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Vermischtes

Foodwatch macht Coca-Cola mitverantwortlich für Adipositas und Diabetes

Mittwoch, 4. April 2018

Im Coca-Cola Report weist Foodwatch auf Parallelen des Getränke-Giganten mit der Tabakindustrie hin. Der Markenkern bei Marlboro lautet „Freiheit“ und bei Coca-Cola „Lebensfreude“. Dabei sei der wahre Kern der Marke Coca-Cola Krankheit – also das Gegenteil von Lebensfreude /Cover Coca-Cola-Report

Berlin – Die Verbraucherorganisation Foodwatch wirft dem Weltmarktführer für Erfrischungsgetränke Coca-Cola vor, für Adipositas und Diabetes mitverantwortlich zu sein. Untermauert wird die These mit dem heute vorgestellten Coca-Cola-Report, der darstellt, wie der Konzern Regulierungen verhindert und das öffentliche Klima beinflusst.

Am meisten fürchtet sich Coca-Cola laut einem internen Papier vor einer Steuer, wie sie übermorgen in Großbritannien in Kraft treten wird. In Deutschland muss sich die Getränkeindustrie diesbezüglich aktuell keine Sorgen machen. Auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblatts lehnte Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) eine zusätzliche Steuer für Fertigprodukte ab.

Zuckergehalt in Getränken

Rund 60 Prozent der Erfrischungsgetränke in Deutschland sind nach der Foodwatch-Studie überzuckert, sie enthalten mehr als vier Stücke Würfelzucker pro Viertelliter-Glas. Es gebe ausreichend Belege für einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Zuckergetränken, sagt Oliver Huizinga, Autor des Coca-Cola-Reports von Foodwatch. Inzwischen gelte jeder zehnte Jugendliche als fettleibig und sogar jeder vierte Erwachsene.

Der Report stellt zentrale Strategien vor, die sich auf vier Kernelemente fokussieren. Die erste Regel lautet: „Zweifel an wissenschaftlicher Evidenz säen“. Dabei würde beispielsweise der Zusammenhang zwischen dem Konsum zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke und der Entstehung von Übergewicht abgestritten. Zahlreiche Studien haben diesen Zusammenhang bereits untersucht. Dabei widerlegen 80 Prozent der von der Lebensmittelindustrie finanzierten Studien diesen Zusammenhang – während 80 Prozent der unabhängig finanzierten Studien die These bestätigen.

Strategie 2: „Andere Risikofaktoren in den Vordergrund spielen“. Beliebtester Sündenbock der Industrie ist dabei der Bewegungsmangel, der das Übergewicht zu verantworten hat.

Strategie 3: „Freiweillige Selbstverpflichtung eingehen“. So war Coca-Cola beispielsweise unter den ersten Unternehmen, die freiwillig Nährwerttabellen eingeführt haben. In der politischen Auseinandersetzung würden solche Initiativen genutzt, um verbindliche Vorgaben als unnötig darzustellen, erklärt Foodwatch im Report.

Strategie 4: „Partikular Interessen als Gemeinwohlinteressen verschleiern“. Bei Werbeverbot, Sondersteuern und verständlichen Nährwerkennzeichnungen spricht die Industrie gerne von einer „Bevormundung“ der Bürger. Der angebliche Kampf gegen die Einschränkung der Freiheit der Bürger sei aber in Wahrheit ein Kampf gegen die Einschränkungen der Wirtschaft, so Foodwatch.

Zusammenfassend erklärt der Geschäftsführer der Verbraucherorganisation, Martin Rücker, der Weltmarktführer von Limonaden verharmlose wissenschaftlich belegte Risiken seiner zuckerhaltigen Getränke. Coca-Cola versuche zudem, durch Lobbyarbeit Werbeverbote und Sondersteuern zu torpedieren. Mit Kampagnen im Internet und Fernsehen würden besonders Kinder und Jugendliche ins Visier genommen.

Coca-Cola wehrt sich

Coca Cola sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Man investiere überproportional viel in die Werbung für Getränke ohne oder mit weniger Zucker, hieß es heute in einer Stellungnahme. Der US-Konzern bestreitet nicht nur, dass man seine Produkte für eine Zunahme von Fettleibigkeit und Diabetes verantwortlich machen könne.

Er wehrt sich auch gegen den Vorwurf, man ziehe sich Kinder und Jugendliche über Fernseh- und Internet-Werbung als Konsumenten heran. Coca-Cola werbe nicht in Medien, die sich mehrheitlich an Kinder unter zwölf Jahren richten. Diese Selbstverpflichtung werde regelmäßig von unabhängigen Dritten überprüft.

Foodwatch hält dagegen, dass der Konzern gleich eine ganze Reihe von überwiegend bei jungen Menschen beliebten Youtube-Stars für seine Marketing-Aktionen eingespannt hat. Neun der 20 meistabonnierten „Youtuber“ in Deutschland traten bereits in dem Konzern-eigenen Youtube-Kanal „CokeTV“ auf. Sie präsentierten beispielsweise als Moderatoren lustige Videospots, in Stil und Machart geschickt an die erfolgreichsten Jugendkanäle angelehnt – die Marke Coca-Cola wird darin immer in Szene gesetzt.

Coca-Cola fürchtet Sonderabgaben

Foodwatch fordert im Report die Bundesregierung erneut auf, die Mehrwertsteuer für Obst und Gemüse abzuschaffen und dafür nach dem Vorbild Großbritanniens eine mengenorientierte Sonderabgabe auf stark gezuckerte Getränke einzuführen. Interne E-Mails von Coca-Cola zeigen, dass der Konzern genau diese politische Maßnahme besonders fürchtet.

In einem Strategiepapier des Konzerns wird der Bekämpfung dieser Maßnahme die höchste Priorität eingeräumt, da Coca-Cola hierbei die größte Wirkung auf das eigene Geschäftsmodell kalkuliert. Der klare Auftrag: „Zurückschlagen“ (im englischen Original: „fight back“). Die Behauptung des Konzerns, Sondersteuern hätten keine Lenkungswirkung, hält Foodwatch daher für „glatt gelogen“.

Es mag zwar sein, dass der Zuckergehalt in manchen Produkten sinkt. Das gilt aber nicht automatisch für den Gesamtkaloriengehalt. Julia Klöckner, Ernährungsministerin (CDU)

Wie wirkungsvoll eine Sonderabgabe auf ungesunde Lebensmittel wie etwa zuckergesüßte Getränke sein kann, zeigen diverse Studien. Auch die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) empfiehlt fiskalische Instrumente zur Prävention Nichtübertragbarer Krankheiten, besonders auf zuckerreiche Getränke einzuführen.

Steuer auf ungesunde Lebensmittel soll vor allem einkommensschwache Menschen schützen

London/Seattle – Kritiker bezeichnen die Zuckersteuer gerne auch als Armensteuer, weil sie in erster Linie Menschen mit wenig Einkommen und Bildung treffen würde. Dieser Theorie widersprechen jetzt Forscher aus den USA und dem UK mit einer umfassenden Analyse, die sie im Lancet veröffentlicht haben (2018; doi: 10.1016/S0140-6736(18)30667-6). Steuern auf Erfrischungsgetränke, Alkohol und Tabak

Deutschland will sich nicht an WHO-Empfehlung halten

Von dieser Empfehlung will Ernährungsministerin Klöckner jedoch keinen Gebrauch machen und begründet dies wie folgt: „Es mag zwar sein, dass der Zuckergehalt in manchen Produkten sinkt. Das gilt aber nicht automatisch für den Gesamtkaloriengehalt.“ Im Fokus stünde die gesamte Lebens- und Ernährungsweise, nicht einzelne Nährstoffe. „Es klingt einfach und verlockend, eine zusätzliche Steuer für Fertigprodukte in unserem Land zu erheben. Aber die Praxis tut der Theorie nicht immer den Gefallen.“

© gie/dpa/aerzteblatt.de
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Avatar #737120
dokeszt
am Donnerstag, 5. April 2018, 09:13

Coca Cola finanziert Wissenschaft

Coca Cola steckt viel Geld in die Hypothese, dass die Adipositas-Epidemie und ihre ganzen Folgen an mangelnder Bewegung liegt. Dabei ist das gesamte Vorgehen sehr intransparent und die Zahl der "gesponserten" Wissenschaftler erschreckend hoch (
http://blog.journals.cambridge.org/2018/03/21/is-coca-cola-really-a-model-of-research-transparency/). Das gleiche Vorgehen wie gegen die Tabakindustrie ist die einzige vernünftige Lösung.
Avatar #720508
e.ne
am Donnerstag, 5. April 2018, 02:45

Wer unbedingt Süsses zu sich nehmen möchte, tut dies

Und wenn Zuckerbriefchen mit genommen werden ...
oder der Zucker Tassenweise gelöffelt wird.
Andere holen sich ihr Glas Nutella aus dem Kühlschrank und löffeln ...
Vernünftigere essen Bananen ...Äpfel
oder kaufen sich Fruchtsäfte
und trotzdem noch Schokolade
und was es sonst noch so zu kaufen gibt.
Die Wenigen, die auf Süßes wenig Appetit haben, trinken Alkohol - Bier u.a.
Vergessen Sie das nicht.
Ich kenne nur Wenige, die sich so ausgewogen und bewusst ernähren/kochen. dass sie weder zuviel Süsses noch Alkohol konsumieren müssen.
Im übrigen gibt es viele Menschen, die den ganzen Tag fast gar nichts zu sich nehmen, nur Kaffe trinken für die kann besonders im Sommer die Kombination der Cola Zucker+Coffein geradezu Überlebenswichtig sein. Auch sich erkältet habende, da kann ebenfalls ein Bier helfen. Auch nach Diarrhö
Avatar #720508
e.ne
am Donnerstag, 5. April 2018, 02:32

"Freiwillige Selbstverpflichtung" der Hersteller

Wie wäre es, dies dem Konsumenten abzuverlangen?
Avatar #720508
e.ne
am Donnerstag, 5. April 2018, 02:31

Adipositas findet im Gehirn statt

Wer zuviel isst - wird dick.
Wer sich einseitig, falsch, Mangelernährt - kann trotzdem dick sein, werden.
Wer nicht Kalorien zählen kann, sich informieren kann, nicht denken, rechnen kann - nun ja ...
der macht "wie alle" und was er / sie will.
Was haben Hersteller damit zu tun?
Avatar #720508
e.ne
am Mittwoch, 4. April 2018, 22:23

Schuld sind immer die Anderen

Man kann doch nicht ständig Hersteller verantwortlich dafür machen, wie die Leute was konsumieren.
Alles hat seine zwei Seiten. Stellen Sie sich Menschen vor, die von Diarhoe überfallen werden -
Womöglich noch mit Erbrechen. Falls mit hohem oder Wechselfieber muss erst das behandelt werden.
Aber dann - so nach dem 3. Tag eiskalte Coca Cola - und man ist gesund.
Cola mit Salzletten hilft eben zumindest oft - im Körpereigenen Haushalt manches wieder auszugleichen. Es gibt Leute mit zu wenig Einkommen - Menschen die zu wenig essen und zu wenig trinken - nehmen mit Coca Cola sowohl Flüssigkeit zu sich als auch Zucker/Energie evt. mit Zitrone = Vitamin C
Wer sich nicht nur was "zischen die Zähne schiebt" und süchtig egal was zuviel trinkt - sondern
sich vernünftig ernähren kann - der geniesst hin und wieder Cola oder einen Longdrink - wie anderes
LNS

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