphones werden Apps zunehmend als Point-of-Care-Diagnostik in klinischen Umgebungen mit minimalen oder keinen Kosten eingesetzt“, sagt Benjamin Hibbert von der Ottawa University.

In Gesundheitsberufen und in Aufsichtsbehörden sollten sich Mitarbeiter proaktiv mit den Herausforderungen befassen, die mit mobilen Lösungen für die Gesundheit (M-Health) verbunden sind, um ihren Nutzen zu maximieren, fordert Kumanan Wilson vom Ottawa Hospital und der University of Ottawa in einem Kommentar.

Auch in Deutschland werden Gesundheits-Apps noch nicht offiziell geprüft oder zertifiziert. Ihr Nutzen für den Patienten bleibt also fraglich. Erste Fachgesellschaften haben die Aufgabe der Prüfung in Angriff genommen. Als Medizinprodukt verstehen sich bisher die wenigsten Apps. „Von knapp 9.000 Gesundheits-Apps mit deutscher App-Beschreibung verweisen weniger als 40 auf eine CE-Kennzeichnung“, erläutert Urs-Vito Albrecht von der Medizinischen Hochschule Hannover Ergebnisse einer Analyse seines Teams. © gie/aerzteblatt.de

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