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Ausland

Chagas bedroht weltweit 75 Millionen Menschen

Montag, 16. April 2018

Trypanosoma cruzi /dpa

Köln – Das Hilfswerk Ärzte ohne Grenzen startet eine Social-Media-Kampagne, um auf die vernachlässigte Krankheit Chagas aufmerksam zu machen. „Sechs Millionen Erkrankte weltweit, 12.000 Tote jährlich, 75 Millionen Menschen, die in Gefahr sind, sich zu infizieren – die Zahlen zur Chagas-Krankheit sind eindrücklich“, erläuterte das Hilfswerk. Ein Hauptproblem sei, dass 90 Prozent der Infizierten nicht wüssten, dass sie den Erreger in sich trügen.

Chagas ist eine parasitäre Erkrankung. Der Erreger „Trypanosoma cruzi“ vermehrt sich im Insektendarm von Raubwanzen (Triatominae). Diese leben bevorzugt in Wandritzen und Strohdächern. Während des Blutsaugens setzen die Raubwanzen infektiöse Fäzes ab. Diese können Konjunktiven, Schleimhäute oder kleinste Hautverletzungen kontaminieren (Schmierinfektion).

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„Aufgrund des Juckreizes, verursacht durch den Stich, werden die Erreger häufig in den Stichkanal eingerieben“, informiert das Robert-Koch-Institut (RKI). Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bei bei Transfusion von infizierten Blutkonserven oder Organtransplantationen möglich. Die Erreger können auch transplazentar übertragen werden.

Besonders gefährdet sind laut RKI die ländliche Bevölkerung und Slumbewohner in Mittel- und Südamerika. Eine mögliche Gefahr bestehe auch für Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. „Da es keine systematischen Diagnoseprogramme gibt, ist die Zahl der Erkrankten sicher noch zu niedrig geschätzt. Viele sterben, ohne überhaupt zu wissen, dass sie infiziert waren“, erläuterte Juan-Carlos Cubides, Epidemiologe von Ärzte ohne Grenzen.

Die Kampagne von Ärzte ohne Grenzen trägt den Titel „Ein großes Herz ist nicht immer etwas Gutes“, denn Komplikationen am Herzen wie Rhythmusstörungen oder Herzversagen zählen zu den häufigsten Todesursachen von erwachsenen Chagas-Erkrankten. Wichtigstes Kampagnenwerkzeug ist eine Internetseite, über die das Hilfswerk Informationen und Patientengeschichten zu der Krankheit verbreitet, um über die Infektion aufzuklären. 

Die antiparasitäre Therapie ist laut RKI nur in der akuten Krankheitsphase erfolgreich und erfolgt mit Nifurtimox (60–120 Tage) oder Benznidazol (30–60 Tage), die toxischen Nebenwirkungen seien aber erheblich. „In der chronischen Phase ist eine gezielte symptomatische Therapie erforderlich, vor allem zur Behandlung der Schädigungen des Herzens oder des Darms“, informiert das RKI. © hil/aerzteblatt.de

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