NewsMedizinSchlaflose Nacht steigert Amyloidkonzen­tration im Gehirn bei Morbus Alzheimer
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Schlaflose Nacht steigert Amyloidkonzen­tration im Gehirn bei Morbus Alzheimer

Donnerstag, 12. April 2018

Mann versucht zu schlafen. /Focus Pocus LTD, stock.adobe.com
Schlafmangel könnte das Alzheimerrisiko erhöhen. /Focus Pocus LTD, stock.adobe.com

Bethesda/Maryland – Nach einer schlaflosen Nacht kommt es zu einem Anstieg der Beta-Amyloide in den Gedächtniszentren des Gehirns. Dies zeigen Untersuchungen an gesunden Probanden in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2018; doi: 10.1073/pnas.1721694115).

Hirnforscher betrachten die Beta-Amyloide, deren chronische Akkumulation im Gehirn ein zentrales Kennzeichen der Alzheimer-Demenz ist, als ein „Abfallprodukt“ des Gehirns. Bei gesunden Menschen werden die Beta-Amyloide über ein glymphatisches System über den Liquor entsorgt. Bei diesem System handelt es sich um eine Art Drainage im Interzellularraum, das erste vor wenigen Jahren entdeckt wurde. Studien lassen vermuten, dass das glymphatische System vor allem nachts aktiv ist, weshalb der Schlaf auch als eine Reinigungsphase des Gehirns bezeichnet wird.

Anzeige

Schlafmangel könnte nach dieser Hypothese die Abfallbeseitigung im Gehirn behindern, was sehr gut die Beobachtung erklärt, die Ehsan Shokri-Kojori vom National Institutes of Health in Bethesda/Maryland jetzt in einer Studie an 20 gesunden Erwachsenen gemacht hat.

Bei allen Teilnehmern wurden zu zwei Gelegenheiten Positronen-Emissions-Tomographien (PET) mit Darstellung von F-18-Florbetaben durchgeführt. Dieser Tracer bindet nach intravenöser Gabe an Beta-Amyloid-Proteinen im Gehirn. Er wird heute zur Diagnose des Morbus Alzheimer eingesetzt.

Bei der ersten Gelegenheit hatten die Teilnehmer seit 31 Stunden nicht geschlafen. Bei der zweiten Gelegenheit hatten sie eine geruhsame Nacht im Schlaflabor verbracht.

Vor allem der rechte Hippocampus ist betroffen

Der Vergleich der PET-Aufnahmen zeigt, dass 19 von 20 Probanden nach der schlaflosen Nacht signifikant erhöhte Beta-Amyloid-Konzentrationen im rechten Hippocampus und im Thalamus hatten (im linken Hippocampus war die Konzentration nur tendenziell erhöht). Die Zunahme bestand unabhängig vom genetischen Risiko auf eine Alzheimer-Erkrankung. Sie zeigt zunächst einmal kein erhöhtes Erkrankungsrisiko an, da sich die Ablagerungen nach der durchschlafenen Nacht wieder normalisiert hatten.

Die Forscher haben die Teilnehmer jedoch auch nach ihrer gewöhnlichen Schlafdauer befragt. Teilnehmer, die den wenigsten Schlaf bekamen, hatten in der Ausgangs­untersuchung die meisten Ablagerungen im Gehirn. Betroffen waren vor allem subkortikale Regionen und der Precuneus, dem unter anderem eine Rolle bei der Gedächtnisbildung zugeschrieben wird. Die Ergebnisse passen zu (allerdings noch spärlichen) epidemiologischen Daten, die kurze Schlafzeiten mit einem erhöhten Demenzrisiko in Verbindung bringen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #683778
Freudi
am Donnerstag, 12. April 2018, 23:45

"Studie"

Hier geht es um eine "Studie mit 20 gesunden Erwachsenen". Ich habe mal gelernt: "Eine gute Studie sollte mindestens 100 Probanden enthalten!" Eine Studie mit so kleiner Teilnehmerzahl sollte keine Erwähnung im DÄB erhalten....
LNS

Nachrichten zum Thema

16. Oktober 2018
Cambridge/England – Etwa die Hälfte aller Menschen hat Mutationen in Genen, deren Störung zu einer degenerativen Hirnerkrankung führen kann. Die in Nature Communications vorgestellten Ergebnisse
Somatische Mutationen: Viele Demenzen könnten vor der Geburt angelegt sein
10. Oktober 2018
Lübeck – Seltene autoimmune Enzephalitiden wurde erst vor wenigen Jahren beschrieben. Bei betroffenen Patienten können psychotische Symptome, Bewusstseins- und Gedächtnisstörungen oder epileptische
Antineuronale Antikörper sind ein Zeichen für autoimmune Enzephalitis
9. Oktober 2018
Brüssel – Gut zwei Wochen vor einem möglicherweise richtungsweisenden Treffen der zuständigen EU-Minister zur Abschaffung der Zeitumstellung hat ein Bericht des Polit-Portals Politico für Wirbel
Wirbel um Medienbericht zur Zeitumstellung
2. Oktober 2018
Brüssel – Am 12. September legte die EU-Kommission einen Gesetzesvorschlag vor, nach dem im März 2019 zum letzten Mal verpflichtend alle EU-Staaten die Zeit umstellen müssen. Sobald das
Pro und Contra: Sollte die Winterzeit abgeschafft werden?
1. Oktober 2018
Durham – Neue Forschungen erhärten die These, dass regelmäßige Schlafenszeiten ein Schlüssel zur Herzgesundheit und zum guten Funktionieren des Stoffwechsels sind. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um
Regelmäßige Schlafenszeiten für die Herzgesundheit besonders wichtig
25. September 2018
Chicago/Tübingen – Bewegung kann auch für Menschen mit einer monogenetisch bedingten Alzheimerkrankheit von Vorteil sein. Mindestens 2,5 Stunden körperliche Aktivität pro Woche wirkten sich in einer
Bewegung könnte den kognitiven Verfall bei seltener Alzheimerkrankheit verzögern
21. September 2018
Berlin – Die Versorgungssituation von Menschen mit psychischen Erkrankungen hat sich in Deutschland in den letzten Jahren verbessert, ist aber längst noch nicht zufriedenstellend. Noch kommen die
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER