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Medizin

Cannabis erreicht die Muttermilch

Dienstag, 17. April 2018

/Mitch, stock.adobe.com

Amarillo/Texas – Wenn Schwangere Cannabis rauchen, sei es zum Vergnügen oder aus medizinischer Indikation, dann gelangt der psychoaktive Wirkstoff THC auch in die Muttermilch, wie eine pharmakokinetische Untersuchung in Obstetrics & Gynecology (2018; doi: 10.1097/AOG.0000000000002575) herausfand.

Cannabisrauch enthält mehr als 150 Verbindungen, von denen Delta-9-Tetrahydro­cannabinol (THC) die stärkste psychoaktive Wirkung hat. THC ist fettlöslich, weshalb es nach dem Cannabiskonsum über längere Zeit im Fettgewebe nachweisbar ist. THC wird auch von den Milchdrüsen aufgenommen. In welcher Menge es in die Muttermilch gelangt, war bisher unbekannt.

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Ein Team um Thomas Hale vom Texas Tech University Health Sciences Center in Amarillo hat jetzt 8 Frauen untersucht, die ihre 3 bis 5 Monate alten Säuglinge voll stillten. Alle 8 Frauen waren Cannabiskonsumentinnen.

Nach einer 24-stündigen Abstinenz und der Abgabe einer Basismilch-Probe wurden die Frauen zum kontrollierten Konsum von 0,1 Gramm Cannabis mit einem Gehalt von 23 % THC eingeladen: 20 Minuten später und erneut nach 1, 2 und 4 Stunden gaben die Frauen erneut eine Milchprobe ab, die auf THC untersucht  wurde.

Ergebnis: In allen Milchproben wurde THC nachgewiesen. Die durchschnittliche Konzentration betrug 53,5 ng/ml. Am höchsten war sie nach einer Stunde mit 94 ng/ml. Nach den Berechnungen von Hale würde ein gestilltes Kind etwa 8 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag aufnehmen.

Die relative kindliche Tagesdosis (RID) beträgt 2,5 %. Der Säugling nimmt pro Kilo Körpergewicht 2,5 % der Dosis auf, die die Mutter pro Kilogramm Körpergewicht konsumsiert. Die RID schwankten bei den Frauen allerdings stark von 0,6 bis 8,7 %. Die Exposition des Säuglings dürfte zu gering sein, um einen Rausch auszulösen. Eine Schädigung ist dennoch denkbar, zumal endogene Cannabinoide eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Gehirns haben. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 17. April 2018, 20:05

Zu viel Dope?

"Transfer of Inhaled Cannabis Into Human Breast Milk" von Baker, Teresa et al. https://journals.lww.com/greenjournal/Abstract/publishahead/Transfer_of_Inhaled_Cannabis_Into_Human_Breast.98104.aspx
beschreibt ohne jeden Zweifel nicht: "Wenn Schwangere Cannabis rauchen," sondern nur und ausschließlich stillende, Cannabis-rauchende Mütter, deren Cannabis in die Muttermilch übergeht.
["OBJECTIVE: To evaluate the transfer of delta-9-tetrahydrocannabinol and its metabolites into human breast milk after maternal inhalation of 0.1 g cannabis containing 23.18% delta-9-tetrahydrocannabinol."]

Die Schlussfolgerung schließt mit dem Hinweis, Mütter sollten bei Schwangerschaft und Stillzeit vorsichtig mit dem Gebrauch von Cannabis sein. Die Schwangerschafts-Zeit war aber nicht Untersuchungsgegenstand.
["CONCLUSION: This study documents inhaled delta-9-tetrahydrocannabinol transfer into the mother's breast milk. Low concentrations of delta-9-tetrahydrocannabinol were detected. The long-term neurobehavioral effect of exposure to delta-9-tetrahydrocannabinol on the developing brain is unclear. Mothers should be cautious using cannabis during pregnancy and breastfeeding."]

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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