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Politik

Pflege­bevollmächtigter fordert mehr Aufgaben für Pflegekräfte

Dienstag, 17. April 2018

Andreas Westerfellhaus /dpa

Berlin – Der neue Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfell­haus, hat sich dafür ausgesprochen, dass Pflegekräfte künftig auch ärztliche Aufgaben übernehmen. „Ich habe eine Vision“, sagte Westerfellhaus heute vor Journalisten in Berlin. „Warum sollen Pflegekräfte nicht auch eine eigene Diagnose stellen bei der Versorgung chronischer Wunden? Warum sollen sie nicht eigenständig entscheiden können, welche Berufsgruppe bei der weiteren Behandlung einer Erkrankung noch hinzugezogen wird?“

„Wir sind nicht nur Handlanger anderer Professionen, sondern wir wollen mit allen Gesundheitsberufen auf Augenhöhe arbeiten“, so der Staatssekretär, der gestern seine Ernennungsurkunde zum Pflegebevollmächtigten von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) erhalten hatte. „Wir müssen die Aufgaben zwischen den Gesundheits­berufen dringend und unbedingt neu verteilen. Die Pflegenden sollten das tun, was ihrer anspruchsvollen Ausbildung entspricht.“ 

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Pflegende wollen durchführen, was sie gelernt haben

Wenn er mit Pflegenden spreche, höre er: „Wir vermissen, dass wir das, was wir gelernt haben, auch durchführen dürfen.“ Es könne nicht sein, dass so ein hochausgebildeter Beruf von Delegation und Substitution abhängig gemacht werde, sagte Westerfellhaus. 

„Ich habe in meinem bisherigen Berufsleben oft genug erklärt bekommen, warum etwas nicht geht“, so der Staatssekretär. „Ich will nicht mehr wissen, warum etwas nicht geht, sondern ich will wissen, wie etwas geht.“ Das Bewahren von alten Besitzständen habe nichts mit der Versorgung der Versicherten und nichts mit der Interessenlage von Pflegebedürftigen zu tun.

Diskussion über Pflegeversicherung als Teilkaskoversicherung führen 

Darüber hinaus forderte er, dass Pflegeeinrichtungen allgemein verbindliche Tarife bezahlen müssten. Dann könne die Pflege auch nach der Ausbildung mit anderen Berufen konkurrieren. „Qualifizierte Leistung benötigt qualifizierte Löhne“, sagte Westerfell­haus. „Wer glaubt, daran sparen zu können, der irrt.“

Wenn es nicht gelinge, schnell zu flächendeckenden Tarifverträgen zu kommen, würden die Pflegenden zumindest in den Ballungszentren mit den Füßen abstimmen.  „Und ich kann auch nicht verstehen, wie man als Träger einerseits den Einsatz flächendeckender Tarifverträge als unmöglich bezeichnen kann, während man gleichzeitig viel Geld in die Hand nimmt, um einem anderen Träger die Mitarbeiter abzuwerben“, sagte Westerfellhaus.

Eine bessere Bezahlung von Pflegekräften dürfe aber nicht zulasten der Zuzahlung der Pflegebedürftigen gehen, sondern sie sei eine Aufgabe des Solidarsystems. „Wir müssen eine Diskussion darüber führen, ob die Pflegeversicherung als Teilkaskoversicherung jetzt noch richtig ist“, forderte der Staatssekretär. 

Vertrauen der Pflegenden zurückgewinnen

Auf die Frage, wie es gelingen könne, dem Pflegemangel zu begegnen, sagte Westerfellhaus: „In den letzten Jahren haben wir Tausende Pflegekräfte in die Teilzeit oder ganz aus dem Beruf verloren. Wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie wir ihr Vertrauen zurückgewinnen können, damit sie wieder in ihren Beruf zurückkehren.“

In den vergangenen Jahrzehnten sei den Pflegenden viel versprochen worden, ohne dass etwas passiert sei. „Das Misstrauen ist groß“, so der Westerfellhaus. „Wir brauchen kurzfristige Lösungen, bei denen die Pflegenden merken, dass etwas passiert. Erst dann werden wir ihr Vertrauen zurückgewinnen.“

Westerfellhaus ist gelernter Krankenpfleger. An seine Ausbildung schloss er eine Fachweiterbildung Intensivpflege und Anästhesie an. Später studierte er Pädagogik für Gesundheitsberufe und übernahm 1993 die Schulleitung der Krankenpflegeschule der Westfälischen Kliniken in Gütersloh. Von 2000 bis 2018 war Westerfellhaus Geschäfts­führer der ZAB – Zentrale Akademie für Berufe im Gesundheitswesen, von 2009 bis 2017 Präsident des Deutschen Pflegerates. © fos/aerzteblatt.de

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