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Medizin

Sponsoring beeinflusst Verordnungsverhalten von US-Onkologen

Dienstag, 10. April 2018

Das Verodnungsverhalten von US-Ärzten ändert sich, wenn sie von Pharmaunternehmen zu kostenlosen Mahlzeiten oder Fortbildungen eingeladen werden. /Stefano Viola, stock.adobe.com

Chapel Hill/North Carolina – Wenn Hersteller von Krebsmedikamenten Ärzte zu kostenlosen Mahlzeiten, Fortbildungen oder Kongressen einladen, können sie offenbar damit rechnen, dass die Ärzte später ihre Präparate vermehrt verordnen. Eine Studie in JAMA Internal Medicine (2018; doi: 10.1001/jamainternmed.2018.0776) zeigt dies für zwei Krebsarten, bei denen hochpreisige Wirkstoffe zum Einsatz kommen.

Die Arzneimittelhersteller sind in den USA durch den „Patient Protection and Affordable Care Act“ (Obamacare) gesetzlich verpflichtet, ihre Geschenke an Ärzte offenzulegen. Jede Zuwendung im Gegenwert von über 10 US-Dollar ist meldepflichtig. In der Plattform „Open Payments“ kann jeder im Internet recherchieren, was einzelne Ärzte erhalten haben.

Aaron Mitchell vom Lineberger Comprehensive Cancer Center in Chapel Hill/North Carolina hat die finanziellen Zuwendungen an US-Onkologen mit den Verordnungen im folgenden Kalenderjahr in Beziehung gesetzt. Die Analyse beschränkte sich auf zwei Indikationen, in denen besonders kostspielige Wirkstoffe eingesetzt werden: Beim metastasierten Nierenzellkarzinom sind dies Sorafenib, Sunitinib und Pazopanib. Bei der chronisch myeloischen Leukämie werden die Patienten mit Dasatinib, Imatinib oder Nilotinib behandelt. Die Behandlungskosten dieser Medikamente liegen teilweise bei weit über 50.000 US-Dollar pro Jahr.

In beiden Indikationen waren die finanziellen Zuwendungen für Mahlzeiten und Hotelunterkünfte, die im Rahmen von Besuchen von Referenten oder bei Einladungen zu Fortbildungen erfolgen, mit einer erhöhten Verordnungsrate der Medikamente im darauffolgenden Jahr verbunden.

Mitchell unterscheidet zwischen Onkologen, die von den Herstellern Zuwendungen für klinische Studien erhielten (9,0 % aller Onkologen, die Patienten mit Nierenzell­karzinom behandeln und 3,8 %, die Medikamente zur Behandlung der CML verordnet haben) und Onkologen, die Gelder erhalten hatten, ohne an Forschungsobjekten beteiligt zu sein (25,1 %, beziehungsweise 39,5 %).

Allgemeine Zuwendungen hatten den größten Einfluss

Onkologen, die „allgemeine Zuwendungen“ erhalten hatten, verordneten im folgenden Jahr zur Behandlung von Nierenkrebs doppelt so häufig die Wirkstoffe der Firmen, von denen die Zuwendungen kamen (Odds Ratio 2,05; 95-%-Konfidenzintervall 1,34–3,14). Bei der CML betrug der Anstieg 29 % (Odds Ratio 1,29; 1,13–1,47).

Bei den Onkologen, die Forschungsgelder erhalten hatten, war der Einfluss etwas weniger ausgeprägt. Mitchell ermittelt für das Nierenzellkarzinom eine Odds Ratio von 1,84 (1,25–2,70). Bei der CML war die Odds Ratio von 1,16 (0,89–1,53) nicht signifikant.

Interessant war die Aufstellung nach den einzelnen Wirkstoffen. Für alle konnte Mitchell eine Assoziation zwischen dem Sponsoring der Ärzte und dem Anteil der Firmenmedikamente an den Verordnungen im folgenden Jahr nachweisen. Die einzige Ausnahme war Imatinib. Dieser Wirkstoff verliert demnächst seinen Patentschutz und Mitchell vermutet, dass die Hersteller kein Interesse daran hatten, die Verordnungen zu „pushen“. Wie immer bei reinen Beobachtungsstudien kann die Untersuchung eine Kausalität zwischen den finanziellen Zuwendungen und den Verordnungen nicht beweisen. Mitchell findet jedoch keine andere Erklärung für die Assoziationen.

In Deutschland legen die wenigsten Ärzte Industrie-Zuwendungen offen

In Deutschland ist eine Offenlegung von Zuwendungen der Pharmaindustrie keine pflicht. Laut dem gemeinnützigen Recherchezentrum correctiv haben im Jahr 2016 die Pharmakonzerne 562 Millionen Euro an Mediziner und Kliniken in Deutschland gezahlt. Jedoch stimmte nur jeder vierte Arzt zu, dass die erhaltenen Zuwendungen auf der Seite der Firma veröffentlicht werden. Im Jahr zuvor waren noch 31 % mit einer Veröffentlichung einverstanden. In einer Datenbank können Ärzte recherchiert werden, die ihre Zuwendungen offen legen und auch solche, die Zahlungen der Industrie grundsätzlich ablehnen.

„Null-Eu­ro-Ärzte“-Datenbank soll für mehr Transparenz sorgen

Essen – Das gemeinnützige Recherchezentrum Correktiv hat eine „Null-Euro-Ärzte“-Datenbank gestartet. Hier können sich Mediziner eintragen, die im zurückliegenden Jahr kein Geld von der Pharmaindustrie für Vorträge und Fortbildungen angenommen haben. Diese Ärzte erscheinen künftig in der Datenbank mit dem Betrag „0 Euro“. Correktiv zufolge haben im vergangenen Jahr 71.000 Ärzte in Deutschland (...)

© rme/aerzteblatt.de
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