NewsPolitikPatientenbeauftragte will Beweislast für Behandlungsfehler überprüfen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Patientenbeauftragte will Beweislast für Behandlungsfehler überprüfen

Donnerstag, 5. April 2018

/dpa

Berlin – Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Ingrid Fischbach, will die Regeln für Nachweise von Behandlungsfehlern auf den Prüfstand stellen. „Um für einen gerechten Ausgleich zwischen Patienten und Behandlern zu sorgen, sollte das Beweis­maß für den Ursachenzusammenhang zwischen Fehler und Gesundheitsschaden auf die überwiegende Wahrscheinlichkeit abgesenkt werden“, erklärte sie heute. So ließen sich bestehende Ungerechtigkeiten im Kern beseitigen.

Fischbach führte aus, dass die Politik dafür sorgen müsse, dass Patienten, die Opfer eines Behandlungsfehlers werden, ihre Ansprüche auf Schadenersatz und Schmerzens­geld auch effektiv durchzusetzen können. „Patienten schildern mir aber zu oft, dass sie darauf verzichten wollen, solche Ansprüche geltend zu machen, weil sie davon ausgehen, ein solches Verfahren nicht gewinnen oder nicht durchstehen zu können“, sagte sie. Solche Fälle tauchten in keiner Statistik auf.

Anzeige

Sie mahnte, niemand dürfe sich in den Bemühungen um die Patientensicherheit auf dem Erreichten ausruhen. Alle Beteiligten müssten weiter mit Nachdruck daran arbeiten, Qualität und Transparenz über die Qualität der Versorgung zu stärken.

„Die Patientensicherheit hat sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt. Von daher teile ich die Auffassung, dass pauschale Panikmache und Pfuschvorwürfe in der Debatte keinen Raum haben dürfen“, so Fischbach. Trotzdem müsse allen klar sein, dass Fehler in der medizinischen Behandlung immer gravierende, sogar existenzielle Folgen haben könnten.

Hintergrund der Forderungen Fischbachs sind die neuen Zahlen aus der Behand­lungsfehlerstatistik, die die Bundes­ärzte­kammer gestern veröffentlichte. Die Daten zeigten, dass sich ärztliche Fehler in der Versorgung im Promillebereich bewegen. 2017 wurde in 1.783 Fällen ein Behandlungsfehler von den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Lan­des­ärz­te­kam­mern anerkannt.

© may/EB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #731002
CharlotteLeidenich
am Montag, 9. April 2018, 13:24

Ein wichtiges Vorhaben - Aber bitte auch die Gutachter auf den Prüfstand stellen

Als Geschädigte im Bereich der Psychotherapie kann ich dieses Vorhaben nur unterstützen. Es war trotz einer Vielzahl vorgelegter Beweise und eindeutiger Faktenlage schier ein Ding der Unmöglichkeit, gegen die Allmacht der psychologischen Schön-Reder und des vermeintlich neutralen Gutachters anzukommen, dem es augenscheinlich nur darum ging, den Kopf der Kollegin aus der Schlinge zu ziehen. Dem Geschädigten ist eine solche vielfache Nachweis-Last auferlegt, dass man sich - insbesondere noch als psychisch Erkrankter - keine Chancen auszurechnen braucht. Man hat sie einfach nicht. Hier endlich einmal unbedingt genauer hinsehen.
Ansonsten stimmt: die psychische Belastung solcher Klageverfahren ist extrem hoch, da man durch Schädigung selbst ja schon belastet ist. Deshalb ist die Dunkelziffer mit Sicherheit nicht gerade gering anzusetzen, man darf sich also keineswegs auf den Zahlen der Statistiken ausruhen.

Im Bereich der Psychotherapie müsste es solche Fehler übrigens nicht einmal geben, würde nur die Aufklärungspflicht ausreichend ernst genommen und die Behandlung durchgängig transparent gehalten, so dass der Patient ermutigt ist, ohne Scheu nachzufragen und Befürchtungen der Fehlentwicklung rechtzeitig anzusprechen.
Avatar #738234
Günther Binnewies
am Freitag, 6. April 2018, 10:08

Der Anspruch der Medizin erfordert offensichtlich Ingenieurleistung

J.-D. Hoppe: „Besinnung auf ärztliche Werte. Moral ist wichtiger als Mammon. Wir müssen aber auch das Unsrige dazu beitragen, dass die sich aufbauende neue Vertrauenskultur nicht durch Fehlverhalten einzelner Kollegen wieder infrage gestellt wird. … Jeder einzelne von uns ist aufgerufen, diese Grundsätze ärztlicher Berufsausübung zur ethischen Richtschnur seines täglichen Handelns zu machen.“ DÄB Archiv, 7.1.2010
J.-D. Hoppe: „Die Medizin hatte früher eine starke künstlerische Komponente – man spricht ja von ärztlicher Kunst. In den letzten Jahrzehnten sind aber sehr viele naturwissenschaftliche Anforderungen dazugekommen – das hat das Berufsbild verändert. Der Arzt ist vom Künstler zum Ingenieur geworden.“ RONDO 2/2010, S. 10
Avatar #666815
jpyeah
am Freitag, 6. April 2018, 08:57

und wer schützt die Ärzte vor immer häufiger werdenden haltlosen Anschuldigungen der Patienten

Die Vorwürfe von Patienten sind teilweise hanebüchen. Wer schützt dann die Ärzte vor ungerechtfertigten Behauptungen? Eine Schuld sollte in einem Rechtsstaat bewiesen werden und sonst nicht zu Verurteilungen führen. Alles andere ist die Perversion des Rechtsstaat. Wenn, dann sollten solche Regeln auch für Beamte, Politiker, und alle Berufsgruppen gelten. Das diffamiert einen ganzen Berufstand. Medizin als Arbeitsumfeld wird zunehmend unattraktiv.
LNS

Nachrichten zum Thema

28. Juni 2019
Karlsruhe – Menschen, die wegen des kritischen Gesundheitszustands eines nahen Angehörigen nach einem Behandlungsfehler psychisch erkranken, können Anspruch auf Schadenersatz haben. Das hat der
Krankenhaus bei Arztfehlern für psychische Erkrankungen von Angehörigen haftbar
29. Mai 2019
Berlin – Intransparente Methoden und die Verunsicherung von Patienten und Angehörigen wirft die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) dem Medizinischen Dienst
Intensivmediziner kritisieren Vorgehen bei Begutachtung von Behandlungsfehlern
16. Mai 2019
Berlin – In knapp drei Vierteln der Fälle, in denen Patienten einen ärztlichen Behandlungsfehler vermuteten, haben die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Kran­ken­ver­siche­rung (MDK) keinen
Drei Viertel der Behandlungsfehlervorwürfe bestätigen sich nicht
29. April 2019
München – Die Zahl der Patienten, die sich wegen möglicher Behandlungsfehler an ihre Krankenkasse wenden, ist im vergangenen Jahr in Bayern gestiegen. Bei der AOK Bayern wurden den Angaben nach 3.088
Bayerische Kassen melden mehr Patienten mit Behandlungsfehlern
3. April 2019
Berlin – In drei Vierteln der von ihnen untersuchten Verfahren konnten Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern im Jahr 2018 keinen ärztlichen Behandlungsfehler feststellen. Das
In einem Viertel der Fälle bestätigen sich vermutete Behandlungsfehler
27. März 2019
Frankfurt am Main/Mainz – Trotz eines geringen Anstiegs liegt die Zahl der anerkannten Behandlungsfehler in Hessen und Rheinland-Pfalz weiterhin im Promillebereich. Darauf haben jetzt die Ärztekammern
Behandlungsfehler in Hessen und Rheinland-Pfalz auf niedrigem Niveau
13. März 2019
Berlin – Die Techniker Krankenkasse (TK) hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Beschwerden über mögliche Behandlungsfehler registriert. Knapp 6.000 Versicherte wandten sich deswegen an die Kasse, das
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER