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Ausland

Europaparlament ermutigt Mitgliedstaaten, Impfquoten zu erhöhen

Donnerstag, 19. April 2018

/dpa

Straßburg – Mitgliedstaaten und EU-Kommission sind aufgefordert, die Rechtsgrundlage für eine Durchimpfungsrate zu stärken. Das hat das Europäische Parlament heute in einer Resolution beschlossen und sich damit gegen die Impfmüdigkeit in Europa gewendet.

In der Resolution werden die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten unter anderem dazu aufgefordert, wirksame Schritte gegen die Verbreitung von Fehlinformationen einzuleiten, einen besser harmonisierten Impfplan zu erstellen und den Zugang zu Impfstoffen innerhalb der Mitgliedstaaten zu erleichtern. Weiterhin soll die Kommission einen umfassenden EU-Aktionsplan erstellen und dabei das gesellschaftliche Problem einer zögerlichen Haltung gegenüber Impfungen ansprechen.

Sorge um Impflücken

Die Parlamentarier zeigten sich zudem besorgt, dass epidemiologische Daten zum aktuellen Impfstand in den Mitgliedstaaten bei der Akzeptanz von Impfstoffen „große Lücken“ zeigten sowie die Durchimpfungsraten, die für einen angemessenen Schutz erforderlich sind, unzureichend sind. Auch gebe eine zunehmende und weit verbreitete Impfskepsis angesichts der unterschiedlichen Auswirkungen auf die Gesundheit in den Mitgliedstaaten Anlass zur Sorge.

Die Mitgliedstaaten werden in der Resolution aufgefordert, „die Durchimpfungsrate über das Kleinkindalter hinaus auszuweiten und alle Bevölkerungsgruppen in ein Konzept für lebensbegleitende Impfungen einzubeziehen, zumal Impfungen zur Vorsorge sinnvoll sind“, heißt es. Das Parlament verweist dabei auch auf eine Reihe von vermeidbaren Masernausbrüchen, die auf eine zögerliche Haltung gegenüber Impfungen zurückzuführen seien. Daher müsse die EU-Kommission ihre Unterstützung für einzelstaatliche Bemühungen um eine höhere Durchimpfungsrate weiter verstärken.

Der gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Fraktion, Peter Liese (CDU), und Renate Sommer (CDU), Europaabgeordnete für das Ruhrgebiet, sprachen heute in Bezug auf sinkende Impfquoten von einer „Tragödie“. „Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die uns in der Medizin zur Verfügung stehen“, sagte Sommer. Viele Infektionskrankheiten, die beim Menschen schwerwiegende gesundheitliche oder gar tödliche Folgen haben, könnten durch Impfungen verhindert werden. „Im Falle einer Virusinfektion ist eine Impfung die einzige Möglichkeit, den Virus zu bekämpfen, denn Antibiotika sind gegenüber Viren unwirksam“, sagte Sommer.

„Leider sind über die Impfungen zu viele Fake News im Umlauf und die Menschen vermeiden Impfungen im Glauben, dass sie gefährliche Nebenwirkungen haben, nicht sicher oder unwichtig sind“, betonte heute Peter Liese. Dies sei „natürlich Unsinn“, so der Mediziner. Die Impfungen seien nicht nur absolut notwendig, sondern auch sicher. „Ich finde, Eltern, die die empfohlenen Impfungen bei ihren Kindern nicht durchführen lassen, handeln unverantwortlich“, erläutert Liese. Er mahnt, dass gerade Eltern gezielt angesprochen werden müssen. „Dazu brauchen wir EU-weite Informationskampagnen und eine gemeinsame europäische Herangehensweise im Rahmen eines europäischen Aktionsplans“, sagte er. Nur so könne man ein einheitlich hohes Niveau an Impfquoten erreichen.

Der SPD-Europaabgeordnete Tiemo Wölken forderte ein entschiedenes Vorgehen gegen Anti-Impf-Kampagnen sowie Maßnahmen gegen Impfstoffengpässe. „Die Vorteile von Impfungen sind wissenschaftlich ausgiebig erforscht. Das Ausrotten der Pocken, die Reduzierung von typischen Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln und Kinderlähmung um bis zu 99 Prozent sind eindrucksvolle Beispiele für die Wirksamkeit von Impfungen“, sagte Wölken, der gesundheitspolitischer Sprecher der Europa-SPD ist.

Bedauerliche Irrtümer

Er bezeichnete es als „umso bedauerlicher“, dass „offenbar“ immer mehr EU-Bürger in der Europäischen Union Zweifel am Nutzen von Impfungen haben. „Vor allem die teils wilde Panikmache rund um das Thema muss ein Ende haben“, so Wölken. Er mahnte, dass man nun transparent, gezielt und nüchtern über Impfungen aufklären müsse. Mitgliedstaaten müssten geschlossen gegen die Fehlinformationen vorgehen und vor allem Eltern mit Informationskampagnen für die hohe Bedeutung von Impfungen sensibilisieren.

Weitverbreitete Impfprogramme seit Mitte des 20. Jahrhunderts haben zur Reduktion oder der regionalen beziehungsweise globalen Ausrottung von Infektionskrankheiten geführt, die früher oft tödlich waren. In den vergangenen Jahren hat aber eine immer größere Zahl der Menschen wichtige Impfungen unterlassen oder gar verweigert.

Dadurch sind Krankheiten wie die Masern, die in Europa quasi schon als ausgestorben galten, wieder ausgebrochen. Die Infektionsrate bei Masern hat sich im Kalenderjahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr auf über 15.000 Fälle verdreifacht. Seit Anfang 2016 gab es in der EU sogar 50 Todesfälle. Auch die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) warnt vor der besorgniserregenden Rückkehr von vermeidbaren Krankheiten wie zum Beispiel Masern. © may/EB/aerzteblatt.de

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