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Medizin

Epilepsiepatienten sind nicht nur durch Unfälle gefährdet

Mittwoch, 11. April 2018

Mann liegt am Boden nach einem Unfall /Rainer Fuhrmann, stock.adobe.com
/Rainer Fuhrmann, stock.adobe.com

Manchester – Patienten mit einer Epilepsie sterben häufiger als andere Menschen eines nicht natürlichen Todes. Als Ursache ermitteln 2 Kohortenstudien aus England und Wales in JAMA Neurology neben Unfällen, Vergiftungen und Überdosierungen von Medikamenten auch ein erhöhtes Suizidrisiko (2018; doi: 10.1001/jamaneurol.2018.0333) .

Der plötzliche Kontrollverlust über den Körper während eines Anfalls kann Menschen mit Epilepsie schnell in eine lebensgefährliche Situation bringen. Tödliche Unfälle sind zwar selten, das Sterberisiko der Patienten ist jedoch gegenüber der übrigen Bevölkerung erhöht. Bisherige Untersuchungen haben vor allem auf die Verletzungs­gefahren während der Anfälle hingewiesen. Eine Untersuchung von Hayley Gorton und Mitarbeitern von der Universität Manchester zeigt jetzt, dass es für Patienten mit Epilepsie noch weitere Risiken gibt.

Die Forscher haben die Datenbanken CPRD (Clinical Practice Research Datalink) und SAIL (Secure Anonymised Information Linkage) ausgewertet, die in England und Wales die elektronischen Krankenakten von fast 14 Millionen Hausarztpatienten speichern. Darunter waren 58.738 Patienten mit einer Epilepsie.

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Während einer Nachbeobachtungszeit von 4,0 Jahren (CRPD) beziehungsweise 6,9 Jahren (SAIL) sind 8.742 Patienten gestorben, davon 271 auf nicht natürliche Weise.

Dreifach erhöhtes Risiko für tödliche Unfälle

Bei 192 Patienten wurde der nicht natürliche Tod durch Unfälle verursacht. Das Sterberisiko war fast 3-mal so hoch wie in einer Kontrollgruppe aus Nicht-Epilepsie-Patienten (Hazard Ratio 2,97; 95-%-Konfidenzintervall 2,54–3,48). Der Tod war jedoch nicht nur auf Verkehrsunfälle oder andere Verletzungen zurückzuführen. In 32 Fällen kamen die Patienten durch eine versehentliche Überdosierung von Medikamenten ums Leben. Gorton ermittelt eine Hazard Ratio von 4,99 (3,22–7,74). In den wenigsten Fällen hatten die Patienten die Antiepileptika zu hoch dosiert (Anteil: 9,7 %). Häufiger waren eine Überdosierung von Opioiden (Anteil: 56,5 %) oder psychiatrischen Medikamenten (Anteil: 32,3 %).

Gorton bringt diese Todesfälle mit den psychiatrischen Erkrankungen in Verbindung, die bei Patienten mit Epilepsie häufig auftreten: Jeder 5. Patient litt unter Depressionen und jeder 6. unter Angstzuständen. Auch Alkohol- und Drogenprobleme waren bei den Epilepsiepatienten deutlich häufiger als in der Kontrollgruppe.

Damit verbunden ist ein erhöhtes Suizidrisiko der Patienten. In beiden Kohorten nahmen sich 63 Patienten das Leben. Gorton ermittelt eine Hazard Ratio von 2,15 (1,51–3,07). Häufig verwendeten die Patienten hierfür die von den Ärzten verordneten Medikamente. Die Hazard Ratio betrug hier 3,55 (1,01–12,53).

Zur Betreuung von Epilepsiepatienten sollte deshalb nach Ansicht von Gorton nicht nur die Prävention von unbeabsichtigten Verletzungen bei den Anfällen, sondern auch eine Suizidprävention gehören. © rme/aerzteblatt.de

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