NewsPolitikNordrhein-Westfalen will Aufklärung wegen Medikamenten­versuchen in Kinderheimen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Nordrhein-Westfalen will Aufklärung wegen Medikamenten­versuchen in Kinderheimen

Donnerstag, 5. April 2018

Düsseldorf – Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen (NRW) verlangt weiter­gehende Aufklärung über den Verdacht von Medikamentenversuchen an Kindern in Einrichtungen der Jugend- und Behindertenhilfe zwischen 1950 und 1975. Die Pharmaunternehmen, die über Dokumente und spezielle Erkenntnisse von „über individuelle Heilbehandlungen hinausgehenden Medikamenteneinsätzen bei Kindern und Jugendlichen“ verfügten, hätten zwischenzeitlich Kooperationsbereitschaft signalisiert, teilte NRW-Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann (CDU) gestern im Düsseldorfer Landtag mit.

Die Rückmeldungen der Krankenhäuser, in denen im fraglichen Zeitraum Medika­menten­versuche an Kindern und Jugendlichen vermutet würden, ergäben bislang „ein sehr heterogenes Bild“, erklärte Laumann. Hier seien gegenwärtig noch nicht alle Überprüfungen abgeschlossen. Die Landesregierung erwarte weitere Rückmeldungen und dränge auf Aufklärung. Vor der Veröffentlichung von Ergebnissen wolle er laufende wissenschaftliche Aufarbeitungen in den unter Verdacht stehenden Einrichtungen in NRW abwarten, so der Minister.

Anzeige

Die Krefelder Pharmazie-Doktorandin Sylvia Wagner hatte vor zwei Jahren aufgedeckt, dass es zwischen 1950 und 1975 mindestens 50 Medikamentenversuchsreihen in NRW-Kinderheimen gegeben hatte. Dabei soll es vor allem um die Erprobung von Psycho­pharmaka und Impfstoffen gegangen sein.

In mindestens einem Fall gab es Hinweise darauf, dass ein Neuroleptikum auf ausdrücklichen Wunsch der Jugendhilfe eingesetzt wurde, um Kinder ruhiger und lernfähiger zu machen. Neben einem Düsseldorfer Kinderheim werden in der Doktorarbeit konkrete Vorwürfe gegen das katholische Kinderheim Franz-Sales in Essen, die Bodelschwinghschen Anstalten in Bielefeld-Bethel und die Rheinische Landesklinik für Jugendpsychiatrie in Viersen-Süchteln erhoben.

Laumann erklärte, die Einrichtungen arbeiteten die Vorwürfe derzeit wissenschaftlich auf. Aufgrund der Vielzahl der Akten und Dokumente sei mit erhöhtem Zeitaufwand zu rechnen. Falls bis Ende 2018 nicht alle Rückmeldungen vorlägen, werde das Ge­sund­heits­mi­nis­terium bei den betreffenden Einrichtungen den Stand der Aufarbeitung erfragen. Danach werde das Landesparlament umgehend über das Ergebnis informiert. © kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

20. Mai 2019
Celle – Krankenkassen müssen Patienten alle Kosten für maßgefertigte Haarteile erstatten, wenn diese aus medizinischen Gründen erforderlich sind. Das hat das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen
Krankenkasse muss Kosten für teures Haarteil tragen
17. Mai 2019
Berlin – Es hat Jahrzehnte gedauert, doch nun soll es für die Opfer der Colonia Dignidad Hilfe des deutschen Staates geben: Menschen, die von Colonia Dignidad in Chile gefoltert und missbraucht
Opfer von Colonia Dignidad in Chile sollen Entschädigung erhalten
13. Mai 2019
Lille – Im juristischen Tauziehen um den französischen Wachkomapatienten Vincent Lambert haben die Ärzte die Abschaltung der lebenserhaltenden Maßnahmen für Ende Mai angekündigt. Der behandelnde Arzt
Frankreich: Ärzte wollen Apparate von Wachkomapatient abschalten
8. Mai 2019
Stockholm – Wegen sexuellen Missbrauchs von rund 50 Kindern unter 13 Jahren ist in Schweden ein spanischer Arzt zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Der 29-jährige Mediziner Cristian C. wurde wegen
Arzt in Schweden wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt
7. Mai 2019
Düsseldorf – Die Ermittlungen gegen Hartmut Hopp, einst Arzt der berüchtigten Sekte Colonia Dignidad in Chile, sind eingestellt worden. Es habe sich trotz erheblichen Aufwands kein hinreichender
Ermittlungen gegen Arzt der Sekte Colonia Dignidad eingestellt
7. Mai 2019
Köln – Ein Frauenarzt aus Odenthal bei Köln muss wegen des sexuellen Missbrauchs mehrerer Patientinnen ins Gefängnis. Der Bundesgerichtshof (BGH) habe die Revision gegen ein entsprechendes Urteil des
Bundesgerichtshof bestätigt Urteil gegen Gynäkologen wegen Missbrauchs
2. Mai 2019
Paris – Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat eine Wiederaufnahme des Falls des langjährigen französischen Wachkomapatienten Vincent Lambert abgelehnt. Die Eltern von Lambert
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER