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Medizin

Normalisierung des Körpergewichts vor der Pubertät vermeidet späteren Typ-2-Diabetes

Freitag, 6. April 2018

/Jan H. Andersen, stockadobecom

Kopenhagen – Übergewichtige oder adipöse Kinder erkranken im späteren Leben häufiger an einem Typ-2-Diabetes. Die Gefahr lässt sich nach den Ergebnissen einer epidemiologischen Studie im New England Journal of Medicine (2018; 378: 1302–1312) jedoch abwenden, wenn die Kinder ihre Gewichtsprobleme bis zur Pubertät lösen und später ein erneutes Übergewicht vermeiden. 

Weltweit ist jedes 4. Kind übergewichtig oder sogar adipös. Viele von ihnen werden im späteren Lebensalter an einem Typ-2-Diabetes erkranken. In einer früheren Unter­suchung konnte die Epidemiologin Lise Bjerregaard vom Bispebjerg und Frederiksberg Hospital in Kopenhagen zeigen, dass Mädchen, die im Alter von 13 Jahren einen erhöhten BMI (18,2 oder mehr) haben, im späteren Erwachsenenalter 2- bis 3-mal häufiger als normalgewichtige Teenager an einem Typ-2-Diabetes erkranken (Obesity 2017; 25: 965–71).

Jetzt hat die Forscherin die Ergebnisse für Jungen wiederholt. Sie konnte dabei einmal auf die Ergebnisse von Schuluntersuchungen zurückgreifen, die in Kopenhagen jährlich von einem Schularzt oder einer Krankenschwester durchgeführt werden. Eine weitere Quelle waren die Unterlagen der Musterung, zu der auch eine medizinische Unter­suchung gehört. Diese Daten setzte Bjerregaard mit den Entlassungsdiagnosen in einem staatlichen Register für Klinikpatienten in Beziehung. In Dänemark werden viele Diabetiker von speziellen Ambulanzen der Krankenhäuser mit betreut. 

Die Untersuchung umfasst die Geburtsjahrgänge 1939 bis 1959, die heute ein Alter erreicht haben, in denen Erkrankungen am Typ-2-Diabetes häufiger auftreten.

Im Alter von 7 Jahren (zwischen 1946 und 1966) hatten 5,4 % der dänischen Knaben einen BMI von 17 oder mehr, was in diesem Alter ein Übergewicht anzeigt. Im Alter von 13 Jahren waren 5,5 % übergewichtig und im Alter von 17 bis 26 Jahren war der Anteil auf 8,2 % gestiegen.

Die jungen Dänen, die bereits bei der Einschulung übergewichtig waren und es während der Pubertät und als junge Erwachsene blieben, erkrankten laut Bispebjerg im späteren Alter 4-mal häufiger an einem Typ-2-Diabetes als Dänen, die lebenslang normalgewichtig waren. Die Hazard Ratio betrug 4,14 und war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 3,57 bis 4,79 statistisch signifikant. 

Die dänischen Knaben, die im Alter von 7 und 13 Jahren übergewichtig waren, im jungen Erwachsenenalter jedoch schlank, hatten nur ein um 47 % erhöhtes Risiko auf einen Typ-2-Diabetes (Hazard Ratio 1,47; 1,10–1,98).

Für die Kinder, die bereits im Alter von 13 Jahren wieder normalgewichtig waren, konnte Bispebjerg kein erhöhtes Diabetesrisiko mehr ermitteln (Hazard Ratio 0,96; 0,75–1,21). 

Die Epidemiologin schließt daraus, dass Kinder, die bis zum Alter von 13 Jahren ihre Gewichtsprobleme in den Griff bekommen, ihr Diabetesrisiko im Erwachsenenalter normalisieren können. Diese Aussage gilt natürlich unter dem Vorbehalt, dass retrospektive Kohortenstudien, selbst wenn sie sich auf eine große Datenbasis von 62.565 Personen stützen können, einen Zusammenhang nicht zweifelsfrei beweisen können. Zu bedenken ist, dass sich die Ernährung seit der Nachkriegszeit deutlich verändert hat. So ist der Anteil der industriell hergestellten Nahrungsmittel mit einem höheren Anteil von Fetten und leicht aufschließbaren Kohlenhydraten deutlich gestiegen.

Die klinische Erfahrung und der mit dem Alter steigende Anteil der übergewichtigen und adipösen Menschen zeigt zudem, dass es auch in der Jugend vielen Menschen schwer fällt, ein einmal bestehendes Übergewicht wieder abzubauen. Am gesündesten dürfte es auf jeden Fall sein, wenn die Eltern darauf achten, dass ihre Kinder gar nicht erst übergewichtig werden. © rme/aerzteblatt.de

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