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KBV lobt schnellen und niederschwelligen Zugang zur psychothera­peutischen Versorgung

Donnerstag, 12. April 2018

/Paolese, stockadobecom

Berlin – Ein Jahr nach Inkrafttreten der Strukturreform der ambulanten Psychotherapie zieht die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) eine positive Bilanz. „In kürzester Zeit haben die Psychotherapeuten die Vorgaben der Psychotherapierichtlinie aus dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz umgesetzt und die neuen Leistungen – Sprech­stunden zur Erstberatung sowie die Akutbehandlung in besonders dringenden Fällen – eingeführt. Damit haben wir einmal mehr bewiesen, wie gut die Selbstverwaltung funktioniert“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen heute in Berlin.

Die Strukturreform ist mit der geänderten Psychotherapierichtlinie des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) am 1. April 2017 in Kraft getreten. Das Therapieangebot wurde durch eine psychotherapeutische Sprechstunde, eine Akutbehandlung und Möglichkeiten zur Rezidivprophylaxe flexibilisiert. Außerdem wurden das Antrags- und Gutachterverfahren vereinfacht sowie Gruppentherapien gefördert. Verpflichtet wurden Psychotherapeuten auch zu einer persönlichen telefonischen Erreichbarkeit. Darüber hinaus wurde beschlossen, dass die Terminservicestellen (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) auch Termine zu Psychotherapeuten vermitteln.

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Mehr Sprechstundenzeit als verlangt

Nach Angaben der KBV haben Psychotherapeuten allein im zweiten Quartal 2017 rund 346.000 Patienten die psychotherapeutische Sprechstunde ermöglicht, rund 28.900 Patienten in akuten psychische Krisen erhielten eine Akutbehandlung. Im Folgequartal (3/2017) nahmen rund 430.000 Patienten die Sprechstunde in Anspruch, knapp 60.000 wurden in der Akutbehandlung versorgt.

„Das Ziel eines schnellen und niederschwelligen Zugangs zu psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten ist nun gegeben. Vor allem Dank des Engagements der niedergelassenen Psychotherapeuten. Diese bieten seit Inkrafttreten der neuen Richtlinie bereits weit mehr Sprechstundenzeit pro Woche an, als die Richtlinie verlangt“, betonte Gassen.

Zustande kommen die Termine dieser neuen Leistungen nach Angaben der KBV überwiegend durch den direkten Kontakt mit der jeweiligen Praxis. Nur rund fünf Prozent der in den ersten zwei Quartalen nach der Reform realisierten Termine seien über die Terminservicestellen vermittelt worden. Diese Zahl hatte gestern auch die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) bei der Vorstellung ihrer Wartezeitenstudie genannt.

Wartezeiten auf eine Richtlinienpsychotherapie lang

Ein Ziel der neuen Leistungen der Psychotherapiereform, den Patienten einen schnelleren Zugang zu ermöglichen, sei erreicht worden. „Die Wartezeiten auf eine reguläre Richtlinienpsychotherapie können sich dadurch allerdings nicht verkürzen“, betonte der KBV-Vorstandsvorsitzende.

Auf ein Erstgespräch im Rahmen der Sprechstunde müssen Patienten laut BPtK-Wartezeitenstudie im bundesweiten Durchschnitt 5,7 Wochen warten. Bei Vermittlung über eine Terminservicestelle (TSS) dauert es im Durchschnitt nur drei Wochen. Eine Akutbehandlung bieten Psycho­therapeuten innerhalb von zwei bis drei Wochen an. Bis zum Beginn einer Richtlinienpsychotherapie dauert es aber durchschnittlich immer noch 20 Wochen.

Umsetzung des Bundesschiedsamtsbeschlusses gefordert

Der Verband der Ersatzkassen (vdek) sieht indes die Kassenärztlichen Vereinigungen in der Pflicht, Patienten auch zeitnahe Termine für die Richtlinienpsychotherapie anzubieten. „Die KVen dürfen sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Sie sind laut Gesetz verpflichtet, betroffenen Patienten Termine über die Servicestellen innerhalb von vier Wochen anzubieten“, erklärte Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek heute.

Nach Ansicht des Verbands bezieht sich diese Vorgabe nicht nur auf die Vermittlung in Sprechstunden und Akutbehandlung – die erfüllt wird –, sondern auch auf die Vermittlung von Terminen für probatorische Sitzungen, also faktisch für die Richtlinienpsychotherapie.

Elsner fordert die KVen auf, den umstrittenen Beschluss des Bundesschiedsamtes vom 7. November 2017 umzusetzen, der ihrer Ansicht nach keine aufschiebende Wirkung hat. Das Gericht hatte auf Antrag des GKV-Spitzenverbands und gegen die Stimmen der KBV entschieden, dass die TSS künftig auch Termine für probatorische Sitzungen vermitteln sollen, wenn ein Psychotherapeut zuvor bestätigt hat, dass dies zeitnah erforderlich ist.

Die KBV hat gegen diesen Schiedsspruch inzwischen Klage beim Landessozialgericht Berlin-Brandenburg eingereicht, verbunden mit einem Antrag auf aufschiebende Wirkung der Entscheidung. Nach Angaben der KBV hat sich das Gericht dazu bisher noch nicht geäußert. © PB/aerzteblatt.de

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