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Medizin

Schwannom: Abortivum Mifepriston könnte Tumore im Schädel stoppen

Freitag, 6. April 2018

/dpa

Boston – Die systematische Suche nach Medikamenten, die das Wachstum von Schwannomen hemmen, dem häufigsten gutartigen intrakraniellen Tumor, hat zu einem überraschenden Ergebnis geführt. Laut der Publikation in Scientific Reports (2018; doi: 10.1038/s41598-018-23609-7) könnte Mifepriston, bekannt als der Wirkstoff der „Abtreibungspille“ RU-486, das Tumorwachstum bremsen. 

Das Schwannom, nach seiner häufigsten Lokalisierung besser als Akustikusneurinom bekannt, ist ein gutartiger Tumor, der jedoch durch die Verdrängung des Hirngewebes zum Tod führen kann. Die einzige Behandlung besteht derzeit in einer Resektion, die mit Komplikationen verbunden ist. Hörverlust und Gesichtslähmung gehören zu den häufigen Folgen der Operation.

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Ein Team um Konstantina Stankovic von der Massachusetts Eye and Ear Infirmary in Boston hat sich deshalb auf die Suche nach möglichen Wirkstoffen begeben, die das Wachstum des Tumors hemmen könnten. Im ersten Schritt haben die Forscher das Transkriptom von Tumoren untersucht, die bei 80 Patienten entfernt worden waren. Das Transkriptom ist die Gesamtheit aller in einer Zelle hergestellten RNA-Moleküle. Das ist in erster Linie die Messenger-RNA, die bei der Aktivierung eines Gens die Information für die Proteinproduktion zu den Ribosomen trägt. 

Die Forscher haben die Transkriptome der Schwannome mit den Transkriptomen von gesunden Zellen verglichen, die (von anderen Forschern) im Labor unterschiedlichen Wirkstoffen ausgesetzt worden waren. Dies erlaubt Rückschlüsse darüber, welche Medikamente bei einer Erkrankung wirken könnten. 

Die Analyse von mehr als 1.100 Wirkstoffen (alle von der FDA zum Einsatz in Medika­menten zugelassen), führte zur Identifizierung von einigen Wirkstoffen, die die abnormale Transkriptionssignatur eines Schwannoms in eine normale umwandeln könnten. Die Forscher testeten daraufhin acht Wirkstoffe an Zellkulturen. Die besten Ergebnisse wurden mit Mifepriston erzielt. Der Progesteron-Rezeptorantagonist senkte die Proliferationsrate der Schwannomzellen um 80 %.

Da Mifepriston bereits zugelassen ist und (zumindest bei der kurzfristigen Anwendung als Abortivum) gut verträglich ist, steht einem klinischen Einsatz nichts im Weg. Die US-Mediziner planen bereits eine Phase-2-Studie. Sie soll zeigen, ob Mifepriston das Wachstum der Tumore hemmen und damit den Zeitpunkt einer Operation hinausschieben kann. 

Mifepriston ist nicht das einzige Mittel, das derzeit zur Behandlung des Schwannoms in der Diskussion ist. Ein früherer Transkriptomvergleich hatte gezeigt, dass nicht­steroidale Antirheumatika (NSAID) wirksam sein könnten. Eine Studie mit Acetylsalicyl­säure (ASS) soll laut Stankovic noch in diesem Jahr beginnen. Weitere Kandidaten, die (neben Mifepriston) in der aktuellen Studie eine Wirksamkeit erzielten, sind der Proteinkinase-Inhibitor Gefitinib und die Histon-Deacetylase(HDAC)-Inhibitoren Belinostat, Vorinostat und Panobinostat. Der Angiogenese-Hemmer Bevacizumab hat dagegen in klinischen Studien die Erwartungen nicht erfüllt. © rme/aerzteblatt.de

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