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Medizin

Epstein-Barr-Virus schaltet Risikogene für Autoimmun­erkrankungen an

Mittwoch, 18. April 2018

/dpa

Cincinnati – Ein Transkriptionsfaktor, den das Epstein-Barr-Virus in B-Zellen einschleust, ist offenbar dafür verantwortlich, dass viele Patienten später an einem Lupus erythematodes erkranken. Die Studie in Nature Genetics (2018; doi: 10.1038/s41588-018-0102-3) liefert auch eine Erklärung für das erhöhte Risiko für sechs weitere Autoimmunerkrankungen.

Mehr als 90 % aller Menschen stecken sich im Verlauf des Lebens mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) an. In den ersten Lebensjahren verläuft die Infektion unbemerkt. Bei Teenagern und jungen Erwachsenen kann es zum Pfeifferschen Drüsenfieber kommen. Die Viren infizieren B-Zellen und legen dort einige Transkriptionsfaktoren ab. Diese werden wohl in erster Linie für die Bildung neuer Viren benötigt. Einige Transkriptionsfaktoren verbinden sich aber auch mit den „einheimischen“ Genen der B-Zellen.

Wie John Harley vom Cincinnati Children’s Hospital und Mitarbeiter herausgefunden haben, bindet einer dieser Transkriptionsfaktoren, EBNA2, an der Hälfte aller Gene, die das Risiko auf einen Lupus erythematodes erhöhen. Dies könnte erklären, warum eine EBV-Infektion das Risiko auf einen Lupus erythematodes um den Faktor 50 erhöht. Menschen, die nicht mit EBV infiziert waren, erkranken praktisch niemals an einem Lupus erythematodes.

Infektionen mit EBV erhöhen das Risiko auf sechs weitere Autoimmunerkrankungen. Dies sind Multiple Sklerose, rheumatoide Arthritis, entzündliche Darm­er­krank­ungen, Typ-1-Diabetes, juvenile idiopathische Arthritis und Zöliakie. Für alle diese Erkrankungen kann Harley ähnliche, wenn auch weniger ausgeprägte Interaktionen von EBNA2 mit den Risikogenen nachweisen, wie beim Lupus.

Zu welcher Autoimmunerkrankung es kommt, könnte laut Harley davon abhängen, an welcher Stelle EBNA2 im Genom bindet. Sollte EBNA2 tatsächlich der Schlüssel zur Entwicklung der Autoimmunerkrankungen sein, dann könnten Wirkstoffe, die EBNA2 neutralisieren, die Entstehung von Autoimmunerkrankungen verhindern. Den gleichen Effekt könnten Impfstoffe gegen EBV haben, die derzeit in der Entwicklung sind. © rme/aerzteblatt.de

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