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Vermischtes

Tod von drei Krebspatienten: Anklage gegen Heilpraktiker erhoben

Donnerstag, 12. April 2018

Krefeld – Nach dem Tod von drei Patienten einer alternativen Krebspraxis in Brüggen hat die Krefelder Staatsanwaltschaft den Inhaber wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Der Heilpraktiker soll den Schwerkranken Ende Juli 2016 eine erheblich überdosierte Infusionslösung verabreicht haben, teilte die Staatsanwaltschaft heute mit.

Den Ermittlungen zufolge hatte der 61-Jährige für die Herstellung der Infusion eine ungeeignete Waage benutzt. Dadurch habe er den Wirkstoff um das Drei- bis Sechsfache zu hoch dosiert. Zwei Frauen und ein Mann starben. Neben fahrlässiger Tötung in drei Fällen wirft die Staatsanwaltschaft dem Heilpraktiker auch Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz in vier Fällen vor. Zuvor hatte der WDR berichtet.

Der Heilpraktiker hatte Krebspatienten mit dem experimentellen Wirkstoff 3-Bromopyruvat (3-BP) behandelt. Dieser ist bislang nicht als Arzneimittel zugelassen, eine Anwendung ist aber nicht grundsätzlich verboten. Allerdings sei bei der Verabreichung besondere Sorgfalt erforderlich, weil bereits bei einer geringen Überdosierung schwere oder sogar tödliche Nebenwirkungen zu erwarten seien. 3-BP greife den Zellstoffwechsel und die Zellatmung an, sodass Gehirnzellen abstürben. Dies habe zum Tod der drei Patienten geführt, erläuterte die Staatsanwaltschaft.

Für den Tod weiterer Patienten der Praxis sei der Heilpraktiker dagegen nicht verantwortlich. Insgesamt hatten die Ermittler rund 70 Todesfälle untersucht. Die Praxis im deutsch-niederländischen Grenzgebiet wurde vor allem von niederländischen Patienten aufgesucht.

Bei den aufwendigen Ermittlungen arbeitete die Krefelder Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben eng mit den niederländischen Strafverfolgungsbehörden sowie verschiedenen rechtsmedizinischen Instituten im In- und Ausland zusammen. Bei einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung drohen dem Heilpraktiker bis zu fünf Jahre Haft. © dpa/aerzteblatt.de

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Practicus
am Sonntag, 15. April 2018, 00:53

Unfassbar

Heilpraktiker dürfen in ihrer Praxis Arzneimittel aus beliebigen Stoffen SELBST ohne Genehmigung und laufende Überprüfung herstellen? Und die so hergestellten "Medikamente" kranken Menschen parenteral verabreichen? Ok, wirkstofffreie Homöopathika vielleicht, aber doch nicht irgendwelche Chemikaliengemische!
SCHAFFT DIESEN UNFUG ENDLICH AB!
doc.nemo
am Freitag, 13. April 2018, 09:09

Wie bei Al Capone

Der Mann wird also nur angeklagt, weil er eine fehlerhafte Waage benutzt hat? Die Infusion einer ungetesteten und nicht zugelassenen Chemikalie ist ihm als Heilpraktiker in Deutschland erlaubt! Was für eine absurde Situation! Nun ja, Al Capone stand auch nur wegen Steuerhinterziehung vor Gericht und nicht wegen Mordes.
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 12. April 2018, 18:25

Bei der Herstellung von Zytostatika müssen Spezialapotheken strenge Auflagen beachten,

dies sollte auch zum Allgemeinwissen eines Heilpraktikers gehören. Die im Artikel beschriebene Handlungsweise ist deshalb nicht als grob fahrlässig, sondern schon als vorsätzlich kriminell zu bewerten. Der Verzicht auf die Sachkompetenz eines Apothekers kann nicht durch Unwissenheit, sondern nur durch das Ziel der Gewinnmaximierung erklärt werden.

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