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„Eine Idee ist, jungen Medizinern die Praxis-Infrastruktur bereitzustellen“

Donnerstag, 12. April 2018

Düsseldorf – Die Niederlassung von Ärzten wird in Deutschland von vielen Seiten unterstützt. Vor allem die Kassenärztlichen Vereinigungen und Ärztekammern, aber auch die Landesregierungen und selbst die Kommunen bringen sich ein. Nun hat die Deutsche Apotheker und Ärztebank (apoBank) angekündigt, sich vorstellen zu können, Arztpraxen zur Verfügung zu stellen. Was genau dahintersteckt, erläuterte Ulrich Sommer, der seit dem 1. September 2017 Vorstandsvorsitzender der Bank ist, dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ).

Fünf Fragen an Ulrich Sommer

DÄ: Herr Sommer, was genau steckt hinter der Idee von apoBank-Praxen?
Ulrich Sommer: Der freie Heilberufsstand ist eine der Grundfesten des deutschen Gesundheitswesens, auf denen das Geschäftsmodell der apoBank ruht. Daran wird sich auch künftig nichts ändern. Fakt ist jedoch auch, dass der Gesundheitsmarkt einem tiefgreifenden Wandel unterliegt, und dass sich die Rahmenbedingungen der – freien – Berufsausübung und die beruflichen Vorstellungen von jungen Medizinern verändern.

Wir beobachten seit Jahren, dass junge Mediziner immer zurückhaltender werden, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen oder sich langfristig an einen Ort zu binden. Da es zu unseren Kernaufgaben gehört, die Niederlassungsbereitschaft von Medizinern in Deutschland zu fördern, machen wir uns schon seit längerem Gedanken, wie wir jungen Medizinern und Medizinerinnen den Einstieg in eine eigene Praxis erleichtern können.

Viele Maßnahmen haben wir auch schon umgesetzt. Eine Idee ist, jungen Medizinern die Praxis-Infrastruktur bereitzustellen. Und hier spreche ich explizit nicht von Eigeneinrichtungen oder gar Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) betrieben durch die apoBank.

Vielmehr könnte ich mir vorstellen, als Bank vorübergehend die Investitionskosten und Verwaltungsaufwendungen für eine solche Praxis zu übernehmen, die über eine Mietzahlung durch den niedergelassenen Arzt für diese Zeit ausglichen werden könnte. Immer mit dem Ziel verbunden, den Mediziner davon zu überzeugen, den Mehrwert, den er als Praxiseigentümer erzielen würde, ebenfalls zu vereinnahmen und ihm perspektivisch diese Praxis zum Kauf anzubieten. Verbunden mit der Finanzierung durch die apoBank ist das sozusagen ein klassisches Programm zur Förderung von Niederlassungen in eigenen Praxen.

DÄ: Wie profitieren Ärzte davon, die sich auf ein solches Modell einlassen?
Sommer: Vielen jungen Medizinern ist anfangs die betriebswirtschaftliche Welt noch fremd. Als Praxisinhaber oder -inhaberin müssen stets auch Entscheidungen getroffen werden, die eben außerhalb der medizinischen Kompetenz liegen – das führt zu Unsicherheit, wenn es um die Frage geht, ob man sich niederlassen möchte. Und trotzdem haben viele den Wunsch, ihre medizinischen Leistungen nach eigenen Vorstellungen anzubieten, und das geht vor allem in einer eigenen Praxis. Das wollen wir möglich machen, indem sich Ärzte am Anfang rein auf ihre ärztliche Tätigkeit konzentrieren können und sukzessive in den betriebswirtschaftlichen Praxisalltag hineinwachsen können – ohne Risiko. Und sie können den Zeitpunkt wählen, wenn sie soweit sind, um die Praxis eigenständig zu übernehmen.

DÄ: Wie wäre ein Zeithorizont für eine solche Planung?
Sommer: Wir sind hier noch ganz am Anfang. Selbstverständlich möchten wir erst einmal weitere Analysen betreiben und mit den Standesorganisationen diskutieren, wie wir ein solches Modell im Schulterschluss mit unseren Mitgliedern und Kunden sinnvoll in die Umsetzung bringen könnten.

DÄ: Warum sind solche neuen Geschäftsmodelle für die apoBank notwendig?
Sommer: Wenn wir uns die Entwicklungen auf dem Bankenmarkt anschauen, dann kann es ein „Weiter so“ nicht geben. Banken müssen heutzutage völlig neu denken und sich an neue Kundenerwartungen und an die digitalisierte Welt anpassen. Bei uns kommt noch der Umbruch auf dem Gesundheitsmarkt hinzu. Vor diesem Hintergrund stellen natürlich auch wir uns die Frage, welche Rolle die apoBank in Zukunft im Gesundheitsmarkt einnehmen kann.

Ich möchte uns nicht allein auf den Finanzierer von Praxen beschränken. Wir haben mit unserer Spezialisierungsstrategie noch viel mehr Potenzial, wie wir den Heilberufler und andere Akteure auf dem Gesundheitsmarkt begleiten und unterstützen können, zum Beispiel im Bereich der Digitalisierung. Immer mit der Maßgabe, einen Nutzen bei unseren Kunden und Mitgliedern zu stiften.

DÄ: Am 18. April will die apoBank ihre Geschäftszahlen vorstellen. Wie hat sich das Geschäftsfeld Praxisgründungen/Praxisübernahmen im vergangenen Jahr entwickelt?
Sommer: Erfreulich. Dank unserer Anstrengungen in diesem Bereich haben wir unsere Existenzgründungsfinanzierungen ordentlich steigern können. Das spricht für unsere ausgewiesene Expertise, und dass wir auf dem richtigen Weg sind. © may/aerzteblatt.de

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