NewsÄrzteschaftKassenärztliche Bundesvereinigung will mehr Geld bei mehr Sprechstunden
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Kassenärztliche Bundesvereinigung will mehr Geld bei mehr Sprechstunden

Montag, 9. April 2018

/dpa

Berlin – Sollte die Bundesregierung die Sprechzeiten niedergelassener Ärzte für gesetzlich krankenversicherte Patienten ausdehnen, dann muss dies auch zusätzlich vergütet werden. Das hat der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, angemahnt. „Ein Viertel mehr Sprechstunden heißt auch ein Viertel mehr Geld“, sagte er. „Da gehört ein Preisschild dran. Das ist die Minimalvoraussetzung.“ Die schwarz-rote Koalition plant, die Sprechzeiten für Kassenpatienten von bisher 20 auf 25 Stunde pro Woche ausweiten, damit sie schneller an Termine kommen.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) bekräftigte, es gehe um ein „Bündel von Maßnahmen“, um Wartezeiten für gesetzlich Versicherte zu verkürzen. „Einerseits es für Ärzte attraktiver machen, Patienten schneller dranzunehmen; andererseits aber auch das Angebot für die Patienten ausweiten“, sagte er dem Sender NDR Info. Ihm schwebten auch verpflichtende offene Sprechstunden vor. Für mehrere Stunden mindestens ein bis zwei Mal die Woche könnten sich Patienten dann ins Wartezimmer setzen. „Da muss man an dem Morgen vielleicht mal etwas länger warten, ist dann aber an dem Tag sicher dran und muss nicht erst noch drei oder vier Wochen warten“, sagte Spahn.

Anzeige

Chaos ohne Terminvergabe

KBV-Chef Gassen äußerte sich skeptisch zu Überlegungen für Tage ohne feste Termine. „Beim Hausarzt ist das fast die Regel. Da geht man ja hin, wenn man akut krank geworden ist.“ Bei vielen Fachärzten, die etwa Belastungs-EKGs oder Kernspin machten, könne man Patienten aber nicht einfach hereinlaufen lassen. „Das wäre Chaos pur. Da macht man um acht Uhr morgens die Pforten auf, und der letzte Patient geht nachmittags nach sieben Stunden Rumsitzen raus.“

Mit Blick auf die geplanten Vorgaben für längere Sprechzeiten sagte Gassen, es wäre sicherlich bei entsprechender Vergütung noch etwas Ressource für die Behandlung gesetzlich Versicherter zu heben. Es dürfte aber schwer werden, so etwas flächendeckend umzusetzen. Nicht in jeder Praxis gebe es den gleichen Anteil gesetzlich und privat Versicherter. „In einem System, in dem Haus- und Fachärzte schon jetzt nicht alle Leistungen bezahlt bekommen, kann man auch nicht erwarten, dass alle freudig sagen: Nun machen wir noch mehr umsonst.“

Der KBV-Chef betonte, dass Ärzte nicht nur in den Öffnungszeiten, die auf dem Praxisschild stehen, für die Patienten arbeiten. Daneben seien etwa Befunde auszuwerten oder Hausbesuche zu machen. Für mehr Sprechzeiten gebe es daher zwei Möglichkeiten. „Entweder fordert man noch mal fünf Stunden mehr Arbeitsleistung von den Ärzten ab. Das ist bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 52 Stunden natürlich schon eine Ansage. Oder man muss überlegen, was Ärzte weniger machen sollen.“ Hausbesuche, Bereitschaftsdienste oder Fortbildungen kämen wohl kaum infrage.

Gassen wandte sich zudem gegen eine Dramatisierung. „Das gefühlte Problem langer Wartezeiten auf Termine wird wie eine Monstranz durch die Gegend getragen.“ Wartezeiten hätten sich aber „auf sehr niedrigem Niveau“ stabilisiert. „Der vermeintliche Vorteil von wenigen Tagen, den Private bei manchen Terminen hatten, verringert sich jetzt auch noch.“ Der KBV-Chef kritisierte zudem „eine absurde Diskussion“ über eine falsche Verteilung der Ärzte. „Da heißt es: In großen Städten gebe es zu wenig Termine, aber umgekehrt seien große Städte auch total überversorgt. Wenn man Praxen aus Städten herausverlagert, würde das Terminprobleme aber ja noch mal verschärfen.“

Forderungen wie ‚In jedem Dorf ein Arzt’ sind Quatsch. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Um die Versorgung auf dem Land perspektivisch zu sichern, müsse man auch über flexible Lösungen nachdenken, sagte Gassen. „Zum Beispiel, dass ein HNO-Arzt einmal in der Woche für eine Sprechstunde rausfährt, und die Praxisräume stellt die Gemeinde zur Verfügung.“ Im ländlichen Raum werde es aber immer längere Anfahrtswege geben, wie es etwa auch bei Fahrten zum Tanken oder zum Supermarkt normal sei. „Forderungen wie ‚In jedem Dorf ein Arzt’ sind Quatsch. Das gibt es vielleicht im Fernsehen beim Landarzt.“

Für eine Praxis brauche es einen gewissen Patientenstamm, damit es sich rechne – bei einem Hausarzt ein Einzugsgebiet von einigen Tausend Menschen. „Das habe ich in einer Großstadt ganz schnell, auf dem Land muss aber eine größere Fläche zusammengefasst werden.“ © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #672734
isnydoc
am Mittwoch, 11. April 2018, 12:22

Mit Sozialgesetzbuch V und § 85 geht alles!

Seltsam dass dieser Paragraph massgeblichen Funktionären nicht bekannt ist:
Hier der wichtige Inhalt:
"Die Krankenkasse entrichtet nach Maßgabe der Gesamtverträge an die jeweilige Kassenärztliche Vereinigung mit befreiender Wirkung eine Gesamtvergütung für die gesamte vertragsärztliche Versorgung der Mitglieder mit Wohnort im Bezirk der Kassenärztlichen Vereinigung einschließlich der mitversicherten Familienangehörigen."

Das "befreit" von jeglicher Diskussion über "angemessene Vergütung" bzw. der Menge erbrachter Leistungen.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 11. April 2018, 10:41

Taktische KBV-Raffinesse fehlt!

"Ein Viertel mehr Sprechstunden heißt auch ein Viertel mehr Geld", fordert der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der orthopädische Kollege Dr. med. Andreas Gassen.

Das ist bei bereits laufender, mangelhafter Honorierung von Vertragsärztinnen und Vertragsärzten insbesondere im hausärztlichen Bereich durch Pauschalierung, Budgetierung, Regelleistungsvolumina, aber auch durch empfindliche Laborkürzungen und einengende Ausnahme-Kennziffern seit dem 1.4.2018 eine grandiose taktische Fehleinschätzung!

Denn schon bisher besteht eine jahrzehntelange Kostenunterdeckung, weil insbesondere im hausärztlichen Versorgungsbereich zwischen 20% und 25% medizinisch zweifelsfrei notwendige Leistungen u n b e z a h l t erbracht werden müssen: Hohe Konsultationsfrequenzen, Nicht-Abrechenbarkeit, falsches Kausalitätsdenken, zunehmende Multimorbidität, demografische Faktoren, Medikalisierung des Alltags, Forschung und Entwicklung, forensische und medizinische Weiterentwicklungen und nicht mehr einhegbares Anspruchs- und Vollversorgungs-Denken ("flatrate"-Medizin, "all-you-can-eat"-Mentalität) bzw. nicht zuletzt Arzthaftungs- und Antikorruptions-Gesetzgebung bestimmen den gesellschaftlichen Diskurs.

Ärztliche Kunst mit Vernunft und Augenmaß, Empathie und Professionalität, Solidarität und Selbstverantwortung, Fordern und Fördern verblasst gegenüber dem entfesselten Anspruchsdenken seitens Politik, PKV- und GKV-Kran­ken­ver­siche­rungswesen, Medien und Öffentlichkeit.

Peinlich deplatziert betont der KBV-Chef: "Ärzte arbeiten ja nicht nur in den Öffnungszeiten, die auf dem Praxisschild stehen, für die Patienten. Daneben seien etwa Befunde auszuwerten."

Die Realität ist: Bei 20 Wochen-Stunden reiner Sprechstunden-Zeit kommen hinzu:
1. Fahrt-/Rüstzeiten, wie bei jedem Handwerksbetrieb, Logistik 5h
2. EDV-Einrichtung, Verwaltung, Datenpflege, Abrechnung 5h
3. Fort- und Weiterbildung, Fachliteratur, Recherchen 5h
4. Fahrtzeiten Haus-/Heim-/Palliativ-Besuche, Verweilen 5h
5. Befundauswertungen/Anfragen/Gutachten/Bescheinigungen 5h
So kommt man bei einer reinen GKV-Sprechstunden-Zeit von 20 Stunden auf die empirisch bereits mehrfach belegte durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 45 Stunden plus weitere 10 Stunden für zusätzliche, rein privatärztliche Tätigkeit bei den in der ambulanten Krankenversorgung tätigen Vertragsärzten.
Von 20 auf 25 Wochenstunden zu erhöhen, wäre eine Steigerung um 25 Prozent: Damit läge die GKV-Wochenarbeitszeit bei gut 56 Stunden plus 10 Stunden privatärztliche Tätigkeit.

Um extreme taktische Schieflagen und Fehleinschätzungen der KBV konkret zu beleuchten, aus meiner hausärztlichen "Terminpraxis" von vorgestern, 9.4.2018, ein Fallbeispiel:
Notfallpatient 10894, 47 Jahre, männlich, kommt mit reduziertem AZ und KZ aus der HNO-Abteilung eines Akutkrankenhauses im Pongau/Austria mit der Diagnose
- Herpes Zoster C2/C3 links
bei Z. n. Aciclobene [Aciclovir] 750 mg i.v. 3xtgl. für 10 Tage, ergänzend orale Virustatika und Urbason 40 mg für 4 Tage. Wegen massiver Schmerzsymptomatik Hydromorphon ret. 4 mg 1-0-0/ret. 2 mg 0-0-1, Gabapentin 1200 mg, Saroten 25 mg und der Empfehlung, einen niedergelassenen Neurologen aufzusuchen.
Vor mir steht also ein völlig verzweifelter, von neuropathischem Schmerz geplagter und mit Hydromorphon/Gabapentin "abgeschossener" Patient mit massiven Spuren von Herpes zoster des Nervus facialis (B02.2+LG), Chronischem hemikraniellen Schmerzsyndrom (R52.2+LG), Herpes zoster mit Neuralgie (B02.2+LG) und Zoster links (B02.9+LG). Eine neurologische Akutsprechstunde oder ein Pflegedienst sind unerreichbar, der Patient weint, fühlt sich völlig unverstanden: "Seit Tagen hört mir niemand mehr zu!"

Ich versuche es mit stützender verbaler Intervention, mit orientierender neurologischer Untersuchung (Schliack-Neurologie-Schüler) und psychosomatischer Grundversorgung. Meine Botschaften kommen wegen der starken Analgo-Sedierung und der bio-psycho-sozialen Destabilisierung gar nicht richtig an. Wegen der stark neuropathisch geprägten Schmerzkomponente ersetze ich bisher unwirksames Amitriptylin durch Carbamazepin 200 ret. (1-2 zur Nacht langsam auftitrieren).

An einen geordneten Sprechstunden-Ablauf war nach dieser lang dauernden, intensiven ärztlich-therapeutischen Intervention nicht mehr zu denken.

Und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) verteidigt mit ihrer Pseudo-Forderung: "Ein Viertel mehr Sprechstunden heißt auch ein Viertel mehr Geld", nur bereits bestehende Mangelversorgungen bzw. Unterdeckungen ärztlicher Leistungen, die sie zuvor selbst geschaffen hat!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #110206
kairoprax
am Dienstag, 10. April 2018, 16:13

Wie soll das gehen, Herr Spahn, wie soll das gehen, Herr Gassen?

Lieber herr Spahn und ebenso lieber Herr Gassen,

ein Viertel mehr Sprechstunden hört sich gut und patientenfreundlich an. Und dafür auch ein Viertel mehr Honorar ist nicht mehr als gerecht und wäre ärztefreundlich.

Wenngleich, würden Sie einem Fließbandarbeiter beim Daimler in Stuttgart auch zumuten, ein Viertel mehr arbeiten zu müssen, damit die Wartezeiten auf Ihren neuen Mercedes (... meinetwegen auch nicht Stuttgart und gerne auch Bentley, es geht ja ums Prinzip) nicht so lang sein sollen?

Oder würden Sie das nicht verwerfen, weil es gewerkschaftlich nicht durchsetzbar ist?
Sie haben natürlich beide Recht: Ärzte haben keine Gewerkschaft.
Aber es gibt ja den Herrn Gassen, als Quasi-Obergewerkschafts-Vertreter von uns Niedergelassenen, oder unseren obersten Lobbyisten.
Nun, Herr Gassen, versetzen Sie sich mal in einen, der die Niedergelassenen gewerkaschaftlich oder so ähnlich verttritt!
Was halten Sie von einem ausgeglichenen Verhältnis von Arbeit und Freizeit? Glauben Sie ernsthaft, man können Spahns Vorschlag ernst nehmen und noch einen draufsetzen mit einer Lohnerhöhungsforderung?

Wir bieten - nur als Beispiel - in unserer Praxis von Montag bis Samstag Sprechstunden an. Geht nicht anders, weil wir eine Landarztpraxis sind. Wollen Sie Herrn Spahn nachgeben und uns auch sonntags arbeiten lassen?
Dann wären das im übrigen nur zusätzliche 16 1/2 Prozent.
Würden wir hingegen nur "nur" Montag bis Freitag arbeiten, wie das wohl die meisten Praxen tun, bliebe der Samstag, was aber auch nur 20 % Plus ausmachen würde.

Herr Gassen, jeder Gewerkschaftler kann Ihnen erklären, was ich damit ausdrücken möchte.

Vielleicht haben Sie Ihre Idee noch nicht zu Ende gedacht.
Tun Sie das meinetwegen nicht als Gewerkschafter, sondern als Arbeitgeber!

Eine Rückkehr zur 6-Tage-Woche bedeutete, wir auch müßten ein Fünftel mehr Personal einstellen. Nicht ganz so viel Strom- und Wasserkosten hätten wir, und zum Glück dieselbe Miete.
Aber unsere putzfrau müßte samstags arbeiten.

Diese Mehrkosten müßten erstattet werden, sagen Sie, Herr Gassen. Jetzt aber wie, Herr Gassen?

Gemäß EBM und GOÄ werden wir nicht nach Wochentagen bezahlt. Bei dem EBM nicht einmal nach Einzelleistungen, sondern pauschal und mit Deckelung bzw. Budget.

Soll jetzt das Budget aufgehoben werden?

Lieber Herr Spahn, dann müßten Sie eine Ausfallgarantie übernehmen für den Fall, daß die Patienten, die heute (angeblich) einen sofortigen Arzttermin haben wollen nicht kommen.

Und wenn die nicht kommen, würde die AOK mit Sicherheit (und zu Recht) die Frage stellen, ob das "Lohn"plus von 20% gerechtfertigt ist.

Ganz nebenbei, Herr Gassen, wenn wir 20% mehr bekommen würden allein für geänderte Öffnungszeiten, wäre das dann noch mit Freiberuflichkeit vereinbar?

Irgendwie habe ich in den 35 Jahren, in denen ich berufstätig bin, nie das Gefühl gehabt, Patienten stünden vor einer verschlossenen Praxistür.
Etliche Male haben wir statt bis 19:00 Uhr auch mal bis 21:00 Uhr gearbeitet, und ganz ehrlich, meist haben wir ein paar Minuten länger gearbeit als es die Tafeln an der Praxis ausweisen.

Ich frage Sie, warum Sie heute erst auf die Idee kommen, die Praxisöffnungszeiten auszudehnen. Denn wenn das früher geschehen wäre, hätten wir umgekehrt meist früher nach Hause gehen können.

Lieber Herr Gassen und ebenso lieber Herr Spahn,
ich habe Ihnen das alles geschrieben, damit Sie ein wenig ermessen können, wie Ihrer beider Gedankenspiele so in einer gewöhnlichen Hausarztpraxis ankommen.

Ihr beider duldsam ergebener
Karlheinz Bayer
Avatar #110206
kairoprax
am Dienstag, 10. April 2018, 16:13

Wie soll das gehen, Herr Spahn, wie soll das gehen, Herr Gassen?

Lieber herr Spahn und ebenso lieber Herr Gassen,

ein Viertel mehr Sprechstunden hört sich gut und patientenfreundlich an. Und dafür auch ein Viertel mehr Honorar ist nicht mehr als gerecht und wäre ärztefreundlich.

Wenngleich, würden Sie einem Fließbandarbeiter beim Daimler in Stuttgart auch zumuten, ein Viertel mehr arbeiten zu müssen, damit die Wartezeiten auf Ihren neuen Mercedes (... meinetwegen auch nicht Stuttgart und gerne auch Bentley, es geht ja ums Prinzip) nicht so lang sein sollen?

Oder würden Sie das nicht verwerfen, weil es gewerkschaftlich nicht durchsetzbar ist?
Sie haben natürlich beide Recht: Ärzte haben keine Gewerkschaft.
Aber es gibt ja den Herrn Gassen, als Quasi-Obergewerkschafts-Vertreter von uns Niedergelassenen, oder unseren obersten Lobbyisten.
Nun, Herr Gassen, versetzen Sie sich mal in einen, der die Niedergelassenen gewerkaschaftlich oder so ähnlich verttritt!
Was halten Sie von einem ausgeglichenen Verhältnis von Arbeit und Freizeit? Glauben Sie ernsthaft, man können Spahns Vorschlag ernst nehmen und noch einen draufsetzen mit einer Lohnerhöhungsforderung?

Wir bieten - nur als Beispiel - in unserer Praxis von Montag bis Samstag Sprechstunden an. Geht nicht anders, weil wir eine Landarztpraxis sind. Wollen Sie Herrn Spahn nachgeben und uns auch sonntags arbeiten lassen?
Dann wären das im übrigen nur zusätzliche 16 1/2 Prozent.
Würden wir hingegen nur "nur" Montag bis Freitag arbeiten, wie das wohl die meisten Praxen tun, bliebe der Samstag, was aber auch nur 20 % Plus ausmachen würde.

Herr Gassen, jeder Gewerkschaftler kann Ihnen erklären, was ich damit ausdrücken möchte.

Vielleicht haben Sie Ihre Idee noch nicht zu Ende gedacht.
Tun Sie das meinetwegen nicht als Gewerkschafter, sondern als Arbeitgeber!

Eine Rückkehr zur 6-Tage-Woche bedeutete, wir auch müßten ein Fünftel mehr Personal einstellen. Nicht ganz so viel Strom- und Wasserkosten hätten wir, und zum Glück dieselbe Miete.
Aber unsere putzfrau müßte samstags arbeiten.

Diese Mehrkosten müßten erstattet werden, sagen Sie, Herr Gassen. Jetzt aber wie, Herr Gassen?

Gemäß EBM und GOÄ werden wir nicht nach Wochentagen bezahlt. Bei dem EBM nicht einmal nach Einzelleistungen, sondern pauschal und mit Deckelung bzw. Budget.

Soll jetzt das Budget aufgehoben werden?

Lieber Herr Spahn, dann müßten Sie eine Ausfallgarantie übernehmen für den Fall, daß die Patienten, die heute (angeblich) einen sofortigen Arzttermin haben wollen nicht kommen.

Und wenn die nicht kommen, würde die AOK mit Sicherheit (und zu Recht) die Frage stellen, ob das "Lohn"plus von 20% gerechtfertigt ist.

Ganz nebenbei, Herr Gassen, wenn wir 20% mehr bekommen würden allein für geänderte Öffnungszeiten, wäre das dann noch mit Freiberuflichkeit vereinbar?

Irgendwie habe ich in den 35 Jahren, in denen ich berufstätig bin, nie das Gefühl gehabt, Patienten stünden vor einer verschlossenen Praxistür.
Etliche Male haben wir statt bis 19:00 Uhr auch mal bis 21:00 Uhr gearbeitet, und ganz ehrlich, meist haben wir ein paar Minuten länger gearbeit als es die Tafeln an der Praxis ausweisen.

Ich frage Sie, warum Sie heute erst auf die Idee kommen, die Praxisöffnungszeiten auszudehnen. Denn wenn das früher geschehen wäre, hätten wir umgekehrt meist früher nach Hause gehen können.

Lieber Herr Gassen und ebenso lieber Herr Spahn,
ich habe Ihnen das alles geschrieben, damit Sie ein wenig ermessen können, wie Ihrer beider Gedankenspiele so in einer gewöhnlichen Hausarztpraxis ankommen.

Ihr beider duldsam ergebener
Karlheinz Bayer
LNS

Nachrichten zum Thema

16. Oktober 2018
Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat davor gewarnt, die Bedarfsplanung für Kinderärzte, Internisten und Psychiater auszusetzen, ohne dass die Krankenkassen die entstehenden Kosten
KBV warnt vor Aussetzung der Bedarfsplanung ohne Gegenfinanzierung
11. Oktober 2018
Berlin – Die ärztliche Behandlung muss wieder vollständig vergütet werden, die Budgetierung gehört abgeschafft. Das fordert die FDP-Bundestagsfraktion in einem Antrag. Als Grund nennt die FDP den
FDP will Budgetierung abschaffen
11. Oktober 2018
Berlin/Saarbrücken – Die Ärzteschaft wehrt sich weiter gegen das geplante Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG). Das zeigen neue Stellungnahmen und Resolutionen aus dem Saarland und Berlin.
Weiterhin Widerstand gegen Terminservice- und Versorgungsgesetz
28. September 2018
Berlin – Mit einer Resolution hat die Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sich heute gegen große Teile des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG)
Vertragsärzte: Terminservice- und Versorgungsgesetz ist ein Angriff auf die Freiberuflichkeit
26. September 2018
Berlin – Das Bundeskabinett hat heute den Kabinettsentwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) verabschiedet. Darin sind im Vergleich zum Referentenentwurf verschiedene Neuregelungen
Kabinett beschließt Terminservice- und Versorgungsgesetz
25. September 2018
Berlin – Früher als erwartet hat das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium eine Kabinettsfassung des Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) vorgelegt. Es soll bereits am Mittwoch im Bundeskabinett
Neues Spahn-Gesetz: Codierrichtlinien kommen, fünf Euro für eine Überweisung zum Facharzt
20. September 2018
Bonn – Deutliche Kritik an der Art und Weise, wie Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) und die Landesverbände der Krankenkassen die Vergütungsverträge zur vertragsärztlichen Versorgung abschließen,
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER