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Medizin

Feinstaub fördert tiefe Atemwegsinfektionen bei Kleinkindern

Freitag, 13. April 2018

/Ermolaev Alexandr, stockadobecom

Salt Lake City/Utah – Ein kurzfristiger Anstieg der Feinstaubkonzentration erhöht laut einer Studie im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine (Online) bei Kindern die Anfälligkeit für tiefe Atemwegsinfektionen. Besonders gefährdet scheinen Kinder in den ersten beiden Lebensjahren zu sein.

Tiefe Atemwegsinfektionen sind bei Kindern in den ersten Lebensjahren häufig. Die Erkrankungen können so heftig sein, dass eine Klinikbehandlung notwendig wird. Beim Krankenversicherer Intermountain Healthcare aus Salt Lake City entfallen 77 % der Klinikbehandlungen wegen tiefer Atemwegserkrankungen auf die Altersgruppe der unter Zweijährigen, die zumeist wegen einer Bronchiolitis behandelt werden.

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Tiefe Atemwegsinfektionen werden bei Kindern in der Regel durch Viren ausgelöst, wobei RS-Viren der dominierende Erreger sind. Dies schließt jedoch nicht aus, dass äußere Faktoren eine Rolle spielen. Dazu gehört Feinstaub, da er bis in die tiefen Atemwege vordringt. Feinstaub könnte dort die Epithelien schädigen. Auch eine Behinderung der Immunantwort ist denkbar, da Feinstaub ins Blut dringt.

Die Folge könnten länger dauernde und schwere Infektionen sein. Auch ein erhöhtes Ansteckungsrisiko durch die Erkrankungen anderer Kinder ist denkbar: Die Kinder könnten sich aufgrund der schlechten Wetterlage bevorzugt in Innenräumen aufhalten, wo sie sich durch den engen Kontakt mit anderen Personen leichter anstecken als im Freien.

Ein Team um Benjamin Horne vom Intermountain Medical Center Heart Institute in Salt Lake City hat den Effekt anhand der Versichertendaten aus der Wasatch Front untersucht. Die Wasatch Front ist eine 130 Kilometer lange und 15 bis 30 Kilometer breite Talregion in den Rocky Mountains. Dort leben etwa 80 % der Bevölkerung von Utah.

Zu den klimatischen Besonderheiten gehören häufige Inversionswetterlagen, bei denen es zu einem deutlichen Anstieg der Luftschadstoffe kommt. Die Feinstaubwerte (PM2,5), die im Jahresdurchschnitt deutlich niedriger sind als in Los Angeles, Seattle oder Atlanta, überschreiten dann häufig die Grenzwerte. PM2,5-Werte von 35 µg/m3 sind keine Seltenheit. Manchmal werden auch PM2,5-Werte von bis zu 100 µg/m3 erreicht, die als gesundheitsschädlich eingestuft werden.

Horne kann nachweisen, dass es nach solchen Spitzen der Feinstaubbelastung zu einer Zunahme der Klinikbehandlungen wegen akuter tiefer Atemwegsinfektionen kommt. Die Zunahme setzte nach etwa einer Woche ein und erreichte nach etwa drei Wochen einen Höhepunkt. Für Kinder in den ersten beiden Lebensjahren ermittelt Horne für die ersten vier Wochen eine kumulative Odds Ratio von 1,15 pro Anstieg der PM2,5-Konzentration um 10 µg/m3, die mit einen 95-%-Konfidenzintervall von 1,12 bis 1,19 signifikant war.

Ein ähnlicher Effekt war auch bei Kindern im Alter zwischen 3 und 17 Jahren (Odds Ratio 1,32; 1,20–1,44) sowie bei Erwachsenen (Odds Ratio 1,19; 1,09–1,31) nachweisbar. Da es in diesen Altersgruppen jedoch seltener zu Hospitalisierungen wegen akuter tiefer Atemwegsinfektionen kommt, sind vor allem kleine Kinder gefährdet.

In den meisten Fällen erholen sich die Patienten auch von schweren tiefen Atemwegsinfektionen. Vereinzelte Todesfälle sind jedoch möglich. Von den 146.397 Personen der Studie starben 17 Kinder im Alter von bis zu 2 Jahren, 9 Kinder im Alter von 3 bis 17 Jahren und 81 Erwachsene innerhalb von 30 Tagen nach der Diagnose der akuten tiefen Atemwegsinfektion. © rme/aerzteblatt.de

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nabilabdulkadirdeeb.germany
am Dienstag, 17. April 2018, 07:02

In den letzten Jahrzehnten hat eine wachsende Zahl von Beweisen kurz- und langfristige Expositionen mit Luftverschmutzung durch Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie durch Mortalität in Verbindung gebracht.


Nabil Abdul Kadir DEEB
Arzt – Physician – Doctor

Akute Infektionen der unteren Atemwege , einschließlich Infektionen der Lunge und Alveolen und der Atemwege sind eine der häufigsten Ursachen für Morbidität und Mortalität bei Kindern und Erwachsenen weltweit.

In den letzten Jahrzehnten hat eine wachsende Zahl von Beweisen kurz- und langfristige Expositionen mit Luftverschmutzung durch Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie durch Mortalität in Verbindung gebracht.
Kurzfristige Erhöhung der Feinstaubbelastung wurden mit akuten pulmonalen und kardiovaskulären Ereignissen in Verbindung gebracht, einschließlich Asthma und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung, Thrombose, Myokardinfarktauslösung, Exazerbation von Herzinsuffizienz und Mortalität.

Ich verweise auf folgendes :
(UN-Sozialpakt, Artikel 12) Das “Recht auf Gesundheit” II UN-Sozialpakt, Artikel 12, 2: Maßnahmen a) zur Senkung der Zahl der Totgeburten und der Kindersterblichkeit sowie zur gesunden Entwicklung des Kindes; b) zur Verbesserung aller Aspekte der Umwelt- und der Arbeitshygiene; c) zur Vorbeugung, Behandlung und Bekämpfung epidemischer, endemischer, Berufs- und sonstiger Krankheiten; d) zur Schaffung der Voraussetzungen, die für jedermann im Krankheitsfall den Genuss medizinischer Einrichtungen und ärztlicher Betreuung sicherstellen.

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/77694/Laerm-und-Isolation-machen-Stadtbewohner-krank

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/89271/Schneller-Anstieg-von-Stickoxiden-kann-Herzinfarktrisiko-verdoppeln

Mit freundlichen kollegialen Gruessen

Ihr

Nabil Abdul Kadir DEEB
Arzt – Physician – Doctor
PMI-Registered Doctors'Association
53140 Bonn / GERMANY

nabilabdulkadirdeeb.germany@gmail.com

LNS

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