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Medizin

Nachlässiger Umgang mit Interessenkonflikten kann Vertrauen in Ärzte schädigen

Donnerstag, 12. April 2018

/daizuoxin, stockadobecom

Oxford – Viele der NHS-Trusts in England versäumen es offenbar, Informationen über Interessenkonflikte (conflict of interest, COI) für ihre Mitarbeiter zu protokollieren, zu verfolgen oder offenzulegen. Das könnte das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Angehörigen der Gesundheitsberufe untergraben, wie die Autoren um Ben Goldacre, Department of Primary Care Health Sciences, Centre for Evidence Based Medicine, University of Oxford, in der Zeitschrift BMJ Open (2018; doi: 10.1136/bmjopen-2017-019952) berichten.

Ein NHS-Trust ist eine Organisation innerhalb des englischen National Health Service (NHS), die in der Regel entweder ein geografisches Gebiet oder eine spezialisierte Funktion wahrnimmt, zum Beispiel einen Rettungsdienst. Direkte Geschenke und Zuwendungen sind seit 2010 vom Verband der Pharmazeutischen Industrie (Association of the British Pharmaceutical Industry, ABPI) verboten, berichten die Wissenschaftler. Pharmaunternehmen könnten jedoch weiterhin Kliniker bezahlen, um Fortbildungsvorträge zu halten oder ihre Teilnahme an Konferenzen oder Fortbildungsveranstaltungen sponsern.

Rücklaufquote bei 92 Prozent

Der NHS hat Standards für die NHS-Trusts herausgegeben. Diese schreiben vor, dass alle Mitarbeiter des NHS ihren Arbeitgebern potenzielle Interessenkonflikte melden und diese in einem Geschenk- und Bewirtungsregister vermerken müssen. „Aber diese Standards sind nicht zwingend vorgeschrieben“, schreiben die Autoren. 

Die Forscher machten sich daher daran, zu untersuchen, wie viele NHS-Treuhandgesellschaften in England die COI-Angaben ihrer Mitarbeiter tatsächlich erfassen und transparent machen. Sie stellten Anträge auf Informationsfreiheit an alle Trusts in England und erhielten Antworten von 217 von 236 Trusts (92 % Rücklaufquote).

Die Abfrage bezog sich auf fünf Maßnahmen. Die Forscher erfassten, ob Trusts rechtzeitig auf die Anfrage reagiert haben, ein Geschenk- und Gastgeberverzeichnis zur Verfügung gestellt haben, den Spender, den Empfänger und den Bargeldbetrag im Register angegeben haben, ein Register in einem Format zur Verfügung gestellt haben, das eine weitere Analyse ermöglichte, und ob sie ihr Register online öffentlich zugänglich gemacht haben.

Die Antworten wurden dann für jede der fünf Maßnahmen bewertet, um einen Transparenzindex zu erstellen. Etwa 71 Trusts reagierten nicht innerhalb der 28-Tage-Frist, die das Informationsfreiheits-Gesetz vorschreibt, und 19 reagierten überhaupt nicht. Mehr als drei von vier (78 %) der 185 Trusts stellten ein Geschenk- und Hospitality-Register – auch COI-Register genannt – zur Verfügung.

Aber die Antworten zeigen laut den Autoren, dass die meisten Register von Grund auf unvollständig waren: nur 31 von ihnen enthielten genügend Informationen, um Interessenkonflikte zu bewerten. Zum Beispiel haben rund zwei Drittel (68 %) der 185 Trusts, die ein Register zur Verfügung stellten, darin die Namen der Empfänger von Zuwendungen nicht erfasst.

Gesetzesnovelle angemahnt

„Trotz der Verpflichtung der Angehörigen der Gesundheitsberufe, Interessenkonflikte offenzulegen, und der Verpflichtung der Organisationen, diese aufzuzeichnen, funktioniert das derzeitige System zur Erfassung und Verfolgung solcher Offen­legungen nicht angemessen“, folgern die Autoren.

„Das anhaltende Fehlen von Transparenz in Bezug auf Interessenkonflikte im Vereinigten Königreich kann das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Gesundheitsberufe untergraben“, warnen sie. Sie fordern daher „eine einfache, klare Gesetzgebung“ und die Offenlegung von Interessenkonflikten gegenüber einer zentralen Stelle. © hil/aerzteblatt.de

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