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Medizin

Gentest sagt Typ-1-Diabetes besser voraus

Donnerstag, 5. April 2018

/Syda Productions, stockadobecom

München – Ein neuer Risikoscore, der seit Längerem bekannte HLA-Loci mit einer Reihe kürzlich entdeckter Risikogene kombiniert, kann die Vorhersage des Typ-1-Diabetes und seiner Vorstufen verbessern. Die in PLoS Medicine (2018; doi: 10.1371/journal.pmed.1002548) vorgestellten Ergebnisse bilden die Grundlage für eine Screening-Studie, an der in den kommenden Jahren über 300.000 Säuglinge teil­nehmen sollen.

Der Typ-1-Diabetes ist wie andere Autoimmunerkrankungen mit bestimmten Varianten im HLA-System assoziiert, mit deren Hilfe das Immunsystem zwischen körpereigenem und körperfremdem Gewebe unterscheidet. Fehler im HLA-System führen dazu, dass der Körper Inselzell-Antikörper bildet und schließlich die insulinproduzierenden Betazellen zerstört.

Die alleinige Analyse des HLA-Systems, dessen Merkmale angeboren sind, hat sich als zu ungenau erwiesen, um die Entwicklung eines Typ-1-Diabetes vorherzusagen. In den letzten Jahren wurden jedoch in genomweiten Assoziationsstudien etwa 40 Gen­varianten (Single Nucleotide Polymorphism, SNP) außerhalb des HLA-Systems (das sich auf dem Chromosom 6 befindet) entdeckt, die ebenfalls ein erhöhtes Risiko auf einen Typ-1-Diabetes anzeigen.

Diese neuen Erkenntnisse sind bereits in 2 Instrumente zur Vorhersage des Typ-1-Diabetes eingeflossen. Der „Winkler-Score“ war 2012 vom Helmholtz-Zentrum Mün­chen vorgestellt worden. Unabhängig davon hatten britische Forscher vor 2 Jahren einen „Oram-Score“ entwickelt. 

Ein Team um Anette-Gabriele Ziegler vom Helmholtz-Zentrum München hat die beiden Scores jetzt kombiniert und an fast 3.500 Teilnehmern der prospektiven TEDDY-Studie überprüft. Die Studie begleitet Kinder, die aufgrund von HLA-Merkmalen ein erhöhtes Diabetesrisiko haben, seit der frühen Kindheit.

Bis zum Alter von 6 Jahren hatten 5,8 % der Kinder mehrere Inselzell-Antikörper entwickelt, im Alter von 10 Jahren waren 3,7 % am Typ-1-Diabetes erkrankt. Bei den Kindern mit einem erhöhten kombinierten Score (oberstes Quartil) lag der Anteil der Kinder mit Inselzell-Antikörpern bei 11,0 % und der Anteil der Kinder mit Diabetes bei 4,1 %.

Im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt hatten Kinder mit einem erhöhten kombinierten Score ein mehr als 25-fach erhöhtes Risiko. Gleichzeitig fielen mehr als die Hälfte aller Kinder mit Typ-1-Diabetes oder seiner Vorstufe in diese Gruppe.

Der Test ist nach Ansicht der Forscher den bisherigen Methoden deutlich überlegen. Er wird bereits in einem großen klinischen Studienprojekt zur Prävention von Typ-1-Diabetes angewendet: Im Rahmen der „Freder1k“-Studie können Eltern in Bayern, Niedersachsen und Sachsen ihr Baby in der Geburtsklinik oder bei einem der ersten Kinderarztbesuche kostenlos auf das Typ-1-Diabetes-Risiko untersuchen lassen. Krankenhäuser und Forschungsinstitute in Schweden, Großbritannien, Polen und Belgien nehmen ebenfalls teil. 

In den nächsten Jahren wollen die Wissenschaftler über 300.000 Babys testen. Kinder, bei denen ein erhöhtes Risiko festgestellt wird, können an einer Studie teilnehmen, die der Entstehung von Typ-1-Diabetes vorbeugen soll. © rme/aerzteblatt.de

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