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Medizin

Personalisierter Impfstoff gegen Ovarialkarzinom zeigt erste Wirkung

Freitag, 13. April 2018

/Redpixel, stock.adobe.com

Lausanne – Eine neuartige Vakzine aus Immunzellen des Patienten, die im Labor durch den Kontakt mit Tumorzellen auf die Abwehr von Krebszellen getrimmt werden, hat in einer ersten klinischen Studie in Science Translational Medicine (2018; 10: eaao5931) die Überlebenszeiten der Patientinnen verlängert.

Die Immuntherapie, die bei Melanom, Nierenkrebs und anderen Krebserkrankungen in den vergangenen Jahren gute Ergebnisse erzielte, war beim Ovarialkarzinom bisher erfolglos. Checkpoint-Inhibitoren wie Nivolumab erreichen nur bei wenigen Patientinnen eine Remission, die die Prognose nicht beeinflusst.

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Zwei Komponenten

Der Impfstoff, den ein Team um Lana Kandalaft von der Universität Lausanne zusammen mit US-Forschern entwickelt hat, könnte dies vielleicht ändern. Die Vakzine wird im Labor aus zwei Komponenten hergestellt, die den Patienten getrennt entnommen werden. Die erste Komponente sind dendritische Zellen, die mittels einer Apherese aus dem Blut der Patientinnen gewonnen und dann in Zellkulturen vermehrt werden. Dort werden sie mit der zweiten Komponente zusammengebracht.

Es handelt sich dabei um Zellen aus dem bei der Operation entfernten Tumor. Diese werden mit unterchloriger Säure zerstört. Dadurch werden den dendritischen Zellen zahlreiche Antigene des Tumors präsentiert. Die Immunzellen sollen die Antigene aufnehmen und an T-Zellen weiterleiten. Dazu werden die dendritischen Zellen in einen regionalen Lymphknoten in der Nähe des Primärtumors injiziert.

Die ersten klinischen Versuche an fünf Patientinnen ergaben, dass die auf diese Weise erzeugte Vakzine allein zu schwach ist, um einen effektiven Angriff auf die Krebszellen auszulösen. Die Forscher haben die Therapie bei den nächsten zehn Patientinnen mit dem Angiogenesehemmer Bevacizumab kombiniert. Dadurch soll eine „endotheliale Barriere“ überwunden werden, mit der sich die Metastasen vor dem Angriff des Immunsystems schützen. Die letzten zehn Patientinnen erhielten vor jeder Impfstoffgabe zusätzlich Cyclophosphamid. Das Zytostatikum soll verhindern, dass die Krebszellen zu ihrem Schutz regulatorische T-Zellen rekrutieren, die den Angriff der T-Zellen auf die Krebszellen behindern.

Die Impfungen, die alle zwei Wochen wiederholt werden, haben sich nach den jetzt vorgestellten Ergebnissen als sicher erwiesen: Nach 392 Injektionen ist es laut Kandalaft in keinem Fall zu schweren Komplikationen gekommen. Die Kombination mit Bevacizumab und niedrigdosiertem Cyclophosphamid scheint auch die Effektivität der Impfung verbessert zu haben.

Die Zwei-Jahres-Überlebensrate war mit 78 % deutlich höher als in anderen Studien, in denen die Patienten nur mit Bevacizumab und Cyclophosphamid behandelt worden waren. Dort überlebten 44 % der Patientinnen zwei Jahre. Die Forscher betonen allerdings, dass sich die klinische Entwicklung des Impfstoffs noch in einem sehr frühen Stadium befindet und dass die Ergebnisse weiterer klinischer Studien abzuwarten sind. © rme/aerzteblatt.de

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