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Medizin

Nachteulen sterben früher

Freitag, 13. April 2018

/Wordley Calvo Stock, stockadobecom

Chicago – Menschen, die gerne lange aufbleiben und sich morgens aus dem Bett quälen müssen, leiden laut einer prospektiven Kohortenstudie in Chronobiology International (2018; doi: 10.1080/07420528.2018.1454458) häufiger unter Krankheiten und sterben deshalb früher als Frühaufsteher.

Die Abendstunden sind für viele Menschen die Zeit, in der sie gute Vorsätze vergessen (oder auf den nächsten Tag schieben): Für viele sind Süßigkeiten oder Snacks an Fernsehen oder Bildschirm eine feste Gewohnheit. Manche überkommt spätabends auch schon einmal die Lust auf ein Fertiggericht aus der Kühltruhe oder vom Bringdienst. Auch Alkohol, Zigaretten und Drogen werden in den Abendstunden häufiger konsumiert.

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Frühere Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass Nachtmenschen häufiger übergewichtig oder adipös sind. Auch eine arterielle Hypertonie oder ein Typ-2-Diabetes wurde bereits mit dem nächtlichen Chronotyp in Verbindung gebracht. Psychologische Studien zeigen, dass Impulsivität und Neugierde in den Abendstunden steigen. Grundlagenforscher haben herausgefunden, dass die Verschiebung des Tag-Nacht-Rhythmus den Glukosestoffwechsel stört.

Das alles könnte erklären, warum Nachtmenschen häufiger krank sind. Kristen Knutson von der Feinberg School of Medicine in Chicago hat hierzu zusammen mit Malcolm von Schantz von der Universität von Surrey in Guildford die Daten der UK Biobank ausgewertet. Die 433.268 Teilnehmer im Alter von 38 bis 73 Jahren waren dort gefragt worden, ob sie sich, in jeweils zwei Abstufungen, eher als Morgen- oder Abendtyp sehen. Knutson und von Schantz haben die Antworten dann zu den Erkran­kungen und Todesfällen in der bisherigen Nachbeobachtungszeit in Beziehung gesetzt.

Dabei zeigte sich, dass die Kränklichkeit vom Morgen- zum Abendtypen zunimmt. Am deutlichsten waren die Unterschiede bei psychologischen Erkrankungen, die bei den definitiven Nachtypen fast doppelt so häufig diagnostiziert wurden wie bei Frühaufstehern. Das Diabetesrisiko war um 30 Prozent erhöht, Magen-Darm-Erkrankungen traten zu 23 Prozent und Atemwegserkrankungen zu 22 Prozent häufiger auf.

Auch das Sterberisiko war um 10 Prozent erhöht. Absolute Morgentypen dagegen wurden mit einem längeren Leben belohnt. Für von Schanz ist das ein Problem der öffentlichen Gesundheit, das nicht länger ignoriert werden kann. Eine Änderung des Lebensstils dürfte den meisten Betroffenen jedoch schwer fallen. Frühere Untersuchungen des Chronobiologen hatten gezeigt, dass die Neigung zum Morgen- und Nachttypen oft angeboren ist. Die erbliche Komponente schätzt von Schanz auf 21 und 52 % ein. © rme/aerzteblatt.de

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