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Medizin

Nikotinsucht: Metformin mildert (bei Mäusen) Entzugserscheinungen

Montag, 16. April 2018

/thodonal, stockadobecom

Philadelphia – Könnte Metformin, das Standardmedikament zur Behandlung des Typ-2-Diabetes, Rauchern den Verzicht auf Zigaretten erleichtern? Tierexperimentelle Studien in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2018; doi: 10.1073/pnas.1707047115) zeigen, dass Metformin die vermehrte Ängstlichkeit mildert, die beim Menschen ein wichtiger Grund für den erneuten Griff zur Zigarette sein soll. 

Nikotin hat eine anxiolytische Wirkung und der Anstieg der Ängstlichkeit im Nikotinentzug gehört für Psychologen zu den wichtigsten Gründen, warum Raucher rückfällig werden. Nicht zufällig gehört ein Antidepressivum (Bupropion) zu den wenigen zugelassenen und effektiven Mitteln zur Unterstützung der Tabakentwöhnung.

Ein weiteres Mittel könnte überraschenderweise Metformin sein. Ein Team um Julie Blendy von der University von Pennsylvania in Philadelphia ist bei seinen Forschungen eher zufällig auf das Diabetesmedikament gestoßen. Die Forscher hatten an Mäusen untersucht, auf welche Weise der Nikotinentzug die Ängstlichkeit steigert. Ihren Experimenten zufolge spielt dabei ein Abfall der AMP-aktivierten Proteinkinase (AMPK) im Hippocampus eine zentrale Rolle. 

AMPK ist ein wichtiges Enzym im Energiestoffwechsel, das durch Nikotin verstärkt wird. Nach dem Entzug kommt es zu einem raschen Abfall der AMPK-Aktivität. Bei Mäusen hat dies eine verminderte Nahrungsaufnahme in einer neuen Umgebung (Novelty-Induced Hypophagia) zur Folge. Außerdem beginnen die Tiere, Glasmurmeln, die ihnen in den Käfig gelegt werden, zu vergraben (Marble burying). Dieses Angstverhalten wurde durch Nikotin oder andere AMPK-Aktivatoren vermindert.

Nun ist bekannt, dass Metformin ebenfalls die AMPK-Aktivität steigert. In der Leber hat dies eine verminderte Neubildung von Glucose zur Folge. Blendy kann jetzt zeigen, dass Metformin auch im Hippocampus die Aktivität von AMPK steigert und dass dies bei den Mäusen die Ängstlichkeit mildert, zu der es im Tabakentzug kommt. Die Mäuse verloren die Scheu vor der Nahrung (in ungewohnter Umgebung) und sie beschäftigten sich weniger mit dem Vergraben von Murmeln. 

Das ist sicherlich noch kein Beweis dafür, dass Metformin Rauchern bei der Tabakabstinenz helfen kann. Da Metformin jedoch ein zugelassenes und gut verträgliches Medikament ist, könnte sofort mit klinischen Studien begonnen werden. Vor deren Ausgang wird abhängen, ob Metformin in Zukunft ein weiteres Einsatzgebiet haben wird.  © rme/aerzteblatt.de

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