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Medizin

Resistente Hypertonie: Amilorid senkt Blutdruck bei Aldosteronismus

Freitag, 13. April 2018

/russellg10, stockadobecom

London – Eine resistente Hypertonie, die auch auf eine Kombinationstherapie mit drei unterschiedlichen Wirkstoffklassen nicht ausreichend ansprach, war in einer Studie in Lancet Diabetes & Endocrinology (2018; doi: 10.1016/S2213-8587(18)30071-8) häufig Folge einer vermehrten Aldosteron-Produktion, die über eine Natriumretention zu einer vermehrten Wassereinlagerung führte. Neben dem Aldosteron-Antagonisten Spironolacton erzielte auch das Diuretikum Amilorid eine gute Wirkung.

Die PATHWAY-2-Studie hat vor drei Jahren gezeigt, dass Spironolacton bei Patienten mit resistenter Hypertonie den Blutdruck deutlich senken kann. Bei den 314 Studienteilnehmern war der Blutdruck trotz einer Kombinationstherapie aus ACE-Hemmer/Angiotensin-Rezeptorblocker plus Thiazid-Diuretikum plus Kalziumantagonis erhöht geblieben.

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Aldosteron-Antagonist erzielte die beste Wirkung

Die Patienten waren dann im 12-Wochen-Turnus zusätzlich mit Bisoprolol, Doxazosin, Spironolacton oder Placebo behandelt worden. Der Aldosteron-Antagonist erzielte die beste Wirkung. Der Blutdruck sank gegenüber der Placebo-Gruooe (um 8,70 mmHg) und damit deutlicher als während der Therapie mit Doxazosin (um 4,03 mmHg) und Bisoprolol (4,48 mmHg; Lancet 2015; 386: 2059–68).

Schon damals wurde vermutet, dass die bessere blutdrucksenkende Wirkung von Spironolacton darauf zurückzuführen war, dass viele Patienten einen Aldosteronismus hatten. Das Team um Morris Brown von der Queen Mary University of London kann diese Hypothese jetzt durch zwei Substudien an den Teilnehmern der PATHWAY-2-Studie erhärten.

In der ersten Substudie wurden die Hormonuntersuchungen mit der blutdruck­senkenden Wirkung von Spironolacton in Beziehung gesetzt. Den größten Einfluss hatte ein niedriger Renin-Wert. Im Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) lässt sich dies leicht als Folge einer erhöhten Aldosteronproduktion erklären. Bei vielen Patienten war dann auch Aldosteronwert erhöht. Die Korrelation der Blutdrucksenkung mit dem niedrigen Renin-Wert war jedoch deutlich als zum erhöhten Aldosteronwert. Bei jedem vierten Studienteilnehmer fanden die Forscher die Konstellation aus niedrigem Renin und erhöhtem Aldosteron, die wenig Zweifel daran lässt, dass ein Aldosteronismus die Ursache der Hypertonie war.

Bei einen Aldosteronismus ist die Rückresorption von Natrium und Wasser in den Nieren gesteigert. Die Folge ist eine Zunahme des Flüssigkeitsvolumens. Die Forscher konnten in einer zweiten Substudie mittels einer Bioimpedanzmessung zeigen, dass es unter der Behandlung mit Spironolacton zu einem Rückgang des thorakalen Flüssigkeitsvolumens um 6,8 % kam. Auch das Körpergewicht der Teilnehmer ging leicht zurück. Diese Effekte wurden unter den anderen beiden Therapiestrategien nicht beobachtet.

In einer dritten Substudie wurde schließlich untersucht, ob eine Behandlung mit dem kaliumsparenden Diuretikum Amilorid ebenfalls den Blutdruck senken kann. Diese Studie wurde vermutlich durch die schlechte Verträglichkeit von Spironolacton motiviert, unter der vor allem Männer zu leiden haben. Bei ihnen kommt es infolge der Strukturverwandtschaft von Spironolacton mit Steroidhormonen häufig zu Gynäkomastie, Brustschmerz und zu sexuellen Funktionsstörungen.

Wie Brown berichtete, senkte Amilorid als vierter Wirkstoff in der Dosis von 10 mg/die den Blutdruck um 20,4 mmHg und damit fast noch stärker als Spironolacton, das den Blutdruck in der Dosis von 25 mg/die um 18,3 mmHg reduzierte. © rme/aerzteblatt.de

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