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Medizin

Wissenschaftler beschreiben Liquor­veränderungen bei Varizella-Zos­ter-Infektion

Montag, 16. April 2018

Varizella-Zoster-Virus /dpa

Hannover – Wissenschaftler des Zentrums für experimentelle und klinische Infektionsforschung Twincore haben charaktistische Liquorveränderungen beschrieben, die typisch sind für eine Infektion mit dem Varizella-Zoster-(VZ-)Virus. Ihre Arbeit ist im Journal of Neuroinflammation erschienen (2018; doi: 10.1186/s12974-017-1041-0). 

„Die diagnostischen Methoden, mit denen die Medizin zwischen den unterschiedlichen Auslösern einer Meningoenzephalitis differenzieren kann, sind derzeit entweder unzuverlässig oder sehr langwierig“, erläuterte Frank Pessler, Leiter der Arbeitsgruppe Biomarker für Infektionskrankheiten am Twincore, den Hintergrund für die Untersuchung.

Die Therapien seien jedoch grundsätzlich verschieden und es müsse schnell gehandelt werden. „Das hat häufig eine Überbehandlung zur Folge, weil die Ärzte nicht wissen können, wie die Krankheit verlaufen wird und lieber auf ‚Nummer Sicher‘ gehen“, so Pessler.

Das VZ-Virus zieht sich nach einer überstandenen Windpockenerkrankung bekanntlich in die neuronalen Ganglien zurück, bricht aber bei etwa einem Viertel der Infizierten später erneut aus und verteilt sich dann entlang des Nervensystems. Das Risiko, dass die Viren reaktiviert werden, steigt mit dem Alter oder wenn das Immunsystem geschwächt ist.

„Die Windpocken kommen im Alter als Gürtelrose wieder oder befallen die Ganglien, die ins Gehirn führen“, erläuterte Kurt-Wolfram Sühs, Oberarzt an der Klinik für Neurologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Pesslers Team und er haben Proben von Patienten bearbeitet, bei denen die Diagnose „Reaktivierung des VZ-Virus“ feststand.

Dazu haben sie den Liquor von Erkrankten mit Gürtelrose, mit Störungen der Hirnnerven und mit Meningoenzephalitis auf charakteristische Stoffwechselprodukte untersucht. „Wir haben gesehen, dass bereits bei einer Gürtelrose das Nervenwasser charakteristisch verändert ist, und es verändert sich mit steigendem Schweregrad der Infektion weiter“, so Sühs.

Die unterschiedlichen Stadien der VZ-Virus-Reaktivierung unterscheiden sich durch fast 90 Stoffwechselprodukte in der Hirnflüssigkeit. Bei einer Infektion mit Enteroviren – den vergleichsweise harmlosen Sommerviren – ist keine solche Veränderung zu beobachten. „Damit haben wir spezifische Biomarker für den Nachweis einer VZ-Virus-Enzephalitis“, so Pessler.

Die Forscher wollen nun das Biomarkerspektrum mit dem von anderen Viren und Bakterien vergleichen. Zudem wollen die Wissenschaftler die Biomarker quantifizieren und herausfinden, ob sich von der Konzentration der Biomarker in der Gehirnflüssigkeit auf die Schwere der Schäden in den Nerven schließen lässt. © hil/aerzteblatt.de

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