NewsÄrzteschaftÄrztekammer Westfalen-Lippe gegen Abschaffung der Zusatzbezeichnung „Homöopathie“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Ärztekammer Westfalen-Lippe gegen Abschaffung der Zusatzbezeichnung „Homöopathie“

Montag, 16. April 2018

Münster – In der Diskussion um alternative Heilverfahren hat sich die Ärztekammer Westfalen-Lippe dafür ausgesprochen, die Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ in der ärztlichen Weiterbildung zu erhalten. Die Homöopathie würde andernfalls in die Hände nichtärztlicher Berufsgruppen gelangen, ohne jede medizinisch-wissenschaftliche Ausbildung.

„Wenn ausgebildete Mediziner homöopathisch arbeiten, geschieht das zumindest mit einem ärztlichen Hintergrund“, sagte ÄKWL-Präsident Theodor Windhorst auf der Kammerversammlung der Ärztekammer. Laut der Kammer ist die Nachfrage nach der Zusatzbezeichnung Homöopathie gering: Von 2012 bis 2017 habe sie in Westfalen-Lippe 13 Anerkennungen erteilt.

Windhorst forderte in diesem Zusammenhang eine stärkere Regulierung der heilpraktischen Tätigkeit und erinnerte an die entsprechenden Forderungen des Freiburger Ärztetages 2017. Dieser hatte gefordert, der Gesetzgeber müsse alle invasiven Maßnahmen sowie die Behandlung von Krebs­erkrankungen vom zulässigen Tätigkeitsumfang von Heilpraktikern ausschließen. Bei Krankheiten, die vermutlich über eine Befindlichkeitsstörung hinausgingen, müsse der Heilpraktiker den Kranken zum Arzt schicken, so die Ärztetagsabgeordneten im vergangenen Jahr.

Anzeige

Windhorst forderte weiterhin, die Krankenkassen sollten die Kosten für Homöopathie nicht mehr im Rahmen von Satzungsleistungen erstatten. Diese Leistungen müssten auf Angebote begrenzt sein, deren Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen sei. „Das dürfte das Ende für homöopathische Angebote sein, denn sie seien eben nicht evidenzbasiert“, so der westfälische Ärztekammerpräsident.

Die Kammerversammlung hat sich bei ihrem Treffen außerdem in einer einstimmig angenommenen Resolution für mehr Medizinstudienplätze ausgesprochen. Die Fraktion Marburger Bund wies darauf hin, dass zur Einführung des G8-Abiturs in Nordrhein-Westfalen zusätzliche Studienplätze geschaffen worden seien, um den doppelten Abiturjahrgang zu bewältigen – an der medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum handle es sich zum Beispiel um 48 klinische Studienplätze. Dies sei jedoch nur eine Übergangsregelung gewesen, die Finanzierung dieser Studienplätze sei nur bis zum Herbst 2018 gesichert.

Das Plenum der westfälisch-lippischen Ärzteschaft stellte fest, dass die Versorgung der Bevölkerung auf Dauer nur aufrecht zu erhalten sei, wenn der drohende Verlust von medizinischen Studienplätzen in Nordrhein-Westfalen abgewendet und die notwendigen zusätzlichen Studienplätze dauerhaft geschaffen würden. 

Windhorst verwies in der Debatte darauf, dass seit Anfang der 1990er-Jahre etwa 1.000 Studienplätze für Medizin in Nordrhein-Westfalen abgebaut worden seien. Dem gegenüber stünden aktuell etwa 50.000 Bewerber, die auf einen Studienplatz für Medizin warteten. „Wir müssen den Tausenden medizinischen Studienplatzanwärtern eine Chance geben“, sagte der Kammerpräsident. Die Versammlung forderte die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen auf, entsprechende Maßnahmen einzuleiten. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #88255
doc.nemo
am Mittwoch, 18. April 2018, 08:21

Nichts begriffen

Es sind die üblichen Scheinargumente und logical fallacies, mit denen Theodor Windhorst die Homöopathie zu verteidigen versucht. Eine medizinisch-wissenschaftliche Ausbildung kann die Homöopathie nur widerlegen, aber doch nicht begründen! Es geht vermutlich, wie mein Vorredner nowack schon festgestellt hat, nur um die Sicherung eigener Pfründe.
Avatar #63068
nowack
am Dienstag, 17. April 2018, 12:53

Homöopathie medizinisch-wissenschaftlich???


"Die Homöopathie würde andernfalls in die Hände nichtärztlicher Berufsgruppen gelangen, ohne jede medizinisch-wissenschaftliche Ausbildung."
Man muss sich schon fragen, was Homöopathie wohl mit einer medizinisch-wissenschaftliche Ausbildung zu tun hat. Hier geht es ganz offensichtlich darum, dieses Marktsegment auch noch abzugreifen und die Einnahmen durch die Prüfungen zur Zusatzbezeichnung für die Kammer zu sichern. Lächerlicher kann sich die Ärzteschaft kaum darstellen. Und diese Kammer will meine Interessenvertretung sein!
Avatar #63068
nowack
am Dienstag, 17. April 2018, 12:52

Homöopathie medizinisch-wissenschaftlich???


"Die Homöopathie würde andernfalls in die Hände nichtärztlicher Berufsgruppen gelangen, ohne jede medizinisch-wissenschaftliche Ausbildung."
Man muss sich schon fragen, was Homöopathie wohl mit einer medizinisch-wissenschaftliche Ausbildung zu tun hat. Hier geht es ganz offensichtlich darum, dieses Marktsegment auch noch abzugreifen und die Einnahmen durch die Prüfungen zur Zusatzbezeichnung für die Kammer zu sichern. Lächerlicher kann sich die Ärzteschaft kaum darstellen. Und diese Kammer will meine Interessenvertretung sein!
LNS

Nachrichten zum Thema

3. Dezember 2018
Berlin – Entgegen einer Empfehlung des Bundesrates will Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) im Rahmen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) den Krankenkassen-Wahltarif für
Streit um Wahltarif für Komplementärarzneimittel
14. November 2018
Berlin – Die Arbeitsgruppe (AG) Gesundheit der FDP-Fraktion im Bundestag sieht es „im Sinne der Patientensicherheit“ als geboten an, „die Erlaubnis zur Bezeichnung als ‚Heilpraktiker‘ mittelfristig
FDP will Heilpraktiker langfristig abschaffen
12. November 2018
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) will nach einem Medienbericht verbieten, dass Heilpraktiker Patienten mit selbstgemixten Arzneien und fragwürdigen Frischzellen-Therapien behandeln.
Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium will Regeln für Heilpraktiker verschärfen
26. Oktober 2018
Berlin – Der Umsatz mit homöopathischen Arzneimitteln ist im ersten Halbjahr 2018 gestiegen. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 stieg dieser von rund 321 Millionen Euro auf 338 Millionen Euro. Das
Umsatz mit homöopathischen Arzneimitteln gestiegen
24. Oktober 2018
Vancouver und Atlanta – Medizinisches Crowdfunding schließt in Nordamerika nicht nur Lücken im Versicherungssystem, viele US-Amerikaner lassen sich auch umstrittene und eventuell sogar schädliche
Crowdfunding fördert sinnlose und schädliche Behandlungen
17. Oktober 2018
Seattle und Pittsburgh – Eine bariatrische Operation könnte für Menschen mit Typ-2-Diabetes und ausgeprägter Adipositas die mit Abstand beste Behandlung sein – sofern die Gewichtsreduktion bestand
Bariatrische Operation schützt vor Herzinfarkt und anderen makrovaskulären Komplikationen
26. September 2018
Würzburg – Der Weißdorn ist die Arzneipflanze des Jahres 2019. Die Pflanze aus der Familie der Rosengewächse werde seit vielen Jahrhunderten vor allem gegen Herz- und Kreislaufschwäche eingesetzt,
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER