NewsÄrzteschaftOrgan­transplantationen bei Kindern und Jugendlichen auf niedrigstem Stand seit 2008
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Organ­transplantationen bei Kindern und Jugendlichen auf niedrigstem Stand seit 2008

Montag, 9. April 2018

/dpa

Berlin – Für kranke Kinder und Jugendliche sind die Organtransplantate knapp. Laut der Stiftung Eurotransplant haben Ärzte in Deutschland im vergangenen Jahr 215 Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren lebensrettende Organe verpflanzt – die niedrigste Quote seit 2008. Auf die Zahlen hat jetzt die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) hingewiesen.

„Viele Kinder warten auf ein überlebenswichtiges Spenderorgan“, erläuterte der Präsident der Fachgesellschaft, Jörg Fuchs. Er rief dazu auf, mehr über die Organspende aufzuklären. „Alle Verantwortlichen sind aufgefordert, nach Lösungen für den Organmangel zu suchen, und das heißt vor allem, über das Spenden von Organen nach dem Tod zu informieren“, sagte der DGCH-Präsident.

Anzeige

Belastende Situation

„Auf der Warteliste zu stehen, ist für die ganze Familie eine sehr belastende und bedrohliche Situation“, sagte Fuchs, der selbst Kinderchirurg ist. Obwohl Kinder und Jugendliche über Eurotransplant teilweise bevorzugt mit geeigneten Spenderorganen versorgt würden, weil ihnen sonst irreparable Entwicklungsstörungen drohten, fehlten Transplantate. Von den Kindern auf der Warteliste, die ein neues Herz oder eine neue Lunge brauchten, verstürben daher 30 Prozent.

Die Fachgesellschaft selbst veranstaltet im Rahmen ihres Jahreskongresses vom 17. bis 20. April 2018 in Berlin einen Benefizlauf zugunsten der Kinderhilfe Organ­transplantation – Sportler für Organspende (KiO). Die Fachgesellschaft ruft außerdem zu finanziellen Spenden auf. „Unterstützung ist willkommen, es handelt sich um ein vorbildliches Projekt“, so Fuchs.

„Die Situation ist zutiefst besorgniserregend“, erklärte auch Axel Rahmel, medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Er plädierte dafür, die Rolle der Transplantationsbeauftragten in den Kliniken zu stärken und die Frage nach einer Organspende bei Behandlungsentscheidungen am Lebensende „unter Berücksichtigung von Patientenverfügungen regelhaft einzubeziehen“, so Rahmel.

Die gemeinnützige Organisation KiO unterstützt Familien mit organkranken Kindern und freut sich über die Spendenaktion der Chirurgen. „Leider deckt unser Gesundheitssystem in der außermedizinischen Begleitung organkranker Kinder nicht alles ab“, sagte der KiO-Vorsitzender Reinhard Gödel. Benötigt würden vor allem psychosoziale Angebote für die Familien und finanzielle Hilfen für schwächer Gestellte. „Denn Krankheit kostet, das erfahren wir immer wieder. Etwa wenn wir uns an Besuchsfahrten oder Übernachtungen der Eltern in Kliniknähe beteiligen“, so Gödel. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

24. Mai 2019
Berlin – Die Bereitschaft der Deutschen zur Organspende lässt einer Umfrage zufolge nach. Waren 2018 noch 56 Prozent grundsätzlich dazu bereit, sind es derzeit nur noch 42 Prozent, wie aus einer heute
Bereitschaft zur Organspende lässt nach
24. Mai 2019
Weimar – Eine Impfpflicht für Kinder nur gegen Masern geht dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) nicht weit genug. Sie müsse auch andere von der Ständigen Impfkommission (STIKO)
Kinderärzte wollen weitreichendere Impfpflicht und Zuckersteuer
24. Mai 2019
Den Haag – Während Deutschland noch über eine Reform der Organspende debattiert, wird schon in einem Jahr jeder Niederländer automatisch zum Spender, falls er keinen Widerspruch einlegt. Mehr als die
Viele Niederländer schieben Entscheidung zur Organspende auf
23. Mai 2019
Berlin – Zum Hauptstadtkongress geladene Theologen glauben nicht, dass sich durch die Einführung einer Widerspruchslösung bei der Organspende – wie sie Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU)
Theologen sehen Kommunikationsprobleme bei der Organspende
16. Mai 2019
Berlin – Über eine Reform der Organspende will das Parlament in der ersten Juniwoche beraten. Das kündigte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach heute vor der Presse an. Zur Debatte stehen zwei
Bundestag will Anfang Juni über Organspende beraten
15. Mai 2019
Berlin – Fast zwei Drittel der Deutschen wären Organspender, wenn sie diesen Status automatisch von Geburt an hätten. Aktuell besitzen gerade einmal 36 Prozent der Bundesbürger einen
Mehr als 60 Prozent der Deutschen wären bei Widerspruchslösung Organspender
13. Mai 2019
Passau – In der Debatte um eine Reform bei der Organspende spricht sich offenbar die relative Mehrheit der CSU-Mitglieder für den Vorschlag von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) aus. Nach der
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER