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„Schmerzedukation“: Kann Einsicht spinale Schmerzen lindern?

Mittwoch, 18. April 2018

/psdesign1, stock.adobe.com

Brüssel – Eine ausführliche Schulung, die Patienten mit chronischen Rücken- und Nackenschmerzen die neurologischen Grundlagen ihrer Erkrankung erläutert, hat zusammen mit einem kognitiven Training in einer kontrollierten Studie zwar die Schmerzen nicht völlig beseitigt, die funktionellen Einschränkungen jedoch abgeschwächt. Auswirkungen auf die Hirnmorphologie waren laut der Publikation in JAMA Neurology (2018; doi: 10.1001/jamaneurol.2018.0492) indes nicht erkennbar.

Spinale Schmerzen entstehen zwar im Hals und Rückenbereich, ihre Verarbeitung erfolgt jedoch im Gehirn. Der Schmerz führt dazu, dass Patienten ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf Rücken oder Hals lenken, Schmerzen verstärkt wahrnehmen und bestimmte Bewegungen vermeiden. Hypervigilanz, Katastrophisieren und Kinesiophobie können jedoch die Chronifizierung der Schmerzen fördern.

Der Einfluss des Gehirns kann so groß sein, dass es zu Veränderungen im Cortex kommt, die sich mit der Kernspintomographie sichtbar machen lassen. Davon waren jedenfalls Anneleen Malfliet und Mitarbeiter von der Freien Universität Brüssel überzeugt. Die belgischen Schmerzforscher haben deshalb in ihrer kontrollierten Studie nicht nur den Einfluss einer Schmerzschulung und eines kognitiven Trainings auf die Schmerzen und die Alltagsfunktionen untersucht.

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Bei den Teilnehmern wurde vor Therapiebeginn sowie nach 3 und 12 Monaten eine Magnetresonanztomographie des Kopfes angefertigt, um die Dicke des Cortex an zehn Stellen zu messen, die an der Schmerzverarbeitung beteiligt sind.

An der Studie nahmen 120 Patienten mit chronischen spinalen Schmerzen teil, die unter nichtspezifischen Nacken- oder Rückenschmerzen litten. Dies konnten Schmerzen nach einem Schleudertrauma oder nach einer länger zurückliegenden Operation oder auch chronische Schmerzen ohne erkennbaren Grund sein. Ausgeschlossen waren jedoch Patienten mit neuropathischen Schmerzen, einer weniger als 3 Jahre zurückliegenden Operation sowie Patienten mit Osteoporose oder rheumatologischen Erkrankungen.

Die Teilnehmer wurden nach dem Los auf zwei Gruppen verteilt. In beiden Gruppen wurde die medikamentöse Therapie weitergeführt. Der Kontrollgruppe wurde die übliche Physiotherapie verschrieben einschließlich den Belehrungen einer konventionellen Rücken- und Nackenschule.

Die Interventionsgruppe erhielt eine intensive Schulung, in der sie über die Entstehung der Schmerzen, die Risikofaktoren und die Chronifizierung unterrichtet wurden. Die Patienten wurden über die Bedeutung von Hypervigilanz, Katastrophisieren und Kinesiophobie unterrichtet. Anschließend folgte ein kognitives Training, bei dem die Patienten langsam ein Schmerzvermeidungsverhalten ablegen und ihre Beweglichkeit verbessern sollten.

Die primären Endpunkte waren die Intensität der Schmerzen und ihre Auswirkungen auf übrige körperliche und mentale Funktionen. Die Schmerzen wurden einmal durch Bestimmung des Druckreizes bestimmt, der eine Schmerzreaktion auslöst. Hier wurden die geringsten Effekte gesehen, wie Malfliet berichtet. Nach Abschluss der Schulung ertrugen die Patienten durchschnittlich 0,971 kg mehr Gewicht als die Kontrollgruppe, bis ein Schmerzreiz eintrat. Die Unterschiede waren jedoch statistisch nicht signifikant. Auch in einer numerischen Ratingskala, wo die Patienten den Schmerz von 0 bis 10 bewerteten, wurden nach 3, 6 und 12 Monaten keine signifikanten Unterschiede festgestellt.

In einem ausführlichen Fragebogen („central sensitization inventory“, CSI), der die verschiedenen Aspekte der Schmerzempfindung erfasst und mit maximal 100 Punkten bewertet, erzielten die Patienten der Interventionsgruppe nach 6 und 12 Monaten ein um durchschnittlich 5,6 beziehungsweise 6,1 Punkte statistisch signifikant besseres Ergebnis als in der Vergleichsgruppe.

Die größten Vorteile gab es in den 3 Parametern zu den körperlichen und mentalen Funktionen. Der Pain Disability Index, der die Auswirkungen der Schmerzen auf 7 Alltagsaktivitäten misst, verbesserte sich nach 3 Monaten um 5,1 Punkte, nach 6 Monaten um 6,4 Punkte und nach 12 Monaten um 5,8 Punkte (von maximal 70 Punkten).

Die Unterschiede waren signifikant, blieben aber unterhalb der Schwelle von 8,5 bis 9,5 Punkten, ab der die Vorteile auch klinisch relevant sind. Im SF36-Fragebogen zur Lebensqualität wurden sowohl bei der mentalen als auch bei der körperlichen Gesundheit Verbesserungen erzielt. Vorteile waren auch in zwei Fragebögen zur Hypervigilanz und zur Kinesiophobie erkennbar.

Die Hoffnung der Autoren, dass sich der Therapieerfolg auch auf die Magnetresonanztomographie auswirkt, erfüllten sich jedoch nicht. In beiden Kontrollaufnahmen waren keine Unterschiede in der Ausdehnung des Cortex erkennbar. Malfliet bezweifelt deshalb, dass die Magnetresonanztomographie für die untersuchte Patientengruppe von Bedeutung ist. © rme/aerzteblatt.de

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