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S3-Leitlinie Neuroborreliose veröffentlicht

Freitag, 13. April 2018

/shishiga, stockadobecom

München – Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat die erste S3-Leitlinie Neuroborreliose veröffentlicht. Sie bezieht Stellung zu vermeintlichen Spätfolgen einer Borrelieninfektion, die Jahre nach dem Zeckenstich auftreten sollen, und gilt erstmals auch für die Neuroborreliose im Kindes- und Jugendalter.

Die Leitlinie erläutert zum Beispiel, welche diagnostischen Schritte und Labortests die Diagnose Neuroborreliose sichern und bietet einen Überblick über wirksame Therapien. Sie enthält außerdem ein Informationsblatt für Patienten zur Nachbeobachtung eines Zeckenstichs und gibt Empfehlungen zur Prävention einer Borrelieninfektion.

Die Lyme-Borreliose (auch Lyme-Disease genannt) ist die am häufigsten durch Zecken übertragene Krankheit in Europa. In Deutschland erkranken jährlich zwischen 60.000 und mehr als 200.000 Menschen. Eine frühzeitige Entfernung der Zecke, bevor sie sich mit Blut vollgesaugt hat, kann die Übertragung des Erregers verhindern.

Die S3-Leitlinie ist eine Weiterentwicklung der bisher gültigen S1-Leitlinie. Sie wurde unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) erstellt und basiert auf einer systematischen Auswertung der wissenschaftlichen Literatur zur akuten und chronischen Neuroborreliose.

Um die Leitlinie hatte es im Vorfeld einen Rechtsstreit zwischen dem Borreliose-und-FSME-Bund Deutschland und der Deutschen Borreliose-Gesellschaft mit der DGN gegeben. Hintergrund war, dass die DGN die von Borreliose-und-FSME-Bund und Borreliose-Gesellschaft abgegebenen Dissenshinweise zur Leitlinie in den Leitlinienreport und nicht in den Leitlinientext aufnehmen wollte. Dies wollten die beiden Organisation nicht hinnehmen und richterlich erzwingen, dass die Dissenshinweise im Leitlinientext erscheinen.

Das Landgericht Berlin wies die Klage des Borreliose-und-FSME-Bundes Deutschland und der Deutschen Borreliose-Gesellschaft jedoch ab. Wie der Borreliose- und FSME-Bund Deutschland heute dem Deutschen Ärzteblatt erklärte, habe man gegen das Urteil des Landgerichts Berlin Berufung eingelegt. Die Patientenorganisation kritisierte heute die Veröffentlichung der Leitlinie und bezeichnete diese als „verfrüht“. © hil/sb/may/aerzteblatt.de

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SOCO10
am Freitag, 13. April 2018, 20:14

S-3-Leitlinie

Gestatten Sie, dass ich Sie korrigieren: Es waren nicht zwei Patientenverbände, die immerhin eine vorübergehende Einstweilige Verfügung erlangten, sondern eine (1) Patientenorganisation und eine Ärztliche Fachgesellschaft. Fraglich ist der Status S3 bei dieser Leitlinie, der nur gerecht wird, wenn Patientengruppen mitgearbeitet und verabschiedet haben. Alle drei Patientenorganisationen distanzieren sich jedoch von dieser Leitlinie, unter anderem weil sie nur in Alibifunktion dazugeholt und im Grunde bei allen sensiblen Themen von der Masse der Fachgesellschaften in Grund und Boden überstimmt wurden. Wir werden sehen, wie Leitlinienwatch das Zustandekommen dieser Leitlinie bewertet. S3 ist das jedenfalls nicht.

Anm. d. Red.: Danke für den Hinweis. Wir haben das korrigiert.

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